Branchentreff Gentechnikfreies Soja

07.04.2014 - Morgen trifft sich die Futter- und Lebensmittelbranche in Münster, um sich über gentechnikfreie Rohstoffe auszutauschen. Aus erster Hand erhalten die Teilnehmer Informationen über die Sojaproduktion in Brasilien und den Transport nach Europa. Die Tagung stößt auf großes Interesse: circa 130 Teilnehmer werden erwartet, darunter Größen wie Rewe und Aldi sowie die Agrarhändler Cargill, ADM und Louis-Dreyfus.

Im Mittelpunkt werden die brasilianischen Sojaproduzenten stehen. Sie können dieses Jahr deutlich mehr  gentechnikfreies Soja anbieten als letzte Saison. Gleichzeitig werden sie Sorgen bezüglich der Lieferkette ausräumen: durch neue Konzepte für die Verschiffung könnten lange Wartezeiten in Häfen der Vergangenheit angehören, Container minimieren zudem das Risiko von gentechnischen Verunreinigungen des Qualitätssojas. Auch neue Lieferanten gentechnikfreier Ware werden sich vorstellen.

Das Interesse am Branchentreff ist groß: die deutschen Lebensmitteleinzelhändler Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl und Rewe sind mit von der Partie, ebenso drei der größten Agrarhändler weltweit ADM, Cargill und Louis-Dreyfus. Kein Wunder, denn erst kürzlich erfuhr die Frage der gentechnikfreien Futtermittel viel mediale Aufmerksamkeit, da Teile der Geflügelproduzenten unter Verweis auf angebliche Versorgungsengpässe aus der Fütterung ohne Gentechnik ausgestiegen sind.

Umso erstaunlicher, dass der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) und sein größtes Mitglied, die PHW Gruppe, nicht an der Tagung teilnehmen. Tatsächliches Bemühen um eine gentechnikfreie Fütterung sieht anders aus. Auch der Bundesverband Deutsches Ei steht nicht auf der Teilnehmerliste, obwohl er die mangelnde Versorgung mit gentechnikfreiem Futter beklagt hatte – im Gegensatz zu Branchengrößen wie der Deutschen Frühstücksei und Plukon Deutschland, die weiter auf Fütterung ohne Gentechnik setzen.

Vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern stößt die Verfütterung von gentechnisch verändertem Soja sauer auf. Umweltorganisationen schärfen das kritische Bewusstsein der Konsumenten. So klebten Greenpeace-Aktivisten kürzlich Warnhinweise auf Geflügelfleisch bei Lidl, um auf die bevorstehende Kehrtwende hin zur Gentechnikmast aufmerksam zu machen. Das sollten auch die großen Lebensmitteleinzelhändler bedenken: einer Greenpeace-Umfrage zufolge wollen derzeit nur drei (Rewe, Penny, tegut) weiterhin garantieren, dass bei ihren Geflügel-Eigenmarken keine Gentechnik-Pflanzen ins Futter kommen. Einige Supermärkte haben auf regionaler Ebene gentechnikfreie Erzeugnisse im Sortiment, doch viele scheinen noch nicht auf zunehmende Nachfrage der Verbraucher nach Lebensmitteln ohne Gentechnik vorbereitet zu sein. Der Branchentreff zu nachhaltiger Soja könnte für sie eine gute Gelegenheit sein, die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Link zum Programm

VLOG: Gentechnikfreies Soja ausreichend und in hoher Qualität verfügbar - Branchenverbände widerlegen Fehlinformation der Geflügelwirtschaft (24.02.14)

Greenpeace-Umfrage: Supermärkte setzen auf Gen-Soja (27.03.14)