Einzelhandel droht Geflügelindustrie

21.10.2014 – Wegen der Verfütterung von gentechnisch verändertem Soja droht der Lebensmitteleinzelhandel der Geflügelbranche. „Wenn die großen Tierhalter nicht mitziehen, werden wir auf kleine, regionale zurückgreifen, die einfach auf gentechnikfreie Produktion umschalten können“, heißt es bei Rewe laut einem Bericht im Magazin „Der Spiegel“.

Auch ausländische Lieferanten könnten eine Alternative sein, so Rewe. Die gentechnikfreie Fütterung wollen laut Rewe-Bereichsleiter Dr. Ludger Breloh mehrere Einzelhändler zum Standard für ihre Eigenmarken machen. Nicht nur für Eier und Geflügelfleisch – auch Milch soll ab 2015 und bald danach Schweinefleisch folgen, berichtet der Spiegel.

Den Vorschlag der Geflügelbranche, Massenbilanzierungen für gentechnikfreies Futter einzuführen – die eine Fütterung mit gentechnisch veränderten Pflanzen aber nicht ausschließen würden – wies der Einzelhandel zurück. Rewe, Edeka und Co bleiben bei ihrer Forderung: keine Gentechnik im Hennen- und Hähnchenfutter.

Bei einer Massenbilanzierung würde so viel gentechnikfreies Sojaschrot in den Futtermittelstrom eingespeist werden wie das Mastgeflügel frisst. Allerdings könnte nicht zugesichert werden, dass das gentechnikfreie Sojaschrot tatsächlich bei jedem einzelnen Tier im Futtertrog landet. „Eine Kontrolle der Gentechnikfreiheit wäre enorm erschwert, eine 'Ohne Gentechnik'-Kennzeichnung der Lebensmittel unmöglich“, kritisiert Alexander Hissting, Sprecher des Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG). „Diese halbe Gentechnikfreiheit bietet den Verbrauchern keinerlei Transparenz und damit auch keinen Mehrgewinn bei der Kaufentscheidung. Im Gegenteil bringt sie den Geflügelfleischvermarktern maximale Flexibilität, bis hin zu einer erneuten völligen Aufgabe der Gentechnikfreiheit – ohne, dass es die Verbraucher am Einkaufsregal merken würden“, so Hissting weiter.

Das Argument der Geflügelindustrie, es gebe nicht genug gentechnikfreies Soja, hält der Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter laut Spiegel für vorgeschoben. Vielmehr gehe es den Großproduzenten darum, die Kosten zu drücken, um billiger exportieren zu können.

Der Spiegel: Sensible Kunden (43/2014)