In den USA kommen Genome-Editing-Pflanzen ohne Tests auf den Acker

23.02.2018 - In den USA dürfen immer mehr Pflanzen, die mit Hilfe von Genome Editing-Methoden wie Crispr/Cas manipuliert wurden, ohne Zulassung als gentechnisch veränderter Organismus (GVO) vermarktet werden. Der Entwickler einer Pflanze muss lediglich der zuständigen Behörde APHIS im US-Landwirtschaftsministerium darlegen, mit welchem Verfahren er welche Änderungen im Erbgut hervorgerufen hat. APHIS entscheidet nach Aktenlage binnen Wochen darüber, ob die Pflanze eine Zulassung braucht oder nicht. 59 solcher Anfragen sind inzwischen bei der Behörde eingegangen, die meisten der letzten zwei, drei Jahre betrafen durch Genome Editing veränderte Pflanzen. In den wenigsten Fällen bestand die Behörde auf einer Zulassung nach dem US-Gentechnikrecht.

Noch sind die meisten dieser editierten Pflanzen im Versuchsstadium oder im Testanbau. Doch noch in diesem Jahr soll die erste von ihnen auf den Markt kommen. Es handelt sich um eine Sojabohne des US-Unternehmens Calyxt, die so verändert wurde, dass ihr Fett mehr Ölsäure enthält. Das Unternehmen hat zahlreiche weitere gen-editierte Pflanzen in der Pipeline, die APHIS ebenfalls von der Zulassung freigestellt hat. Darunter sind ein Mehltau-resistenter Weizen, verschiedene Kartoffeln mit veränderten Lagereigenschaften, Luzerne, aber auch herbizidresistente Pflanzen. Freigaben für editierte gentechnisch veränderte Pflanzen erhielten auch andere Unternehmen: Der Agrarkonzern DuPont für einen Mais mit veränderter Stärkezusammensetzung, das Unternehmen Yield10 Bioscience für veränderte Leindotter-Sorten, die höhere Erträge liefern sollen. Langsam wachsende Gräser, trockentolerante Sojabohnen oder Zuchtpilze, die beim Anschneiden nicht braun werden, sind weitere unregulierte Pflanzen, die in naher Zukunft auf den Markt kommen sollen. All diese gen-editierten Pflanzen wurden nicht auf mögliche gesundheitliche Folgen überprüft. Verarbeiter und Verbraucher können ihnen nicht ausweichen, da sie nicht gekennzeichnet werden müssen und es keine geeigneten Nachweismöglichkeiten gibt, um sie von herkömmlichen Pflanzen der gleichen Art zu unterscheiden. 

Betroffen von dieser Entwicklung können mittelfristig auch Landwirte, Verarbeiter und Verbraucher in der EU sein, wenn diese gen-editierten Pflanzen unerkannterweise in die EU importiert werden. „Die EU muss jetzt klarmachen, dass sie auf Nachweisverfahren und Risikoprüfung besteht, egal ob es sich um neue oder alte Gentechnik handelt“, fordert deshalb Christoph Then, Geschäftsführer der Organisation Testbiotech. Gentechnik-Befürworter hingegen versuchen, auch in der EU ähnliche Ausnahmen von den Zulassungsregeln zu erreichen wie in den USA – und malen Schreckgespenste von Handelskriegen an die Wand, sollte die EU das Genome Editing dem Gentechnikrecht unterstellen: „Die einzige Lösung wäre, den Agrarhandel mit den USA in bestimmten Sektoren vollständig einzustellen“, schreibt etwa die Pro-Gentechnik-Plattform Transgen.

Der VLOG erwartet von der neuen Bundesregierung, dass sie neue gentechnische Verfahren wie CRISPR/Cas ohne Ausnahme dem Gentechnikrecht unterstellt und sich dafür auch in der EU stark macht. „Es kann nicht sein, dass der lasche Umgang der USA mit Gesundheits- und Umweltrisiken zum Standard in Europa wird“, sagt VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting: „Das gilt für den Klimawandel ebenso wie für die Agro-Gentechnik.“ 

USDA APHIS: Regulated Article Letters of Inquiry (16.01.2018)

Testbiotech: USA versagen bei Kontrolle von Gentechnik (18.01.2018) 

Testbiotech: Russisches Roulette mit der biologischen Vielfalt (September 2017)

VLOG Positionspapier neue Gentechnik Verfahren (25.10.2016)