Gentechnisch veränderte Petunien in zahlreichen Ländern aufgetaucht

24.05.2017 - In Europa und den USA wurden Petunien verkauft, die gentechnisch verändert waren. Derzeit sind die Behörden damit beschäftigt, die Pflanzen aus dem Verkehr zu ziehen und die Quelle der Gen-Manipulation zu finden. Denn in keinem Land sind diese Petunien amtlich zugelassen. Gleichzeitig betonen alle Behörden, dass keine Gefahr für Mensch und Umwelt bestehe, weil die Pflanzen einjährig seien und das Saatgut nicht winterhart.

Im April fielen der finnischen Lebensmittelbehörde orange blühende Petunien auf, die in Gartencentern zu kaufen waren. Sie schickten die Blumen ins Labor, denn von Natur aus blühen Petunien nicht orange. Tatsächlich ergaben die Untersuchungen, dass die orangen Zierpflanzen gentechnisch verändert waren. Sie stammten von einigen Gartenbaubetrieben in Deutschland und den Niederlanden, die im großen Stil Petunien für den Weiterverkauf anbauten. Im Laufe der Untersuchungen zeigte sich, dass diese Züchter die orangen Petunien auch an zahlreiche Kollegen in Deutschland und anderen EU-Staaten verkauft hatten.

Mitte Mai teilte die für Gentechnik zuständige US-Behörde Aphis mit, dass in den USA mehrere orange Petunien-Sorten auf dem Markt seien, deren Erbgut gentechnisch verändert wurden. Die betroffenen Pflanzen seien aus Afrika, Asien, Mittelamerika, Europa, Südamerika, Australien, Israel und Mexiko in die USA eingeführt worden.

Weder in der EU noch in den USA sind GVO-Petunien zugelassen. Während in der EU die Behörden in der Regel anordnen, die Pflanzen zu vernichten, sehen die US-Behörden das lockerer. Da die GVO-Petunien kein Risiko für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt darstellten, verlange die Regierungsbehörde nicht von den Einzelhändlern oder Verbrauchern, die Petunien zu zerstören, zitierte das Erwerbsgartenbau-Portal www.gabot.de einen Sprecher des US-Landwirtschaftsministeriums. Man habe Züchter, Produzenten und Einzelhändler gebeten, Gen-Petunien freiwillig aus dem Vertrieb zurückzuziehen. Die Pflanzen befänden sich seit Jahren auf dem Markt, es handele sich nicht um ein Sicherheitsrisiko sondern um ein ‚Compliance Problem’. Gabot zitiert auch US-Medienberichte, wonach die dortigen Züchter davon ausgehen, dass bereits vor einiger Zeit gentechnisch verändertes Material in die Petunien-Züchtungskette eingetreten sei. Tatsächlich umfassen die Listen der Behörden mit nachgewiesenen GVO-Petunien inzwischen rund 30 Sortenbezeichnungen.

Doch wer das fremde Erbgut für die orange Blütenfarbe in die Petunien eingeschleust und diese dann auf den Markt gebracht hat, ist weiter unbekannt. Das Kölner Max-Planck-Institut für Pflanzenzüchtungsforschung versuchte Anfang der 90er Jahre, mit Hilfe eines Mais-Gens Petunien so zu verändern, dass sie orangefarben blühen. Der Feldversuch scheiterte jedoch, da die Farbänderung nicht stabil war. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte ein Sprecher des Instituts, er halte es für ausgeschlossen, dass die aktuell aufgetauchten Pflanzen das damals veränderte Erbgut enthalten. Die Forschungen würden schon seit langem nicht mehr weitergeführt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) meldete in seiner Zwischenbilanz, bei den Untersuchungen der Petunien sei auch ein Mais-Gen gefunden wurden.

„Es zeigt sich einmal mehr, dass Unternehmen, die Gentechnik anwenden, diese Technologie nicht unter Kontrolle haben“, kommentiert VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting die Vorgänge. Die wirtschaftlichen Folgen müssten in diesem Fall Hunderte von Gartenbaubetrieben tragen. Ähnliches könne immer wieder mit anderen Pflanzen passieren. „Für den Anbau und Handel mit GVO sind strenge Auflagen erforderlich, um die große Mehrheit der Land- und Lebensmittelwirtschaft, die keine Gentechnik-Pflanzen anbaut oder verarbeitet, vor drastischen wirtschaftlichen Konsequenzen zu bewahren.“

Die Zwischenbilanz des BVL (22.05.2017)

Das Portal gabot.de zu GVO-Petunien

Das US-Landwirtschaftsministerium zu GVO-Petunien (23.05.2017)