Newsletter November 2012

Liebe Leserinnen und Leser,

als die ganze Welt vor zwei Wochen gebannt in die USA blickte, um den Ausgang der Präsidentschaftswahl mit zu verfolgen, war wohl nur den wenigsten VerbraucherInnen bewusst, dass gleichzeitig - im Bundesstaat Kalifornien - über die Zukunft der Gentechnik abgestimmt wurde. Zur Disposition stand die Einführung einer verpflichtenden Kennzeichnung von Gentechnik-Zutaten, die es bislang nirgendwo in den USA gibt – im Unterschied zu vielen anderen Ländern und der EU. Die kalifornische Volkswirtschaft ist eine der Größten weltweit. Eine Labelling-Pflicht dort hätte wohl unmittelbar zur Nachahmung in anderen US-Staaten geführt, und mittelbar womöglich zu erheblichen Schwierigkeiten für die Hersteller gentechnisch veränderter Pflanzen.

Letztere wehrten sich dementsprechend: Mit über 45 Millionen Dollar für TV- und Radiospots, Zeitungsanzeigen und Internetauftritten, versuchten sie, den VerbraucherInnen einzureden, ihre Lebensmittel würden in Zukunft deutlich teurer. Am Ende hatten die Gentechnikindustrie Erfolg: obwohl fast alle Umfragen vorher das Gegenteil verkündet hatten, stimmten 53,1 Prozent der Kalifornier gegen das Gentech-Label. Doch die 46,9 Prozent der finanziell wesentlich schwächeren Kennzeichnungs-Befürworter konnten sich durchaus sehen lassen. Und sie strahlen auch über die Grenzen des Bundesstaats hinaus. In Washington und Oregon werden momentan Unterschriften für ähnliche Volksentscheide gesammelt. Monsanto und Co haben sich also vor allem Zeit erkauft.

In der EU scheint das Bild hingegen kaum verändert: Während die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA und die EU-Kommission die Zulassung weiterer Pflanzen und die Änderung der Honig-Bestimmungen forcieren, steht die Mehrheit der VerbraucherInnen der Agro-Gentechnik nach wie vor ablehnend gegenüber. Unternehmen spüren das an der steigenden Nachfrage nach gentechnikfreien Lebensmitteln. Insbesondere in Bayern liegt „Ohne Gentechnik“ im Trend: Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Produktion gentechnikfreier Milch dort verdoppelt, auf einen Gesamtanteil von 22 Prozent. Im nächsten Jahr dürfte es noch mehr werden.

Der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik unterstützt diese erfreuliche Entwicklung – und das auch mit den neuen Medien: über den Barcode-Scanner am Smartphone können VerbraucherInnen jetzt bei vielen tierischen Erzeugnissen direkt erfahren, ob gentechnikfreie Futtermittel eingesetzt wurden und was die Kriterien des „Ohne Gentechnik“-Siegels genau beinhalten. Auch im Geschäft sind die wichtigsten Informationen so schnell abrufbar. 400 solcher Produkte sind beim Kooperationspartner barcoo bereits gespeichert.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen

Ihr VLOG-Team

Nachrichten

EU-Parlament billigt Borg als Kommissar

Berlin, 22.11.12 – Am Mittwoch gab das EU-Parlament grünes Licht für die Ernennung Tonio Borgs zum neuen Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz. Für den Malteser stimmten 386 Abgeordnete, 281 votierten gegen ihn, es gab 28 Enthaltungen. Die Gegenstimmen kamen vor allem von Grünen, Linken und Liberalen. Doch auch einige Sozialdemokraten haben Zweifel an der Eignung Borgs, der sich in der Vergangenheit abfällig gegenüber Frauen, Homosexuellen und Flüchtlingen geäußert hat.

