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Schweizer Produzenten wollen „Ohne Gentechnik“

Berlin, 20.09.2012 – In der Schweiz wird derzeit über die Verlängerung eines Moratoriums für den Gentechnik-Anbau diskutiert. Dabei rückt auch die Frage nach der Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Organismen in den Fokus der Öffentlichkeit. Mit einer Aktion in Supermärkten wollten Mitglieder der Bäuerlichen Interessen-Gruppe für Marktkampf (BIG-M) ihrer Forderung eines „Ohne Gentechnik“-Siegels für die Schweiz Nachdruck verleihen. Sie klebten die grüne Raute des VLOG auf Molkereiprodukte im Kühlregal Züricher Einzelhändler.

Schweizer Landwirte und Molkereien haben momentan keine rechtliche Möglichkeit, ihre Erzeugnisse als gentechnikfrei auszuweisen. Da in dem Land zurzeit weder Gentechnikpflanzen angebaut noch gentechnisch veränderte Futtermittel eingesetzt werden dürfen, sah die Politik bislang keinen Handlungsbedarf. Allerdings haben viele Einzelhandelsketten auch Importprodukte im Sortiment, z.B. aus Deutschland, Italien oder Frankreich. Bei ausländischer Milch, Eiern, Fleisch oder Käse können die Verbraucherinnen und Verbraucher in der Schweiz – ebenso wie ihre europäischen Nachbarn – nicht erkennen, ob Gentech-Pflanzen verfüttert wurden.

Die Interessensgemeinschaft BIG-M, die mit dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) vergleichbar ist, fordert daher die Einführung eines „Ohne Gentechnik“-Siegels, um den Schweizern eine echte Wahlmöglichkeit zu geben. Gleichzeitig sollten die Molkereibetriebe des Landes aus Sicht von BIG-M ihre Exportprodukte ebenfalls als gentechnikfrei kenntlich machen, um deren Qualität hervorzuheben. In einer Pressemitteilung ermutigt der Verband seine Mitglieder, die im Ausland gegebenen Möglichkeiten zur Kennzeichnung zu nutzen.

In Deutschland ist es beispielsweise möglich, das „Ohne Gentechnik“-Siegel aufzudrucken, wenn die importierten Produkte die gleichen gesetzlichen Kriterien erfüllen wie die von einheimischen Herstellern. Alexander Hissting vom VLOG unterstützte daher die Forderungen von BIG-M: „Es ist eine vertane Chance der Schweizer Milchwirtschaft, im Export nicht auf die besondere Qualität der Produkte hinzuweisen. Schon heute könnte Schweizer Käse ohne großen Aufwand mit der 'Ohne Gentechnik'-Kennzeichnung in Deutschland vermarktet werden.“

Auf einer Pressekonferenz in Zürich erklärte Hissting, die Kennzeichnung mit dem „Ohne Gentechnik“-Siegel stoße seit einigen Jahren sowohl bei Konsumente und Verbraucherschützern, als auch bei der Lebensmittelindustrie auf positive Resonanz. Für die Produzenten bedeute das grüne Symbol auf ihren Verpackungen einen echten Wettbewerbsvorteil: „Jene Molkereien in Deutschland, die gewollt gentechfrei produzierte Milch vermarkten, können dies auch mit Stolz kommunizieren.“ Darin wurde er auch von einer während der Supermarkt-Aktion in Zürich befragten Landwirtin bestätigt. Der Zeitung Schweizer Bauer sagte sie mit Bezug auf die grünen „Ohne Gentechnik“-Rauten: „Die Kleber werden von den Konsumenten wahrgenommen.“

BIG-M Pressemitteilung: Warum will die Lebensmittelbranche keine Kennzeichnung von gentechfreien Produkten? (18.09.12) 

Schweizer Bauer: Gentechfreie Milch als Chance (18.09.12)