Anforderungen Umstellung im Allgemeinen

Kann eine Molkerei bzw. Unternehmen mit rein tierischen Rohstoffen zertifiziert werden, wenn noch nicht alle Lieferanten umgestellt sind und eine Trennung der Lieferanten nicht möglich ist?

Nein, unter diesen Umstände ist keine Zertifizierung der Molkerei o.Ä. möglich. Für alle in „Ohne Gentechnik“-Produkte eingesetzten Rohstoffe müssen die Anforderungen des EGGenTDurchfG eingehalten werden. Im Fall des Rohstoff Milch muss demnach gewährleistet sein, dass die im Gesetz geforderte Mindestfütterungsfrist von den landwirtschaftlichen Betrieben eingehalten wird.

Wie lange müssen Tiere gentechnikfrei gefüttert werden, um das Kennzeichen erhalten zu können?

Für Lebensmittel mit dem "Ohne GenTechnik"-Siegel dürfen die Tieren, aus denen die Lebensmittel hergestellt wurden, keine gentechnisch veränderten Futtermittel erhalten haben. Dabei sind strenge Fristen einzuhalten. Das ist ähnlich wie bei einer Umstellung von konventioneller auf eine ökologische Erzeugung. Auch dort gelten laut EU-Ökoverordnung Umstellungsfristen. Im EGGenTDurchfG sind die einzuhaltenden Mindestfütterungsfristen aufgeführt.

Für Hähnchen zur Fleischgewinnung bedeutet dies z.B.eine "Ohne Gentechnik"-Fütterung während der kompletten Lebenszeit, denn die Tiere werden bereits mit etwa 30 Tagen geschlachtet.
Für gentechnikfreie Milch hingegen, muss ein Landwirt zuvor drei Monate auf gentechnisch verändertes Futter verzichtet haben und nach der Umstellung kontinuierlich weiter "ohne Gentechnik" füttern.

Findet das Audit innerhalb der Mindestfütterungsfristen oder erst nach Ablauf der Mindestfütterungsfrist statt?

Das Audit kann auch innerhalb der geforderten Mindestfütterungsfrist stattfinden.

Die Umstellungsfrist für Rinder beträgt gemäß EGGenTDurchfG „zwölf Monate und auf jeden Fall mindestens drei Viertel ihres Lebens“. Wie wird diese Regelung in der Praxis umgesetzt?

In der Umstellung der Rinder müssen beide Aspekte betrachtet werden, d.h. sowohl die 12 Monate als auch die ¾ der Lebenszeit.
Ausgangslage ist das Alter der Tiere zu Beginn der Umstellungszeit.

Beipiel: Mit Umstellungszeit ist die Kuh bereits 2,5 Jahre (30 Monate) alt. Sie kann ab einem Alter von 10 Jahren mit Hinweis auf die „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung für das Tier / Fleisch vermarktet werden.

Warum müssen die Tiere nicht ihr gesamtes Leben "ohne Gentechnik" gefüttert worden sein?

Natürlich ist es wünschenswert, dass die Tiere möglichst wenig oder gar kein gentechnisch verändertes Futter erhalten.

Durch die Fristen hat der Gesetzgeber der Situation Rechnung getragen, dass die "Ohne Gentechnik"-Produktion erst einmal in Schwung kommen muss. Er ist dabei den Landwirten entgegengekommen, die auf eine gentechnikfreie Produktion umstellen möchten. Bei allzu großen Hürden besteht die Gefahr, dass viele Lebensmittelhersteller die "Ohne Gentechnik"-Produktion gar nicht erst in Angriff nehmen. Damit wäre weder der Umwelt noch den Verbrauchern gedient.

Anforderungen Umstellung von Bio-Betrieben

Können die durchlaufenden Bio-Umstellungszeiten für die Mindestfütterungsfrist für die Herstellung von "Ohne Gentechnik"-Produkten anerkannt werden?

Die Anforderungen der EG-ÖKO-Verordnung und des EGGenTDurchfG für die „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung an die Fütterung der Tiere sind in Bezug auf die GVO-Freiheit der Futtermittel identisch. Daher können die bereits durchlaufenen Bio-Umstellungszeiten für die Mindestfütterungsfrist nach EGGenTDurchfG anerkannt werden. Eine Doppelauditierung nach VLOG-Standard und EG-ÖKO-Verordnung ist nicht notwendig.

Rinder:
Im Bereich der Rinder muss allerdings betrachtet werden, welche Umstellungsvariante der Bio-Betrieb gewählt hat. Die 24-Monatsumstellung des Gesamtbetriebs findet sich im EGGenTDurchfG nicht wieder, hier gilt für Rinder zur Fleischnutzung immer die Mindestfütterungsfrist von 12 Monaten und mindestens ¾ der Lebenszeit. Das bedeutet, dass nicht zwingend jedes umgestellte Bio-Rind automatisch für die Vermarktung als „ohne Gentechnik“ zulässig ist.
Folgende Dokumente sind im Wareneingang des Vermarktungsunternehmens vorzuhalten:
• Schriftliche Bestätigung der Bio-Zertifizierungsstelle des Betriebes über das Datum, ab dem der Betrieb im Rinderbereich ausschließlich bio-konforme und GVO-freie Futtermittel verfüttert hat.
• Falls bereits vorhanden: Bio-Zertifikat des Betriebs
• Bestätigung auf dem Lieferschein des abgebenden Betriebs, dass die Mindestfütterungsfrist gemäß EGGenTDurchfG von 12 Monaten und ¾ der Lebenszeit eingehalten wurde

Kann im Fall längerer Bio-Mindestfütterungsfristen (milchproduzierende Tiere) die Ware nach Ablauf der im EGGenTDurchfG festgehaltenen Mindestfütterungsfrist bereits als "Ohne Gentechnik"-Ware verwendet werden? Ist in diesem Fall ein spezifisches VLOG-Audit notwendig?

In diesem Fall ist unter den folgenden Bedingungen kein gesondertes VLOG-Audit notwendig:
• Es fand bereits innerhalb der Mindestfütterungsfrist des EGGenTDurchfG ein Bio-Audit statt.
• Die Bio-Zertifizierungsstelle hat das Anfangsdatum der Umstellungsfrist bestätigt.