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Auf dem Weg zu einer gemeinsamen Kennzeichnung

Berlin, 12.12.2012 - Die Kennzeichnung von gentechnikfreien Lebensmitteln nimmt immer mehr an Fahrt auf - und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, Frankreich, Italien (Südtirol) und Luxemburg. Bislang stellen jedoch alle diese Länder unterschiedliche Anforderungen an die Produkte. Dabei wäre ein EU-weiter, einheitlicher Standard, ähnlich wie beim sehr erfolgreichen Bio-Siegel, durchaus sinnvoll.

Eine Studie der österreichischen Umweltbundesamt GmbH, einer unabhängigen Experteneinrichtung, hat kürzlich einen Vergleich der Siegel Frankreichs, Österreichs, Südtirols und Deutschlands vorgenommen. Fazit: Trotz aller Unterschiede ist eine Harmonisierung der Labels möglich. Gleichwohl müssten dafür einige Hürden überwunden werden, es gebe noch "deutlichen Raum" für Angleichungen, so das Umweltbundesamt.

Auch der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) unterstützt eine Harmonisierung der "Ohne Gentechnik"-Kriterien in der EU. Eine Einigung ist realistisch, solange man sich auf den Grundgedanken verständigen kann, dass die gemeinsamen Anforderungen einen schwierigen Balanceakt meistern müssen. Sie sollen den hohen Erwartungen der Verbraucher nach Gentechnikfreiheit gerecht werden und gleichzeitig praxisnah sowie zu einem akzeptablen Preis anwendbar sein.

Gemeinsam ist allen bisherigen Siegeln, dass nur solche Produkte sich mit ihnen schmücken dürfen, die im Sinne der relevanten EU-Verordnung 1829/2003 keine Gentechnik enthalten. Das gilt sowohl für Lebens- als auch Futtermittel. Die Siegel schreiben bestimmte Kontrollen vor, um die Gentechnikfreiheit der Waren sicher zu stellen. Sind alle Auflagen erfüllt, können die Aufschriften "Ohne Gentechnik" (Deutschland und Südtirol), "Sans OGM" (Frankreich, ohne GVO), bzw. "gentechnikfrei erzeugt" (Österreich, wobei hier auch andere Wortlaute möglich sind) auf die Verpackungen gedruckt werden.

Die Unterschiede liegen, wie so häufig, im Detail. So weichen die Grenzwerte für tolerierte Verunreinigungen bei Lebensmitteln und für die Produktionstiefe, bis zu der Gentechnikanwendungen ausgeschlossen werden, von einander ab. Die Übergangsfristen zwischen der Umstellung auf gentechnikfreie Futtermittel bei Tieren und dem Zeitpunkt der Kennzeichnung sind unterschiedlich ausgestaltet, und auch bei den Kontrollen gibt es andere Ansätze.

Die Differenzen der bisherigen nationalen Regeln sind allesamt überwindbar. Der Aufwand könnte sich lohnen, denn ein einheitliches Siegel würde nicht nur den grenzüberschreitenden Verkehr der Rohwaren und Produkte erleichtern, sondern möglicherweise Hersteller in weiteren EU-Ländern zur "Ohne Gentechnik" Produktion anregen.

EU-weite Kriterien für "Ohne Gentechnik"-Lebensmittel sollten nach Ansicht des VLOG folgende Kernpunkte abdecken:

  • Erfassung der Produktionskette bis zu den Futtermitteln
  • Grundsätzlich eine gentechnikfreie Fütterung von Tieren ab Geburt, bzw. dem Schlüpfen, mit nur wenigen Ausnahmen bei Neuumstellung und Bestandsergänzung.
  • Anlehnung an den Aspekt der Gentechnikfreiheit in der EU-Bioverordnung 834/2007
  • Verpflichtende externe Kontrollen

Link zur Studie