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USA: Verbraucher mobilisieren für Gentechnikkennzeichnung

Berlin, 14.08.2012 - Im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien setzt sich eine zivilgesellschaftliche Kampagne für eine Kennzeichnung von Gentechnik-Bestandteilen in Lebensmitteln ein. Bislang haben Verbraucherinnen und Verbraucher dort keine Möglichkeit, Produkte mit gentechnisch veränderten Zutaten von solchen ohne Gentechnik zu unterscheiden. Über eine Million Menschen haben die Forderung nach einer solchen Regelung nun schon unterschrieben. Anfang November dieses Jahres wird abgestimmt.

Eine der Organisatorinnen der "California Right to Know"-Kampagne erklärte: "Die Leute wollen wissen, ob ihre Nahrung gentechnisch veränderte Zutaten enthält. Diese Art der Kennzeichnung ist Standard in den meisten Industriestaaten." Die Bürgerbewegung hat schon fast 3 Millionen US-Dollar zur Verbreitung ihres Anliegens gesammelt. Die Zahl der Unterstützer und die Höhe der Spendengelder sind ein Indiz für die deutliche Ablehnung von Gentechnik in Lebensmitteln durch einen Großteil der Verbraucherinnen und Verbraucher.

Zwar besitzen die Gegner der Kennzeichnung mit der Unterstützung von Gentechnikherstellern wie Monsanto, Syngenta, BASF und Bayer, aber auch der Lebensmittelriesen Unilever, Kraft, Nestlé und Coca-Cola, ein finanzielles Übergewicht. Die Industrie steckte bereits 11,9 Millionen US-Dollar in die Gegenkampagne. Trotzdem dürften die Chancen der Kennzeichnungsbefürworter recht gut sein. Im Bundesstaat Oregon ist eine ähnliche Initiative vor zehn Jahren noch gescheitert. Doch in Kalifornien stehen den Organisatoren nicht nur weitaus mehr Mittel zur Verfügung. Sie profitieren wohl auch davon, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher heute besser über das Thema informiert sind. In einer jüngst veröffentlichten Umfrage der Pepperdine Universität gaben 69,4 Prozent der Befragten an, für die Kennzeichnung stimmen zu wollen. Nur 21,8 Prozent kündigten ein Nein an, 8,9 Prozent waren noch unentschlossen.

Auch in Deutschland wollen die meisten Menschen keine gentechnisch veränderten Lebensmittel. Laut einer Eurobarometer-Umfrage aus dem Jahr 2010 fühlen sich 78 Prozent der Deutschen bei dem Gedanken an Gentechnik im Essen "unwohl". 74 Prozent der Befragten war der Meinung, dass Gentech-Nahrung gesundheitsgefährdend sei. Anders als in den USA gibt es hierzulande zwar bereits die Pflicht zur Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Zutaten. Eine Ausnahme besteht jedoch für tierische Produkte, bei deren Herstellung Gentechnik in Futtermitteln eingesetzt wurde. Hier schafft das Siegel "Ohne Gentechnik" des VLOG Sicherheit für die Verbraucherinnen und Verbraucher, dass auch die Fütterung gentechnikfrei erfolgt.

California Right To Know: Big Ag pumps $10 million into anti-GMO-labeling campaign (13.08.12)

California Right to Know

Bloomberg News: California Gene-Altered Food Campaigns Draw $4.3 Million (02.08.12)

USA Today: Fight over genetically engineered crops on California ballot (12.06.12)

Eurobarometer: Biotechnology Report 2010