Indien verlangt Gentechnikfreiheit für wichtige Agrarrohstoffe

Berlin, 23.09.2020 - Die indische Lebensmittelbehörde FSSAI hat vorgeschrieben, dass ab Anfang 2021 Importeure für 24 wichtige Agrarrohstoffe bei deren Einfuhr die Gentechnikfreiheit nachweisen müssen. In der Anordnung der FSSAI heißt es, jede Lieferung solle von einem entsprechenden Zertifikat begleitet sein, das „die zuständige nationale Behörde des Exportlandes“ ausgestellt habe. Auf der Liste stehen unter anderem Weizen, Kartoffeln, Mais, Sojabohnen, Raps, Zuckerrüben, Luzerne, Reis und Leinsaat. Die FSSAI will damit nach eigenen Worten „sicherstellen, dass nur gentechnikfreie Nahrungsmittelpflanzen nach Indien importiert werden, bis die Vorschriften für gentechnisch veränderte Lebensmittel abgeschlossen sind.“

Um diese Vorgaben umzusetzen, müsse das FSSAI allerdings umfassende Tests durchführen, die Hilfe aufmerksamer Bürger in Anspruch nehmen und auf Beschwerden im Zusammenhang mit vermuteten gentechnischen Verunreinigungen reagieren, mahnte Kavitha Kuruganti von der Alliance for Sustainable & Holistic Agriculture in der Zeitung The Hindu. „Es ist bemerkenswert, dass die FSSAI diese Entscheidung trotz des Drucks von starken Lobbygruppen getroffen hat“, zitierte die Zeitung den Landwirtschaftsexperten Devinder Sharma. Dieser beziehe sich auf die Kampagne eines indisch-amerikanischen Wirtschaftsverbandes, der die Regierung gedrängt habe, fünf Prozent transgene Bestandteile in Agrarrohstoffen zuzulassen, erläuterte The Hindu.

In einem Interview im indischen Financial Express erklärte der Geschäftsführer der FSSAI, Pawan Kumar Agarwal, dass es derzeit in Indien ein „regulatorisches Vakuum“ gebe, da die Zulassung und Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel nicht geregelt sei.

Zwar gab es auch in Indien bereits Regelungen für den Import von gentechnisch veränderten Lebensmitteln, zuständig war aber die Behörde GEAC im Umweltministerium. Im August 2017 entschied jedoch der Oberste Gerichtshof, dass es Aufgabe der FSSAI sei, die gesundheitlichen Risiken gentechnisch veränderter Lebensmittel zu bewerten und diese gegebenenfalls zuzulassen. Der Gerichtshof beauftragte die Lebensmittelbehörde, dem Parlament entsprechende Gesetzesvorschläge vorzulegen. Daran arbeite seine Behörde und sie werde eine verpflichtende Kennzeichnung für gentechnisch veränderte Lebensmittel vorschlagen, sagte Agarwal im Interview.

FSSAI: Requirement of Non-GM cum GM free certificate accompanied with imported food consignment-reg. (21.08.2020)

The Hindu: No-GM certificate mandatory for imported food crops from January (24.08.2020)

Financial Express: There is a regulatory vaccum in GM food, says CEO of FSSAI (09.08.2020)

Financial Express: The truth behind genetically modified food imports in India (10.09.2018)