Meinungsumfrage zu Gentechnik

05.08.2013 – Vergangene Woche veröffentlichte das „Forum Grüne Vernunft“ (FGV) - eine Lobbyorganisation für Gentechnik – eine von ihr in Auftrag gegebene Umfrage. Diese hatte das Institut dimap unter 1.000 Bürgern durchgeführt und Einstellungen zur Agro-Gentechnik abgefragt. Obwohl die Fragen teils sehr suggestiv formuliert waren, zeigte sich erneut die breite Ablehnung gentechnisch veränderter Pflanzen in der Gesellschaft. Das FGV schoss sich aber vor allem auf die leicht abweichenden Resultate bei jungen Menschen ein – und beschwor einen Meinungswandel herauf.

Wie zahlreiche frühere Umfragen bestätigte auch die dimap-Untersuchung, dass die überwiegende Mehrheit der Deutschen keine gentechnisch veränderten Pflanzen und Lebensmittel wünscht. So sprachen sich 71 Prozent dafür aus, die Gentechnik in der Landwirtschaft zu verbieten – nur 27 Prozent waren bereit, transgenen Pflanzen eine Chance zu geben. Dies deckt sich beispielsweise mit einer offiziellen Eurobarometer-Umfrage der EU-Kommission von 2010. Damals antworteten 72 Prozent der Befragten aus Deutschland auf die Frage, ob Gentechnik-Lebensmittel für künftige Generationen sicher seien, mit „nein“. Fast genau so viele - 69 Prozent - sagten, solche Produkte seien nicht gut für sie und ihre Familien.

Auch die dimap-Umfrage fiel eindeutig aus – und das, obwohl sie offensichtlich das Gegenteil bewirken sollte. Der Einfluss des Auftraggebers, dem Forum Grüne Vernunft, lässt sich an mehreren Stellen vermuten. Schon die Eingangsfrage suggeriert durch die Erwähnung von Medikamenten, die mittels gentechnischer Verfahren hergestellt werden, einen Nutzen für viele Menschen. Dabei geht es in der Umfrage doch eigentlich nur um die „grüne“ Gentechnik, also den Landwirtschaftssektor. Dennoch antworteten auch hier 47 Prozent, die Gentechnik schade „alles in allem“ eher, nur 36 Prozent sahen eher einen Nutzen.

Die zweite Frage wartete dann mit recht konkreten Vorteilen auf, die durch die Agro-Gentechnik angeblich erreicht werden könnten ( „könnte zu größeren Ernten sowie gesünderen und umweltfreundlicheren Pflanzen führen“), stellte dem aber nur diffuse Nachteile gegenüber („Risiken, die wir nicht überblicken können“). Trotzdem meinten hier 71 Prozent, gentechnisch veränderte Pflanzen dürften besser nicht angebaut werden. Besonders suggestiv fiel jedoch die dritte Frage aus. Dort wurde behauptet, Gentechnik-Pflanzen könnten „sich selbst gegen die Schädlinge schützen“ - als Alternative waren nur „chemische Pflanzenschutzmittel“ vertreten. Biologische Methoden wurden genauso wenig erwähnt wie die hohe Belastung, die von jenen Gentech-Pflanzen ausgeht, die ein eigenes Insektizid absondern. Folgerichtig entschieden sich die Befragten hier zu gleichen Teilen für eine der beiden Antwortmöglichkeiten.

Eine Schätzung – oder sogar Wunschdenken – liegt auch den Fragen fünf und sechs zugrunde. Hier heißt es, es gebe „Schätzungen, dass bis zu 80 Prozent der Lebensmittel während ihrer Produktion in irgendeiner Weise mit Gentechnik in Berührung gekommen sind.“ Diese Zahl wird von Gentech-Befürwortern häufig als Fakt hervorgehoben – ohne Belege. So entsteht der Eindruck, es gehe gar nicht mehr ohne genmodifizierte Produkte. Dass dies nicht haltbar ist, beweisen nicht zuletzt zahlreiche VLOG-zertifizierte oder biologische Erzeugnisse. Und auch in den Übrigen sind nur selten Gentechnik-Bestandteile drin – denn wegen der Kennzeichnungspflicht der EU taugen solche nur als Ladenhüter.

Doch nicht nur inhaltlich blieb die Umfrage dürftig. Bemerkenswert ist auch, dass die befragten Personen zwar angeben konnten, ob sie eher CDU/CSU, SPD, Grüne, Die Linke, ungültig oder gar nicht wählen. Die FDP hingegen fehlte als Antwortmöglichkeit. Ob dies mit den niedrigen Umfragewerten der Partei zu tun hat oder nicht, hat dimap bislang nicht beantwortet. Es könnte aber auch sein, dass das Forum Grüne Vernunft nicht festgestellt haben wollte, dass auch viele FDP-Anhänger die Agro-Gentechnik ablehnen. Dazu würde passen: der Vorsitzende des Forums, Horst Rehberger, ist nicht nur ehemaliger Wirtschaftsminister des Saarlands und Sachsen-Anhalts, sondern auch Ehrenvorsitzender des FDP-Landesverbandes Sachsen-Anhalt.

Und was ist nun mit den Antworten der jungen Generation? Findet bei den 18-29-Jährigen tatsächlich ein Meinungswandel statt? Auch diese Bewertung des FGV ist mit Vorsicht zu genießen. Denn erstens, so schreibt die Soziologin Birgit Peuker (Gen-ethisches Netzwerk) in einem Kommentar, hätte es schon in Umfragen aus dem Jahr 2000 eine leichte Tendenz unter jungen Erwachsenen gegeben, der Gentechnik offener gegenüber zu stehen. Diese müssten heute in der Gruppe der 30-44-Jährigen sein – die genauso gentechnik-kritisch antwortete, wie die Älteren. Und zweitens, so Peuker, könne von einer Trendwende nicht nach nur einer Umfrage gesprochen werden. Dafür müssten die Ergebnisse über Jahre und Altersgruppen hinweg ähnlich ausfallen. Dafür gibt es aus Sicht des Verbands Lebensmittel Ohne Gentechnik jedoch keine Anzeichen. Dass die Gentechnik-Lobby sich diesen einen Aspekt herauspicken muss, spricht eher für ihre Verzweiflung angesichts der stabilen Ablehnung solcher Lebensmittel und Landwirtschaftstechniken vonseiten der allermeisten Verbraucher.

Forum Grüne Vernunft: Steht Meinungswandel ins Haus? (28.07.13)

Forum Grüne Vernunft: Die Umfrage als pdf

EU-Kommission: Eurobarometer zu Biotechnologie (2010)

Informationsdienst Gentechnik: Kommentar der Soziologin Birgit Peuker zur Umfrage (01.08.13)