Frei von Gentechnik: Edekas neue Anforderungen an die Milchproduktion

16.08.2016 - Nach Hühnern und Schweinen nimmt Edeka jetzt auch die Haltung von Milchkühen unter die Lupe. Das zeigt ein umfangreicher Fragenkatalog des Unternehmens, den der Milcherzeugerverband Bayern veröffentlicht hat. Unter verschiedenen Themen der Tiergesundheit will Edeka demnach etwa wissen, ob die Kühe ausschließlich gentechnikfreies Futter erhalten. Der Konzern hat den 22 Punkte umfassenden Katalog offenbar in den vergangenen Wochen an seine Lieferanten verschickt. Landwirtschaftsverbände zeigten sich überrascht und kritisierten Zeitpunkt und Umfang der Liste.

Darin fragte Edeka ferner ab, ob die Milcherzeuger Kühe auf Trächtigkeit untersuchen, bevor sie geschlachtet werden. Oder ob Antibiotika nur nach tierärztlicher Verordnung oder auch prophylaktisch gegeben werden. Zu den „Mindestanforderungen“ gehöre schließlich, dass Milchkühe nicht angebunden oder auf reinen Vollspaltenböden gehalten werden.

Landwirtschaftsvertreter reagierten aufgebracht darüber, dass so unvermittelt so hohe Anforderungen gestellt würden. „Langsam geht’s ans Eingemachte“, sagt der Geschäftsführer des bayerischen Milcherzeugerverbandes, Hans-Jürgen Seufferlein. Dabei sei eine gentechnikfreie Fütterung noch am ehesten realisierbar: „Mit 30 Prozent gentechnikfreier Milch sind wir in Bayern schon am weitesten“, meint Seufferlein. Und das sei nur der erfasste und bezahlte Anteil an der gesamten Milchproduktion. „Tatsächlich liegt der Anteil gentechnikfreier Milch vermutlich schon höher.“ Die Alternativen zum gentechnisch veränderten Sojafutter aus Übersee seien schließlich vielfältig.

Ein „Totschlagskriterium“ für die Landwirtschaft sei dagegen das Verbot von Anbindeställen. Viele kleine Betriebe könnten eine solche Forderung nicht erfüllen, klagt Seufferlein. Außerdem ärgert sich die Branche, weil für die höheren Anforderungen an die Tierhaltung kein finanzieller Ausgleich in Sicht ist.

Edeka versucht jetzt, die Wogen zu glätten: „Es handelt sich nicht um eine Forderung, sondern um eine Aufforderung, miteinander ins Gespräch zu kommen“, so ein Sprecher der Hamburger Konzernzentrale. So lange entsprechend Gespräche liefen, wolle man sich nicht öffentlich zum Thema äußern.   

Nach Einschätzung von Branchenkennern will Edeka mit dieser Aktion die Milchproduktion für die Eigenmarken der sogenannten „Weißen Linie“, also Milch, Sahne oder Quark regeln. Mitbewerber Lidl oder Kaufland hatten jüngst ähnliche Initiativen gestartet. Bei Schweine- und Geflügelfleisch arbeitet Edeka seit 2013 in Kooperation mit dem deutschen Tierschutzbund mit dem Label „Für mehr Tierschutz“. Es sichert Standards für Haltung, Transport und Schlachtung der Tiere.

agrarzeitung: Edeka schockt Milchbauern (11.08.2016, nur für Abonnenten)

Verband der Milcherzeuger Bayern e.V.: EDEKA – Forderungskatalog an die Milcherzeuger (09.08.2016)

VLOG: LEH positioniert sich zur Fütterung (06.05.2016)