US-Konzerne wollen Kennzeichnung aushebeln

09.01.2014 – In den USA gibt es bislang keine verpflichtende Kennzeichnung von Gentechnik-Zutaten in Lebensmitteln. In vielen Bundesstaaten werden aber Unterschriften gesammelt und Bündnisse geschmiedet, um das zu ändern. Nun versucht die Industrie den Befreiungsschlag. Der Dachverband der Branchengrößen schlägt eine Regelung auf Bundesebene vor – die für Verbraucher allerdings keinerlei Verbesserung bringen würde.

Die Grocery Manufacturers Association (GMA), der Lebensmittelhersteller wie Nestlé, Pepsico und Coca-Cola angehören, hat ein Diskussionspapier zur Kennzeichnung von Gentechnik in Lebensmitteln erstellt. Veröffentlicht wurde das Dokument vom Magazin Politico. Schon im ersten Absatz wird deutlich, worum es der GMA geht: sie will verhindern, dass einzelne Bundesstaaten strenge Kennzeichnungsgesetze erlassen. „Mit diesem neuen Rechtsrahmen würden Staaten daran gehindert, Vorschriften festzulegen, die nicht mit diesen Bundesvorschriften identisch sind“, schreibt der Verband.

Nach dem Willen der Lebensmittelindustrie wären diese Regeln jedoch sehr lasch. So soll es nur dann eine Pflicht zur Kennzeichnung von Gentechnik-Zutaten geben, wenn die Lebensmittelbehörde FDA in ihnen ein Gesundheits- oder Sicherheitsproblem sieht. Das kommt im Zulassungssystem der USA jedoch nie vor. Die GMA schlägt vor, dass Hersteller freiwillig angeben könnten, ob Bestandteile aus gentechnisch veränderten Pflanzen enthalten sind – was angesichts der Ablehnung vieler Verbraucher natürlich kaum ein Unternehmen tun würde.

Darüber hinaus sollen Produkte als gentechnikfrei beworben werden dürfen – bei Milcherzeugnissen sogar dann, wenn die Kühe mit gentechnisch veränderten Futterpflanzen gefüttert werden. Ob die GMA wirklich glaubt, dass die Verbraucher darauf herein fallen würden, bleibt ihr Geheimnis. Ihr geht es laut dem Papier darum, den Verbraucher nicht verwirren – z.B. durch verschiedene Kennzeichnungsvorschriften in den Bundesstaaten. Tatsächlich dürften sich die großen Hersteller vor allem um ihr Geschäftsmodell sorgen. Denn eine verpflichtende Gentechnik-Kennzeichnung, die ihren Namen zu Recht trägt, könnte für die Konzerne empfindliche Einbußen bedeuten. Viele ihrer Fertiggerichte, Snacks und Softdrinks enthalten beispielsweise Stärke aus transgenem Mais und Zucker aus transgenen Rüben.

Unterdessen können Lebensmittelproduzenten schon heute tatsächlich gentechnikfreie Erzeugnisse als solche ausweisen. Seit Mitte letzten Jahres dürfen sie das Label des „Non-GMO Project“ verwenden, das vom US-Agrarministerium anerkannt wurde.

Politico: Food industry to fire preemptive GMO strike (07.01.14)

Politico: Das Diskussionspapier der GMA (pdf)

VLOG: „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung in USA (27.06.13)