Gentechnik-Weizen in Fertignudeln?

06.06.2013 – Ist gentechnisch veränderter Weizen in importierten Fertigprodukten nach Europa gelangt? In einem Londoner Supermarkt wurden Verpackungen von Nudeln mit Käse des Kraft-Konzerns fotografiert. Im Kleingedruckten, unter den Nährwertangaben, steht dort: „Hergestellt aus gentechnisch verändertem Weizen (kann GVO enthalten).“ Woher der Aufdruck stammt, ist noch nicht klar. Transgener Weizen darf bislang nirgendwo auf der Welt kommerziell angebaut werden.

Eine britische Studentin hatte die Fotos von „Kraft Mac & Cheese“ aufgenommen und im Internet verbreitet. Der Blog „Food Babe“ berichtete bereits vor einigen Tagen, gestern schrieb auch die New York Times zu dem Vorfall. Eine Kraft-Sprecherin sagte der Zeitung: „Jeder, der andeutet, Kraft Mac and Cheese oder irgendeines unserer Produkte enthalte GV-Weizen, täuscht sich.“ Wie der Gentechnik-Warnhinweis auf die Verpackungen im Londoner Tesco kamen, könne sie sich nicht erklären.

Das Einzelhandelsunternehmen Tesco, mit Filialen in ganz Großbritannien, wies die Verantwortung ebenfalls zurück. Tesco vermutet, dass der Lieferant, die britische Firma „Innovative Bites“, die Aufkleber am Produkt anbrachte. Innovative Bites war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, berichtet die New York Times.

Gentechnisch veränderter Weizen hat weder in der EU noch in den USA, woher das Kraft-Produkt stammt, eine Zulassung. Vor kurzem war auf einem Feld im US-Bundesstaat Oregon jedoch eben diese Pflanze entdeckt worden. Wichtige Abnehmerländer wie Japan und Südkorea setzten die US-Importe aus, bis alle Weizen-Lieferungen überprüft sind. Der Saatguthersteller Monsanto hatte mehrere Jahre lang Freilandexperimente mit transgenem Weizen durchgeführt. Im Jahr 2004 wurden diese eingestellt. Monsanto erklärte, die nun gefundenen Pflanzen kämen nicht von den damaligen Versuchen.

Zwischenzeitlich wurde aber bekannt, dass der Konzern seit Anfang dieses Jahres neue Freisetzungen von Gentech-Weizen vorgenommen hat – in den Bundesstaaten North Dakota und Hawaii. Ein Landwirt aus Kansas verklagte Monsanto wegen „grober Fahrlässigkeit“. Weil das Unternehmen das biotechnologische Getreide auf Felder gebracht habe, sei es für die Verunreinigungen und damit für fallende Weizenpreise verantwortlich. Diese bedrohten nun die amerikanische Exportwirtschaft und das Einkommen der Farmer. Monsanto wies diese Vorwürfe als „substanzlos“ zurück.

New York Times: A Suspect Food Warning in Britain Spreads an Alarm (05.06.2013)

Food Babe: Illegal GMO Wheat in Kraft Mac & Cheese? (31.05.13)

taz: Fallende Weizenpreise: Klage gegen Monsanto (05.06.13)

Bloomberg: Monsanto Resumed Field Trials of Roundup Ready Wheat (31.05.13)

VLOG: USA: Weniger Weizen-Exporte wegen Gentechnik (03.06.13)