Allgemein

Welche Futtermittel werden von Landwirten als risikobehaftet eingestuft?(aufgenommen am: 18.04.2018)

Die Einstufung von Futtermittel als risikobehaftet oder nicht risikobehaftet wird vom Landwirt nach Kapitel D 4.3.1 vorgenommen. Futtermittel, welche kein Soja, Mais, Zuckerrübe, Raps oder Baumwolle enthalten werden grundsätzlich nicht als risikobehaftet eingestuft

Welche Futtermittel werden von Futtermittelunternehmen als risikobehaftet eingestuft?

Für die „VLOG geprüft“-Produktion bzw. -Kennzeichnung sind Futtermittelunternehmer gemäß des „Ohne Gentechnik“ Produktions- und Prüfstandards verpflichtet, eine individuelle Risikoeinstufung der eingesetzten Rohwaren/Einzelfuttermittel (risikobehaftet / nicht risikobehaftet) durchzuführen. Folgendes Dokument kann hierbei als Bewertungshilfe herangezogen werden.

Werden Zuckerrüben als risikobehaftete Futtermittel eingestuft? (aufgenommen am 18.04.2018)

Der Anbau von gentechnisch veränderten Zuckerrüben ist in der EU und der Schweiz verboten. Aufgrund der bestehenden Verarbeitungs- und Herstellungspraxis wird die Gefahr einer Vermischung/Verwechslung mit genetisch veränderten Zuckerrüben in der Praxis als niedrig eingestuft. Futtermittel (Zuckerrübenschnitzel, Pellets, Melasse) die aus Zuckerrüben hergestellt werden, die nachgewiesenermaßen in der EU oder der Schweiz angebaut und ggfs. verarbeitet wurden, werden daher vom VLOG nicht mehr als risikobehaftete Futtermittel eingestuft.

Voraussetzung für die Einstufung als nicht risikobehaftetes Futtermittel ist, dass dem Landwirt pro Kampagne eine aussagekräftige Bestätigung des Herstellers vorliegt, dass es sich bei der Ware um Futtermittel handelt, die aus Zuckerrüben hergestellt wurden, die in der EU oder Schweiz angebaut und verarbeitet wurden. Hier
finden Sie eine ausführliche Erklärung.

Welche Voraussetzungen müssen Futtermittelhersteller erfüllen, damit landwirtschaftliche Betriebe deren Futtermittel zur Produktion von "Ohne Gentechnik"-Lebensmitteln einsetzen können?

Die Futtermittel zum Einsatz im System „Ohne Gentechnik“ dürfen keine Kennzeichnung nach den Regeln der VO (EG) Nr. 1829/2003 bzw. 1830/2003 tragen oder dürfen nicht zu kennzeichnen sein, sofern sie in Verkehr gebracht würden. Futtermittel, die nach VLOG-Standard zertifiziert sind, dürfen immer für die Produktion von "Ohne Gentechnik"-Lebensmitteln verwendet werden.

Ein Landwirt verfüttert Lebensmittel (z.B. Brot) an seine Tiere. Welche Kriterien müssen seitens des Futtermittelherstellers (oder in diesem Falle Bäckers) erfüllt werden, damit weiterhin eine VLOG-Zertifizierung gewährleistet ist?

Folgende Kriterien müssen erfüllt sein:            
a) das Futtermittel (in diesem Falle Brot) muss die Qualitätskontrollen und Analysen der PCR erfolgreich durchlaufen haben. Auf Grundlage der Analyseergebnisse darf das Lebensmittel (z.B. Brot) nach VO (EG) 1829/2003 und VO (EG) 1830/2003 nicht kennzeichnungspflichtig sein.                      
b) Der Landwirt muss seinerseits eine Bestätigung vom Lieferanten haben, dass das Lebensmittel (z.B. Brot) nicht gemäß der genannten Verordnungen kennzeichnungspflichtig ist.

Dürfen Futtermittel die für die "Ohne Gentechnik"-Produktion verwendet werden, tierische Komponenten (Magermilchpulver, Milchpulver etc.) enthalten, die nicht die Anforderungen des EGGenTDurchfG (Mindestfütterungsfristen) erfüllen?

Für Futtermittel ist die Kennzeichnungspflicht gemäß den EU-Verordnungen Nr. 1829/2003 bzw. 1830/2003 relevant. Milch von Kühen, die mit GVO-Futtermitteln gefüttert wurden bzw. die zugehörigen Verarbeitungsprodukte, sind gemäß den genannten Verordnungen nicht kennzeichnungspflichtig. Tierische Produkte können somit für die Herstellung von VLOG-zertifizierten Futtermitteln verwendet werden.

