Fragen zur "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung

Warum ist die "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung wichtig?

Für Milch, Eier und Fleisch besteht keine Kennzeichnungspflicht, auch wenn die Tiere gentechnisch verändertes Futter gefressen haben. Die meisten gentechnisch veränderten Pflanzen weltweit werden jedoch zu Tierfutter verarbeitet.

Mit der "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung können Hersteller dem Verbraucher transparent machen, wenn sie auf gentechnisch veränderte Pflanzen im Lebensmittel selbst und bei den Futtermitteln verzichtet haben. Verbraucherinnen und Verbraucher haben so die Möglichkeit, sich durch ihr Kaufverhalten für eine gentechnikfreie Landwirtschaft einzusetzen.

Ist eine "Mit Gentechnik" Kennzeichnung nicht viel besser als ein "Ohne GenTechnik" Siegel?

Der VLOG befürwortet eine Ausweitung der EU Kennzeichnungsverordnung für gentechnisch veränderte Lebensmittel. Der wichtigste Grund, warum es in Deutschland eine "Ohne Gentechnik" Kennzeichnung gibt, ist weil die EU "Mit Gentechnik" Kennzeichung große Lücken aufweist. So müssen in der EU Milch, Eier und Fleisch nicht als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden, auch wenn die Tiere gentechnisch veränderte Pflanzen gefressen haben. Derzeit gibt es keine Mehrheit in Brüssel dieses Gesetz zu ändern. Selbst wenn sich die Stimmung in der EU Kommission ändern sollte, dauert es Jahre, bis ein neues Gesetz in Kraft tritt. Bis eine erweiterte "Mit Gentechnik" Kennzeichnung verplfichtend ist, stellt die freiwillige "Ohne Gentechnik" Auslobung eine sinnvolle Alternative für Verbraucher dar.

Was bedeutet die "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung?

Lebensmittel mit dieser Kennzeichnung dürfen weder selbst genetisch veränderten Organismen (GVO) sein, noch diese enthalten oder daraus hergestellt werden. Bei der Herstellung dürfen außerdem keine durch GVO produzierten Komponenten verwendet worden sein.

Bei tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Milch oder Eiern sowie bei Lebensmitteln, die tierische Produkte enthalten, gilt zusätzlich: Sie dürfen die Kennzeichnung "Ohne Gentechnik" nur dann tragen, wenn auch die Tiere selbst innerhalb strenger Fristen nicht mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert wurden.

Dürfen bei "Ohne Gentechnik"-Lebensmitteln gentechnisch veränderte Mikroorganismen wie Bakterien und Hefen für die Herstellung von Vitaminen, Aromen oder Enzymen eingesetzt werden?

Die Gentechnikfreiheit bei "Ohne Gentechnik" Lebensmitteln erstreckt sich auch auf Bakterien und Hefen, die Zusatzstoffe wie Enzyme, Aromen oder Vitamine produzieren. Z.B. darf das Labenzym zur Herstellung von Käse nicht von gentechnisch veränderten Bakterien stammen.

Wie ist das mit Vitaminen und Enzymen bei Futtermitteln?

Im Tierfutter dürfen mit Hilfe der Gentechnik hergestellte Vitamine und Zusatzstoffe wie z.B. Aminosäuren verwendet werden. Das entspricht der EU-Kennzeichnungsregelung für gentechnisch veränderte Futtermittel: Als "gentechnisch verändert" müssen diese nur dann gekennzeichnet werden, wenn sie gentechnisch veränderte Pflanzen enthalten oder daraus hergestellt wurden.

Vitamine und Aminosäuren werden den Futtermitteln der Nutztiere zugesetzt, um die Nutztiere gesund und leistungsfähig zu erhalten. Gentechnisch hergestellte Vitamine und Zusatzstoffe sind nicht selbst gentechnisch verändert.

Die zur Produktion eingesetzten gentechnisch veränderten Mikroorganismen dürfen nicht im Futtermittel enthalten sein. Die Vitamine und Zusatzstoffe werden in der Fabrik oder im Labor mithilfe von gentechnisch veränderten Bakterien in geschlossenen Behältern hergestellt.

Wo gibt es Produkte mit der "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung zu kaufen?

Lebensmittel mit "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung findet man immer häufiger beim Einkauf, egal ob im Bioladen, Supermarkt oder Discounter. Die Hersteller, die ihre Produkte mit dem einheitlichen "Ohne GenTechnik"-Siegel kennzeichnen können, finden Sie in unserer Produktdatenbank.

Wie lange müssen Tiere gentechnikfrei gefüttert werden, um das Kennzeichen erhalten zu können?

Für Lebensmittel mit dem "Ohne GenTechnik"-Siegel dürfen die Tieren, aus denen die Lebensmittel hergestellt wurden, keine gentechnisch veränderten Futtermittel erhalten haben. Dabei sind strenge Fristen einzuhalten. Das ist ähnlich wie bei einer Umstellung von konventioneller auf eine ökologische Erzeugung. Auch dort gelten laut EU-Ökoverordnung Umstellungsfristen. Im Anhang der "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnungsregelung sind die Fristen für die "Ohne Gentechnik"-Fütterung aufgeführt (siehe Tabelle).

