Auch Weizenlieferungen an Deutschland mit GV-Raps?

23.09.15 - Eine neue Studie aus der Schweiz liefert Hinweise, dass mit Weizenimporten aus Kanada auch gentechnisch veränderter Raps ins Land gelangt. Das könnte auch auf Deutschland zutreffen, das ebenfalls große Mengen Weizen aus Nordamerika einführt. Da Gentechnik-Weizen nirgends angebaut werden darf, werden die Getreidelieferungen möglicherweise unzureichend auf solche Verunreinigungen geprüft – so könnte der gentechnische Raps durchrutschen.

Letztes Jahr importierte Deutschland fast 160.000 Tonnen kanadischen Weizen. Für die Schweiz hatten das Biosicherheitslabor des Kantons Basel-Stadt und das Forschungsinstitut für biologischen Landbau anhand von Stichproben in Getreidemühlen errechnet, dass in den Weizenchargen auch 0,005 Prozent Raps enthalten ist. Das klingt nicht nach viel, doch da in Kanada fast nur gentechnische Rapsvarianten angebaut werden, können laut den Wissenschaftlern bis zu 273 Millionen keimfähige Gentechnik-Rapssamen pro Jahr in die Schweiz gelangen. Am Rheinhafen in Basel wurden schon mehrfach gentechnische Rapspflanzen entdeckt.

Was bedeutet das für Deutschland? Basierend auf den Ergebnissen der Studie könnten mit kanadischem Weizen jedes Jahr fast acht Tonnen Rapssamen eingeschleppt werden – der Großteil davon von Gentechnik-Pflanzen. Zwar wird kanadischer Raps auch direkt importiert – laut dem Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID) waren es letztes Jahr 44.000 Tonnen. Doch bei den Weizenlieferungen wurde bislang wohl nicht angenommen, dass sie eine potenzielle Quelle für Verunreinigungen mit Gentechnik-Raps darstellen könnten, wie die Untersuchung aus der Schweiz zeigt – entsprechend dürfte es kaum Maßnahmen zur Qualitätssicherung geben.

Die Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG) mahnt deshalb zu erhöhter Aufmerksamkeit: „Das Beispiel des Rheinhafen Basel zeigt, dass auch geringste Verunreinigungen unterhalb der aktuellen Nachweisgrenzen zur Einführung von Gentechnikpflanzen und ihrer Verbreitung in der Umwelt führen kann. Ein sorgsamer Umgang bei Importen aus Riskoländern ist daher dringend notwendig und muss regelmässig kontrolliert werden.“

statista: Einfuhr von Weizen nach Deutschland

Environmental Science and Pollution Research: Low level impurities in imported wheat are a likely source of feral transgenic oilseed rape (Brassica napus L.) in Switzerland

SAG: Schweizer Gentechraps wurde aus Kanada importiert (09.09.15)

Informationsdienst Gentechnik: Gentech-Raps kommt im Getreide in die Schweiz (16.09.15)