Muss ein QS-zertifizierter Futtermittelhersteller, der „fertige“ Ware/ Futtermittel bezieht und diese ausschließlich im Private Label Bereich vertreibt, gemäß VLOG-Standard zertifiziert sein, wenn er das „VLOG geprüft“ Siegel verwenden möchte?

Unter der Voraussetzung, dass dieser Futtermittelhersteller keine zertifizierungspflichtigen Handlungen (Lagerung, Transport lose Ware, Umschlagen etc.) vornimmt und VLOG-zertifizierte Futtermittel einkauft, ist keine Zertifizierung notwendig. Da er das Siegel auf die Ware aufbringen möchte, ist er gemäß VLOG-Definition Lizenznehmer und muss beim VLOG einen Siegelnutzungsantrag stellen.

Ist die duale Nutzung von Futtermischwägen für  kennzeichnungsfreie/"VLOG geprüft" Futtermittel einerseits und kennzeichnungspflichtige Futtermittel andererseits gestattet? (aufgenommen am 13.04.2018, letzte Aktualisierung am 04.09.2018)

Unter dualer Nutzung ist der Einsatz des Mischers für VLOG Futtermittel/kennzeichnungsfreie (nach EG VO 1829/2003 und 1830/2003) Futtermittel einerseits und kennzeichnungspflichtige GVO-Futtermittel andererseits zu verstehen.

Ein abwechselnder Einsatz des Futtermischwagens für GVO- und nicht-GVO Futtermittel ist nur nach einer gründlichen (feuchten) und dokumentierten Reinigung nach dem GVO Futtermittel oder einer ausreichend beschaffenen Spülcharge möglich.

Entscheidet sich ein Betrieb für den Einsatz von Spülchargen, ist er dafür verantwortlich, dass die Spülcharge – von Menge und Beschaffenheit her – ausreichend ist. Als ausreichend wird sie dann angesehen, wenn sie eine Vermischung/Verschleppung vermeidet, so dass keine Kennzeichnungspflicht des Futtermittels nach den EU Verordnungen 1829/2003 und 1830/2003 vorliegt. Auditoren können die Funktionalität der Spülcharge bei Zweifeln auch anhand von Analysen überprüfen (lassen).

Aufgrund der verschiedenen bisherigen Praxisauslegungen zu diesem Thema wird landwirtschaftlichen Betrieben mit einer bisher dualen Nutzung, eine Umstellungsfrist bis spätestens zum 01.01.2019 gewährt. Ab diesem Termin dürfen Futtermischwägen ohne entsprechende Reinigung oder Spülcharge nicht mehr dual genutzt werden.

Betriebe welche einen Futtermischwagen dual nutzen sind in die Risikoklasse 2 einzustufen.

Nachweis zur GVO-Freiheit, gleichwertige Zertifikate

Welche Standards können als gleichwertig zur VLOG-Zertifizerung anerkannt werden?

Vom VLOG wurden die folgenden Standards als gleichwertig mit dem VLOG „Ohne Gentechnik Produktions- und Prüfstandard“ anerkannt.

Können andere Standards, die nicht unter Link einfügen aufgeführt sind, als gleichwertig zur VLOG-Zertifizierung anerkannt werden?

Nein, ohne weitere Rücksprache mit der VLOG Geschäftsstelle können keine weiteren Standards als gleichwertig anerkannt werden. Dazu bedarf es ein gründliches Benchmarking durch die VLOG Geschäftsstelle. Bitte sprechen Sie uns bei Bedarf an.

Welche Kriterien gelten für hofeigenes Futter?

Es gelten die gleichen Voraussetzungen wie für zugekauftes Futter. Das Futtermittel darf nicht nach EU-Verordnungen Nr. 1829/2003 und 1830/2003 gekennzeichnet sein. Im Audit muss demnach anhand der Saatgutdeklaration nachgewiesen werden, das keine Kennzeichnungspflicht vorliegt.

Wie muss eine Bescheinigung für Futtermittel aussehen?

Um die Konformität für Futtermittel zu bescheinigen genügen laut Gesetzgeber die Lieferscheine der zugekauften Futtermittel bzw. des Saatgutes für den eigenen Futtermittelanbau.

In beiden Fällen dürfen die Lieferscheine keinen Hinweis tragen, dass die Waren gentechnisch verändert sind bzw. gemäß VO (EG) 1829/2003 und 1830/2003 zu kennzeichnen wären.