Für Hähnchen zur Fleischgewinnung bedeutet dies eine "Ohne Gentechnik"-Fütterung während der kompletten Lebenszeit. Denn die Tiere werden bereits mit etwa 30 Tagen geschlachtet.

Für gentechnikfreie Milch muss ein Landwirt zuvor drei Monate auf gentechnisch verändertes Futter verzichtet haben und nach der Umstellung kontinuierlich weiter "ohne Gentechnik" füttern.

Fütterungsfristen

Warum müssen die Tiere nicht ihr gesamtes Leben "ohne Gentechnik" gefüttert worden sein?

Natürlich ist es wünschenswert, dass die Tiere möglichst wenig oder gar kein gentechnisch verändertes Futter erhalten.

Durch die Fristen hat der Gesetzgeber der Situation Rechnung getragen, dass die "Ohne Gentechnik"-Produktion erst einmal in Schwung kommen muss. Er ist dabei den Landwirten entgegengekommen, die auf eine gentechnikfreie Produktion umstellen möchten. Bei allzu großen Hürden besteht die Gefahr, dass viele Lebensmittelhersteller die "Ohne Gentechnik"-Produktion gar nicht erst in Angriff nehmen. Damit wäre weder der Umwelt noch den Verbrauchern gedient.

Wie stehen Verbraucherorganisationen, Umweltverbände und ökologische Lebensmittelwirtschaft zur "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung?

Die Verbraucherorganisationen begrüßen die neue Wahlfreiheit für Konsumenten. Endlich können Verbraucher selbst wählen, ob sie den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen unterstützen wollen oder nicht. Man hofft auf einen Boom der "Ohne Gentechnik"-Produkte und den Rückgang des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen, wenn die Bevölkerung, die die Gentechnik mehrheitlich ablehnt, entsprechend einkauft.

Aus demselben Grund begrüßen auch die Umweltorganisationen die Kennzeichnung. Sie sehen vor allem die Gefahren für Biodiversität und Ökosysteme, die vom Anbau der gentechnisch veränderten Pflanzen ausgehen.

Auch für die ökologische Lebensmittelwirtschaft stellt die Kennzeichnung einen Fortschritt dar: Bio-Produkte werden immer ohne Gentechnik hergestellt. Je weniger gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden, desto geringer sind die Gefahren von Verunreinigungen. Der Aufwand für Tests und Sicherheitsmaßnahmen würde sich verringern. Eine Stellungnahme von Umwelt- und Verbraucherverbänden finden Sie hier.

Wer überprüft, ob die rechtlichen Voraussetzungen für die "Ohne Gentechnik"-Auslobung vorliegen?

Die Überprüfung obliegt allein den zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörden der Bundesländer. Der VLOG stellt selbst keine solchen Kontrollen an. Allerdings informiert er die Bundesländer über die Unternehmen, die das Siegel nutzen. Umgekehrt teilen ihm die Länder schwere Verstöße mit.

Vor Vergabe einer Lizenz zur Nutzung des "Ohne GenTechnik" Siegels lässt sich der VLOG die Einhaltung der Kriterien anhand von Dokumenten glaubhaft machen. Darüber hinaus prüfen externe Zertifizierungsstellen die Einhaltung der Kriterien.

Was geschieht bei Verstößen gegen die rechtlichen Voraussetzungen?

Hier greifen die Vorschriften des EGGenTDurchfG, die ausschließlich von den zuständigen Landesbehörden angewandt werden. Erfährt der VLOG von solchen Verstößen, hat er das Recht entsprechend der individuell getroffenen Nutzungsvereinbarung Konsequenzen ziehen, die bis zum Entzug der Nutzungserlaubnis gehen.

Welche Anforderungen werden an Naturlab gestellt?

Naturlab kann zur Herstellung von Lebensmitteln ohne Gentechnik eingesetzt werden, wenn die Tiere, von denen das Lab stammt, nicht genetisch verändert waren. Womit die Tiere gefüttert wurden ist unerheblich. Die Anforderungen an die Fütterung der Tiere gelten nur bei Zutaten (§ 3 a Abs. 4 EGGenTDurchfG).

Lab gilt lebensmittelrechtlich nicht als Zutat, weil es als oder wie ein Verarbeitungshilfsstoff verwendet wird. Dafür gilt aber das Verbot der Verwendung von durch GVO hergestellten Stoffen (§ 3 a Abs. 5 EGGenTDurchfG). Ein Stoff ist durch GVO hergestellt, wenn der letzte lebende Organismus im Herstellungsprozess – bei Lab also das Kalb – genetisch verändert war.

Welchen Sachverhalt muss ein Lieferant von Naturlab zusichern, damit das Lab für Lebensmittel "Ohne Gentechnik" eingesetzt werden darf?

Ein Lieferant von Naturlab muss verbindlich erklären, dass das Lab nicht von genetisch veränderten Tieren stammt. Davon kann er ausgehen, wenn feststeht, dass die Tiere aus Ursprungsländern stammen, in denen entsprechende genetisch veränderte Tiere nicht zugelassen sind und nicht erzeugt werden.

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