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Studie zu Gesundheitsrisiken der Gentechnik

Berlin, 24.09.12 – In der EU wird derzeit über eine aufsehenerregende Studie zu den Gesundheitsrisiken des Verzehrs von gentechnisch verändertem Mais diskutiert. Die EU-Kommission und einige Mitgliedsländer haben ihre jeweils zuständigen Behörden angewiesen, die Ergebnisse der Studie zu überprüfen. Davon hängen weitere Konsequenzen ab. Frankreichs Premierminister Ayrault hat angekündigt, sich gegebenenfalls für ein EU-weites Verbot von gentechnisch veränderten Inhaltsstoffen für Lebensmittel einzusetzen. Der Agrarminister von Baden-Württemberg, Alexander Bonde, forderte einen Stopp der Importe von Gentechnik-Mais nach Deutschland.

Wissenschaftler der Universität Caen in Frankreich hatten zwei Jahre lang gentechnisch veränderten Mais des US-Konzerns Monsanto an Ratten verfüttert. Dabei starben die mit Gentechnik ernährten Tiere laut den Forschern wesentlich früher als diejenigen, die konventionellen Mais erhalten hatten. Häufigste Todesursache war Krebs. Vor allem der lange Erhebungszeitraum spricht laut den Befürwortern der Studie für die Aussagekraft der Ergebnisse. Industrienahe Untersuchungen dauern hingegen meist nur drei Monate, wodurch sie die langfristigen Folgen des Gentechnik-Verzehrs kaum feststellen können

Der österreichische Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich sprach sich für strengere Risikoprüfungen in der EU aus: „Eines ist für mich klar: Angesichts dieser neuen Studie muss die EU-Kommission ihr Prüfverhalten überdenken und das Zulassungsverfahren muss eingehend überprüft werden.“ Sein Land wolle den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen auch weiterhin verbieten. In Deutschland plädierten neben dem baden-württembergischen Agrarminister auch der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner und der Vorsitzende des Bundes für Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein, für eine Aussetzung der Importe von Gentechnik-Mais.

Die FDP-Politikerin Christel Happach-Kasan äußerte sich hingegen skeptisch gegenüber den Erkenntnissen der Studie. Sie argumentierte, dass in den USA, wo Gentechnik in vielen Lebensmitteln enthalten sei, keine negativen Konsequenzen aufgetreten seien. Auch einige Wissenschaftler bekundeten Zweifel an der Untersuchung der Universität Caen. Sie bemängelten beispielsweise, es seien nicht alle Daten veröffentlicht worden. Allerdings wurden die kritischen Stimmen, die in vielen Medienberichten zitiert werden, von einer selbst fragwürdigen Quelle verbreitet, dem Science Media Centre. Dieses erhält seine finanziellen Mittel zu großen Teilen aus der Privatwirtschaft, auch von den Gentechnikherstellern Syngenta, Bayer und BASF. Wie aus der Website der Organisation hervorgeht, zählt auch Monsanto, um dessen Gentech-Mais sich die aktuelle Debatte dreht, zu den früheren Sponsoren.

Andere Gentechnik-Experten, wie Michael Antoniou vom King's College London, verteidigten die französische Studie. Sie sei langfristiger und umfangreicher als sämtliche Industrie-Untersuchungen ausgefallen und entspräche den internationalen OECD-Kriterien.

Aus Sicht des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) müssen die Erkenntnisse der Studie, die von anerkannten Wissenschaftlern durchgeführt wurde, durchaus ernst genommen werden. Auch wenn für eine endgültige Bewertung der Gesundheitsgefahr sicher noch weitere Langzeituntersuchungen nötig sind, sollte aus Gründen des vorsorglichen Verbraucherschutzes auf Gentechnik in Nahrungs- und Futtermitteln verzichtet werden. Unternehmen, die ihre Produkte mit dem „Ohne Gentechnik“-Siegel kennzeichnen, tun dies bereits heute.

Top Agrar: „Angebliches Krebsrisko bei gentechnisch verändertem Mais erhitzt die Gemüter“

Kleine Zeitung: „Berlakovich will Prüfung“

Science Media Centre: „Expert reaction to GM maize causing tumours in rats“

Science Media Centre: Funding

The Grocer: Scientists shrug off attacks on Monsanto GM/cancer trial

Informationsdienst Gentechnik: Baden-Württembergischer Minister gegen Import von Gentech-Mais