EU: Neue Gentechnik-Soja darf importiert und verarbeitet werden

Berlin, 12.07.2012 - Der für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständige EU-Kommissar John Dalli hat erstmals einer gentechnisch veränderten Sojapflanze mit kombinierten Eigenschaften die Zulassung für Import und Verarbeitung in Futter- und Lebensmitteln erteilt. Die Sorte "Intacta" des US-amerikanischen Agrochemiekonzerns Monsanto ist laut Hersteller gegen das Herbizid Glyphosat resistent und bildet gleichzeitig ein eigenes Gift zur Abwehr von Schädlingen. Der Anbau der Gentech-Soja wird in Brasilien stattfinden.

Kritiker befürchten gesundheitliche Risiken. Es ist nicht auszuschließen, dass allergene Bestandteile der Pflanze durch die gentechnischen Veränderungen verstärkt werden können. Auch Rückstände des Eigengifts der Gentech-Soja und des Spritzmittels Glyphosat könnten einander anreichern. Erst kürzlich fand ein Team der Universität Leipzig heraus, dass Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland das giftige Glyphosat in nachweisbaren Mengen über die Nahrung aufnehmen. Das unabhängige Institut für Folgenabschätzung in der Biotechnologie, Testbiotech, erwägt wegen der lückenhaften Vorsorgekontrolle durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), rechtliche Schritte gegen die Zulassung von "Intacta" einzuleiten.

Soja ist ein wichtige Eiweißlieferant und wird daher in großem Maßstab als Futtermittel in der Viehhaltung eingesetzt. In den letzten drei Jahren wurden jeweils zwischen 3 und 3,5 Millionen Tonnen Sojabohnen und dasselbe Volumen an Ölkuchen und -schrot aus Soja nach Deutschland importiert. Das Soja kommt fast ausschließlich aus Nicht-EU-Ländern, insbesondere aus Brasilien, den USA, Paraguay, Kanada und Argentinien. Doch in den dortigen Landwirtschaften wird überwiegend gentechnisch verändertes Soja gepflanzt.

Weil der Anbau von Eiweißpflanzen in Deutschland immer weiter abnimmt, arbeitet das Bundeslandwirtschaftsministerium derzeit an einer Strategie zur Verringerung der Wettbewerbsnachteile heimischer Leguminosen. Dafür komme insbesondere der Forschung "eine zentrale Rolle" zu. Es wird auch geprüft, inwieweit der Leguminosenanbau durch die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU gefördert werden kann. Über deren Neugestaltung für den Zeitraum 2014-2020 wird auf europäischer Ebene noch bis nächstes Jahr verhandelt. In den letzten Jahren wurden nur 38 Prozent der in den hiesigen Ställen benötigten Eiweißfuttermittel auch hier produziert.

Testbiotech: "Gentechnik im Doppelpack: Erstmals Zulassung von Gen-Soja mit Kombinationswirkung"

Süddeutsche Zeitung: "Gift im Getreide: Herbizide in der Landwirtschaft"

BMELV: "Bundeslandwirtschaftsministerium entwickelt Strategie zum verstärkten Anbau heimischer Eiweißpflanzen"