   

Kalifornier stimmen gegen Kennzeichnung

Berlin, 08.11.2012 – Die Wählerinnen und Wähler in Kalifornien haben sich gegen eine verpflichtende Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Zutaten in Lebensmitteln entschieden. In einer Volksabstimmung, die parallel zur US-Präsidentschaftswahl stattfand, stimmten 46,9 Prozent von gut 9 Millionen Bürgern für die Einführung eines GV-Labels, 53,1 Prozent votierten dagegen. In den USA sind in einem Großteil der verarbeiteten Lebensmittel Gentech-Zutaten enthalten. Diese müssen nun vorerst weiterhin nicht ausgewiesen werden.

   

Weitere Gentech-Soja kurz vor Zulassung

Berlin, 02.11.2012 – Eine weitere gentechnisch veränderte Sojapflanze des US-Unternehmens Monsanto steht vor der Zulassung zu Import und Verarbeitung. Die umstrittene Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat laut einem kürzlich veröffentlichten Dossier zu MON 87705 keine Bedenken wegen möglicher Gesundheitsrisiken. Da die Bohnen der Gentech-Pflanze laut Monsanto ein vorteilhaftes Verhältnis von gesättigten und ungesättigten Fettsäuren besitzen, sollen sie auch für Speisen wie Margarine oder Salatöl verwendet werden können. Die Haltung der deutschen Lebensmittelindustrie wird sich dadurch nach Einschätzung des VLOG allerdings nicht ändern. Für sie werden gentechnisch veränderte Zutaten auch künftig keine Rolle spielen.

   

"Ohne Gentechnik" Informationen per Barcode-Scan

Berlin, 23.10.2012 - Der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG e.V.) kooperiert ab sofort mit dem Anbieter des mobilen Produkt-Guides barcoo. Mit barcoo kann Jeder am Einkaufsregal per Smartphone den Barcode von Lebensmitteln scannen und erhält Zusatzinformationen zum Produkt. Über Lebensmittel, die beim VLOG registriert sind, erfährt der Verbraucher direkt über das Handy, ob z.B. die Kühe zur Produktion der Milch gentechnisch verändertes Tierfutter fressen. Auch Informationen zu den "Ohne Gentechnik" Kriterien sind leicht zu finden. Verbraucher können auch eine komplette Liste der "Ohne Gentechnik" Lebensmittel abrufen, die in der barcoo Datenbankgespeichert sind.

   

Bayern: „Ohne Gentechnik“ im Trend

Berlin, 24.10.2012 - Gentechnikfreie Milch liegt bei den bayerischen Landwirten und Molkereien voll im Trend. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Hochrechnung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Ihr zufolge liegt der Anteil von Milch "ohne Gentechnik" im Freistaat dieses Jahr bei 17,5 Prozent. Damit wird 2012 fast doppelt so viel davon produziert wie noch 2011. Rechnet man das "Bio"-Segment hinzu, werden sogar 22,2 Prozent der bayerischen Milch ohne gentechnisch veränderte Futtermittel erzeugt.

   

EU: Umstrittener Vorstoß bei Honig-Richtlinie

Berlin, 22.10.2012 - Deutsche und europäische Imkerverbände haben mit Besorgnis auf einen Vorstoß der EU-Kommission reagiert. Diese möchte die Vorschriften zu Honig so ändern, dass pflanzlicher Pollen künftig als "natürlicher Bestandteil" - anstatt wie bislang als "Zutat" - definiert würde. Die Imker befürchten, Honig mit Spuren von gentechnisch veränderten Organismen solle so marktfähig gemacht werden.

   

Sonstiges

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Termine

Diskussionsveranstaltung: "Wirkungsbereiche der Agro-Gentechnik", 19.12.2012 in Eberswalde

Internationale Grüne Woche, 18.01-27.01.2012, Berlin. Der VLOG wird in Halle 23a mit einem Stand vertreten sein.

Demonstration für eine ökologisch-soziale Agrarwende: "Wir haben es satt!", 19.01.2013 in Berlin

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