Harmonisierter „Ohne Gentechnik“-Standard im Donauraum

25.10.2016 - In einem einjährigen Projekt haben 15 Nationen harmonisierte Standards für die „Ohne Gentechnik“-Produktion (OGT) im Donauraum ausgearbeitet. Sie betreffen die gentechnikfreie Produktion, die Kontrolle der Produktionsprozesse und die Kennzeichnung der damit hergestellten Produkte, teilte der Verein Donausoja mit. Mit der Übergabe der Dokumente an die zuständigen Agrarminister können die Regelungen zur Gentechnikfreiheit in Europa jetzt weiter vereinheitlicht werden.      

“Die OGT-Donauraum-Standards wurden aufgrund der bereits erfolgreich eingeführten GVO-frei Kennzeichnungs- und Kontrollstandards aus Österreich, Deutschland und Slowenien entwickelt“, erläuterte Rosmarie Metz, Projektleiterin bei der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), die den Verein Donausoja unterstützt. Die technische Leitung lag beim österreichischen Umweltbundesamt. Auch der VLOG hat seine Expertise mit eingebracht.

Die Standards gelten für die Herstellung pflanzlicher Lebensmittel, vor allem aber für Produkte tierischer Herkunft. Aktuell werden als Tierfutter noch Sojabohnen und Sojaschrot in die EU importiert, die rund 40 Millionen Tonnen Sojabohnen als Ausgangsprodukt entsprechen. Es kommt vorwiegend aus Übersee und ist meist gentechnisch verändert. Die neuen Standards sollen nun dazu beitragen, dass regional, gentechnikfrei produzierte Soja mit Mehrwert in der Lebensmittelproduktion von Ware mit "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung eingesetzt werden kann. Dies würde helfen den Sojaanbau in Europa wirtschaftlich tragfähiger zu gestalten und wäre ein Beitrag dazu auf dem europäischen Markt verlässlich gentechnikfreies Eiweißfutter bereitzustellen. „Das ist wichtig, damit ausreichend gentechnikfreie Rohware für die „Ohne Gentechnik“-Produktion auf dem Markt ist, um die steigende Kundennachfrage zu bedienen“, sagte VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting.   

„Die regionale Harmonisierung ist essentiell, um Handelshemmnisse zwischen den europäischen Ländern zu vermeiden“, ergänzte Metz. Das gilt auch für die EU-Länder außerhalb des Donauraums, wo die EU-Kommission eine Harmonisierung der Regeln bisher nicht für erforderlich hielt. Hissting hofft, dass der neue Donauraum-Standard zum EU-weiten Vorbild werden könnte. „Er könnte besonders für die Länder interessant sein, die bisher noch keine nationalen Regelungen haben“, sagte Hissting. Aber auch bestehende nationale Regelungen könnten auf der Grundlage des Donauraum-Standards einander angeglichen werden. Für Deutschland wären hierfür Gesetzesänderungen notwendig. Vorerst bleibt es daher beim EG-Gentechnik-Durchführungsgesetz, das in Deutschland die "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung regelt und dem VLOG-Standard, der diese Vorgaben in einen Zertifizierungsstandard fasst.

Donausoja ist ein gemeinnütziger Verein mit rund 240 Mitgliedern aus ganz Europa. Er vereint Zivilgesellschaft, Politik und Unternehmen aller Bereiche der Wertschöpfungskette: von der gentechnikfreien Saatgutproduktion bis zum tierischen oder pflanzlichen Lebensmittel. Ziel ist, die Bedingungen für erfolgreichen gentechnikfreien Sojaanbau in Europa zu verbessern.

"Ohne Gentechnik" Donauraum-Standard

"Ohne Gentechnik" Donauraum-Kontrollrichtlinie

VLOG: Bürokratie-Abbau für deutsch-österreichischen Handel (05.07.2016)

VLOG: EU-Kommission drückt sich vor Harmonisierung (23.07.2015)