USA: Nationales Kennzeichnungsgesetz rückt näher

20.07.2016 - In den USA könnte es künftig nun doch eine landesweite Gentechnik-Kennzeichnung für Lebensmittel geben. Beide Kongress-Kammern haben zugestimmt, es fehlt nur noch die Unterschrift des Präsidenten. Aber: Hersteller könnten zwischen einer mit der europäischen Verpackungsaufschrift vergleichbaren und wesentlich intransparenten Optionen wählen, z.B. einem QR-Code oder einer Telefonhotline.

Das erzürnt Verbraucherschützer, die auf Umfragen aus dem Jahr 2015 verweisen, wonach lediglich zwei Drittel der US-Bürger ein Smartphone – die Voraussetzung für das Scannen eines QR-Codes – besitzen. Zudem sei in ländlichen Gebieten die Internetverbindung nicht verlässlich genug.

Ebenfalls unklar ist, ob überhaupt alle Lebensmittel, die Zutaten aus gentechnisch veränderten Pflanzen enthalten, vom Gesetz erfasst würden. Hier gibt es laut Medienberichten unterschiedliche Einschätzungen von Lebensmittelbehörde FDA und Agrarministerium. Die FDA geht beispielsweise davon aus, dass Öl aus Gentechnik-Soja oder Fructose-Sirup aus Gentechnik-Mais nicht gekennzeichnet werden müssten, da im Endprodukt keine Fremd-DNA nachweisbar sei. Widerspruch kommt aus der Politik: das Gesetz ermögliche es, solche Produkte ebenfalls aufzunehmen, zitiert Foodnavigator USA einen Berater des Landwirtschaftsministeriums.

Laut dem Bericht hätte das Ministerium nach Obamas Unterschrift zwei Jahre Zeit, den Standard für die Kennzeichnungen auszuarbeiten. Nach einem weiteren Jahr wäre dieser dann verpflichtend. Spätestens ab dann verlöre auch das wesentlich strengere und transparentere Kennzeichnungsgesetz in Vermont seine Gültigkeit, das seit Juli in Kraft ist und mehrere Unternehmen wie Campbell dazu bewogen hat, ihre Verpackung oder ihre Produkte zu verändern.

Doch auch viele US-Verbraucher wünschen sich gentechnik-freie Lebensmittel – oder zumindest Klarheit, was in ihrem Essen drin ist. Laut Foodnavigator hat Whole Foods, eine wichtige Supermarktkette für kaufkräftigere Konsumenten, deshalb bereits beschlossen, dass in zwei Jahren alle Lieferanten Gentechnik in ihren Erzeugnissen ausweisen müssen. Das Medium berichtet auch von einer Umfrage unter 1.500 Verbrauchern: derzufolge würde mehr als ein Drittel zu anderen Marken greifen, wenn diese detailliertere Informationen über das Produkt anbieten würden.

Beobachter erwarten jedenfalls, dass die Debatte über die Kennzeichnung auch nach mehreren Jahren noch lange nicht vorbei ist. Die New York Times berichtet, viele gingen davon aus, dass die Detailfragen des Gesetzes vor Gericht geklärt würden.

Aktualisierung vom 30.7.2016: US-Präsident Barack Obama hat das umstrittene Gesetz zur Gentechnik-Kennzeichnung unterzeichnet. Es tritt damit endgültig in Kraft.

Foodnavigator USA: House approves federal GMO labeling bill that nullifies Vermont law (14.07.2016)

The New York Times: G.M.O. Labeling Bill Gains House Approval (14.07.2016)

VLOG: USA: Industrie reagiert auf Kennzeichnungsgesetz (31.03.2016)

VLOG: Freiwillige Kennzeichnung gestoppt (22.03.2016)