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Bayern: „Ohne Gentechnik“ im Trend

Berlin, 24.10.2012 - Gentechnikfreie Milch liegt bei den bayerischen Landwirten und Molkereien voll im Trend. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Hochrechnung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Ihr zufolge liegt der Anteil von Milch "ohne Gentechnik" im Freistaat dieses Jahr bei 17,5 Prozent. Damit wird 2012 fast doppelt so viel davon produziert wie noch 2011. Rechnet man das "Bio"-Segment hinzu, werden sogar 22,2 Prozent der bayerischen Milch ohne gentechnisch veränderte Futtermittel erzeugt.

Die LfL befragte für ihre Untersuchung Molkereien, aber auch Sachverständige aus Unternehmen, Organisationen und Verbänden. Dabei zeigte sich, dass sowohl die Gesamtmenge der gentechnikfreien Milch als auch die Anzahl der Molkereien, die mit derselben beliefert werden, gestiegen sind. Besonders bei den mittelgroßen Betrieben, die zwischen 50 und 200 Millionen Kilo Milch jährlich erfassen, bezogen deutlich mehr "ohne Gentechnik"-Milch: vier Molkereien waren es 2011, nun sind es acht. Doch auch bei den kleinen und großen Unternehmen ist der Trend zu beobachten. Neun kleine und sechs große Molkereien bekamen 2012 von den Landwirten Milch "ohne Gentechnik" geliefert, im Vorjahr waren es noch acht bzw. vier.

Die zunehmende Relevanz gentechnikfreier Milch zeigt sich aber am stärksten bei den erzeugten Mengen. Von den insgesamt 8,3 Milliarden Kilogramm Milch, die in Bayern dieses Jahr gemolken werden, stammen 4,7 Prozent von Bio-Höfen, und 17,5 Prozent aus einer Produktion nach "ohne Gentechnik"-Kriterien. 2011 hatte "ohne Gentechnik" einen Anteil von 9,7 Prozent. Die LfL geht davon aus, dass dieser Trend zurzeit der dynamischste in der Milchwirtschaft ist. Und das nicht nur in Süddeutschland. In Österreich und der Schweiz werden nach Angaben von Alexander Hissting, Sprecher des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG), 100 Prozent der Milchkühe gentechnikfrei gefüttert.

Der Mehraufwand für eine Umstellung auf "ohne Gentechnik" hält sich aus Sicht der LfL in Grenzen. Zwar müsse für Futtermittel und getrennte Erfassungsanlagen mehr investiert werden. Auch entwickle sich "ohne Gentechnik" langsam zum "allgemeinen Standard". Doch noch zahlt sich der Einstieg in die "ohne Gentechnik"-Sparte für die Betriebe aus. Neben höheren Preisen und der Chance, neue Absatzmärkte zu finden, verbessere sich auch das Bild der Molkereien und der Landwirte in der Öffentlichkeit und bei den Verbrauchern. Und angesichts der Auswirkungen der Soja-Monokulturen in Übersee hat auch die Politik reagiert. So werden mit der künftigen Gemeinsamen Agrarpolitik der EU auch die Voraussetzungen für ein Wiedererstarken des heimischen Eiweißpflanzenanbaus geschaffen - und damit für eine gesicherte Versorgung mit gentechnikfreien Futtermitteln.

Die LfL erwartet für das kommende Jahr jedenfalls einen weiteren Anstieg der Mengen an Milch "ohne Gentechnik". Und sie schlägt vor, einen "einheitlichen Zertifizierungsstandard" für gentechnikfreie Milch einzuführen. So könne den Verbrauchern die Wahl vor dem Kühlregal erleichtert werden. Der VLOG arbeitet zusammen mit Branchenbeteiligten bereits an einem solchen Standard.

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): "Ohne Gentechnik" Milch ein Trend in Bayern