Verbraucher wollen strikte Regelungen für Genome Editing

02.11.2017 - Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat in ausführlichen Interviews mit Verbrauchern deren Einstellung zu den als Genome Editing bezeichneten neuen gentechnischen Verfahren wie CRISPR/Cas ermittelt. Obwohl die Befragten Genome Editing kaum kannten und sie wenig über diese Techniken wussten, wird der Einsatz dieser Verfahren im Lebensmittelbereich mehrheitlich abgelehnt“, bilanzierte BfR-Präsident Andreas Hensel.

Anders als eine Umfrage mit 1000 und mehr Teilnehmern erlaubt das vom BfR verwendete Interview-Verfahren keine repräsentativen Aussagen. Dennoch ermöglichen die eineinhalbstündigen Gruppendiskussionen mit insgesamt 39 Teilnehmern laut BfR „einen Einblick in konkrete Sichtweisen, Einstellungen und gegebenenfalls Sorgen von Bürgerinnen und Bürgern.“

Aus Sicht der Teilnehmenden sind Verfahren des Genome Editing eindeutig eine Form der Gentechnik. Daher haben sie den Verfahren gegenüber auch ähnliche Vorbehalte. „Im Lebensmittelbereich überwiegen nach Ansicht der Teilnehmenden die Nachteile der Verfahren; der Einsatz von Genome Editing wird daher mehrheitlich abgelehnt“, schreibt das BfR. Und weiter: „Eindeutig fordern die Teilnehmenden eine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel, die mithilfe des Genome Editings produziert wurden. Außerdem erwarten sie eine strenge Regulation von Genome Editing durch die zuständigen Behörden.“ Die wichtigste Anforderung an die regulierenden Instanzen sei deren Unabhängigkeit von der Industrie oder anderen finanziellen sowie politischen Interessen. Abgefragt wurde auch die Kaufbereitschaft. Sie war bei Lebensmitteln mit Genome Editing noch geringer als bei mit herkömmlichen gentechnischen Methoden hergestellten.

Im medizinischen Bereich ergaben die Gruppendiskussionen eine andere Bewertung. „Trotz bestehender Vorbehalte ist der Einsatz von Genome Editing im medizinischen Bereich für die Mehrheit der Befragten akzeptabel  –  insbesondere bei  einer möglichen eigenen Betroffenheit“, heißt es in der Studie. Gutheißen würden viele Teilnehmer Genome Editing, wenn es die Weitergabe von Erbkrankheiten verhindern oder eine sonst tödliche Erkrankung aufhalten könne. Bei der Bewertung von Genome Editing spielte auch das Alter eine Rolle: Jüngere Menschen zeigten sich positiver und offener gegenüber den neuen Methoden als ältere Personen.

Deutlich wurde laut BfR auch, dass die Teilnehmenden wenig über die Verfahren des Genome Editing wissen. Gleichzeitig würden sie sich eine öffentliche Aufklärung über die Methoden wünschen, um einen sachkundigen gesellschaftlichen Diskurs zu eröffnen. Das BfR folgert daraus, dass es für zukünftige Risikokommunikationsstrategien essentiell sei, diesem Informationsbedürfnis der Verbraucher entgegen zu kommen.

VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting sieht durch die Ergebnisse der BfR-Studie die Positionen des VLOG bestätigt. Bereits vor einem Jahr hatte sich der Verband für eine strikte Regulierung der neuen Gentechnik-Verfahren und eine damit einhergehende klare Kennzeichnung ausgesprochen. „Wir gehen davon aus, dass die Ergebnisse dieser Studie auch in die Sondierungsgespräche der Jamaika-Parteien einfließen“, ist Hissting überzeugt.

Bundesinstitut für Risikobewertung: Risikowahrnehmung von Genome Editing: Vorbehalte und großes Informationsbedürfnis vorhanden (24.10.2017)

Bundesinstitut für Risikobewertung: Durchführung von Fokusgruppen zur Wahrnehmung des Genome Editings (CRISPR/Cas9), Abschlussbericht (Oktober 2017)

VLOG: Bundesregierung soll neue Gentechnikverfahren strikt regulieren (27.09.2017)

VLOG Positionspapier neue Gentechnik Verfahren (25.10.2016)