Benötigt ein Unternehmen für jedes Futtermittel, das es kauft eine Lieferantenbescheinigung zur GVO-Freiheit oder nur für risikobehaftetes Futtermittel?

Es gelten die EU-Verordnungen 1829/2003 und 1830/2003. Für das Unternehmen/ den Landwirt reicht es also aus, wenn anhand der Warenbegleitpapiere ersichtlich ist, dass das bezogene Futtermittel nicht kennzeichnungspflichtig gemäß EU-Verordnung 1829/2003 und 1830/2003 ist. Diese Information muss für alle Futtermittel vorliegen.

Warenbegleitpapiere

Wie müssen VLOG-zertifizierte Futtermittel oder kennzeichnungsfreie und nicht VLOG-zertifizierte Futtermittel gekennzeichnet werden?

VLOG-zertifizierte Futtermittel sind mit der Formulierung "VLOG geprüft" und/oder dem Siegel "VLOG geprüft" zu kennzeichnen.
Für die Deklaration von kennzeichnungsfreien und nicht VLOG-zertifizierten Futtermittteln empfiehlt der VLOG folgende Formulierung: „Folgende von uns produzierte und/oder vertriebene Futtermittel sind im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 1829/2003 über genetisch veränderte Lebensmittel und Futtermittel und Verordnung (EG) Nr. 1830/2003 über die Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung genetisch veränderter Organismen und über die Rückverfolgbarkeit von aus genetisch veränderten Organismen hergestellten Lebensmitteln und Futtermitteln nicht kennzeichnungspflichtig: …

Kann das "VLOG geprüft"-Siegel auf Lieferscheinen oder anderen Dokumenten verwendet werden?

Das "Ohne GenTechnik"-Siegel oder "VLOG geprüft"-Siegel kann auf Lieferscheinen oder unternehmensinternen Dokumenten verwendet werden, wenn das Unternehmen einen Zeichennutzungsvertrag mit dem VLOG abgeschlossen hat.

Müssen warenspezifische Etiketten, welche sich z.B. auf Futtermittelsäcken befinden, aufgehoben werden oder ist der warenbegleitende Lieferschein ausreichend?

Relevant ist das Dokument auf welchem das Futtermittel ausgewiesen wird, oft ist dies der Lieferschein. Sind die Inhaltsstoffe jedoch NICHT auf dem Lieferschein gelistet, muss der Landwirt den etikettierten Futtermittelsack UND den Lieferschein aufbewahren.

Zusatzstoffe

Dürfen in Futtermitteln Vitamine, Enzymen und Zusatzstoffe, die durch bzw. mit Hilfe von Gentechnik hergestellt wurden, zur Herstellung von "Ohne Gentechnik"-Produkten verwendet werden?

Im Tierfutter dürfen mit Hilfe der Gentechnik hergestellte Vitamine und Zusatzstoffe wie z.B. Aminosäuren verwendet werden. Das entspricht der EU-Kennzeichnungsregelung für gentechnisch veränderte Futtermittel: Als "gentechnisch verändert" müssen diese nur dann gekennzeichnet werden, wenn sie gentechnisch veränderte Pflanzen enthalten oder daraus hergestellt wurden.

Vitamine und Aminosäuren werden den Futtermitteln der Nutztiere zugesetzt, um die Nutztiere gesund und leistungsfähig zu erhalten. Gentechnisch hergestellte Vitamine und Zusatzstoffe sind nicht selbst gentechnisch verändert.

Die zur Produktion eingesetzten gentechnisch veränderten Mikroorganismen dürfen nicht im Futtermittel enthalten sein. Die Vitamine und Zusatzstoffe werden in der Fabrik oder im Labor mithilfe von gentechnisch veränderten Bakterien in geschlossenen Behältern hergestellt.

Welchen Sachverhalt muss ein Lieferant von Lab zusichern, damit das Lab für Lebensmittel "Ohne Gentechnik" eingesetzt werden darf?

Kälberlab entspricht aufgrund der nicht anzuwendenden Mindestfütterungsfristen den Vorgaben des EGGenTDurchfG. Für mikrobielles Lab hingegen ist insbesondere die Herstellung „durch GVO“ relevant. Eine VLOG-Bescheinigung zur GVO-Freiheit bzw. inhaltlich gleichwertige Lieferantenerklärung ist für den Einsatz in „Ohne Gentechnik“-Produkte ausreichend.