Newsletter Oktober 2012

Liebe Leserinnen und Leser,

es war das bestimmende Thema der letzten Wochen: Eine Langzeitstudie der Universität Caen in Frankreich zeigte Hinweise darauf, dass mit Gentech-Mais gefütterte Ratten häufiger an Krebs erkranken als ihre Artgenossen, die konventionelles Futter erhalten. Auf die Veröffentlichung der Untersuchung folgte ein gewaltiges Medienecho, und auch viele politische Reaktionen. EU-Kommission und Bundesregierung beauftragten ihre Lebensmittelbehörden, eine Bewertung der Ergebnisse vorzunehmen. Diese fielen –  mehr oder weniger erwartungsgemäß – negativ aus.

In Frankreich läuft die Überprüfung hingegen noch. Dort hatte die Regierung angekündigt, sich für ein EU-weites Verbot von gentechnisch veränderten Inhaltsstoffen für Lebensmittel einzusetzen, sollten sich die Hinweise auf die Risiken der Gentechnik verdichten. Russland verhängte kurzerhand einen Importstopp gegen den Monsanto-Mais NK603.

Es bleibt abzuwarten, ob in der EU noch konkrete politische Konsequenzen gezogen werden. In jedem Fall hat die umfassende Berichterstattung über die französische Studie die Verbraucherinnen und Verbraucher erreicht. Die Nachfrage nach gentechnikfreien Lebensmitteln dürfte dadurch weiter zunehmen. Viele von ihnen bemühen sich zurzeit, ihr Sortiment entsprechend anzupassen. Der im September erschienene Greenpeace-Einkaufsratgeber, der diesmal auf den LEH fokussiert, zeigte dabei allerdings unterschiedliche Geschwindigkeiten. Kaum überraschend liegen die Bio-Supermärkte bei der Gentechnikfreiheit vorn. Doch auch einige konventionelle Handelshäuser haben bereits wichtige Schritte getan, während es bei anderen noch ein weiter Weg ist. Greenpeace rief die Unternehmen dazu auf, sich um das Siegel „Ohne Gentechnik“ des VLOG zu bemühen. Diese Möglichkeit wünschen sich auch manche Schweizer Landwirte. Eine entsprechende Kennzeichnung ist nach momentaner Rechtslage im Alpenland noch nicht möglich. Bei Exporten nach Deutschland können sie jedoch schon heute das „Ohne Gentechnik“-Label verwenden. Die landwirtschaftliche Interessengemeinschaft BIG-M riet ihren Mitgliedern, diese Chance nun auch zu nutzen.

Über die genaue Ausgestaltung der „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung haben sich die Bio-Supermarktkette Alnatura und der Landkreis Darmstadt-Dieburg geeinigt. Damit beendeten sie einen jahrelangen Rechtsstreit zur beiderseitigen Zufriedenheit. Alnatura und andere Hersteller dürfen nun offiziell mit dem Hinweis „Bio-Recht schließt den Einsatz von Gentechnik bei Bio-Lebensmitteln aus“ auf den Verpackungen ihrer Produkte werben – nicht jedoch wie bisher mit „Ohne Gentechnik, weil Bio“ Das Gesetz erlaubt keine Zusätze zu den Worten „Ohne Gentechnik“, weshalb man sich nun auf einen Kompromiss verständigte.

Voraussetzung für die Herstellung gentechnikfreier Lebensmittel bleibt indes die Verfügbarkeit von entsprechenden Futtermitteln. Anfang September beschäftigten sich die Bundesländer Bayern und Mecklenburg-Vorpommern mit dieser Thematik. Beide streben eine größere Unabhängigkeit von gentechnisch veränderter Soja aus Übersee an und plädieren für eine Förderung des europäischen Eiweißpflanzenanbaus. In Serbien eröffnete unterdessen ein neues Werk der Firma SojaProtein, in dem pro Jahr 70.000 Tonnen gentechnikfreies Soja zu Futtermittelkonzentrat für den europäischen Markt verarbeitet werden sollen.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen

Ihr VLOG-Team

 

Nachrichten

Einigung im Rechtsstreit um "Bio" und "Ohne Gentechnik"

Berlin, 05.10.2012 – Die Bio-Supermarktkette Alnatura und der Landkreis Darmstadt-Dieburg haben ihren Streit über einen Werbeslogan beigelegt. Vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof schlossen die beiden Parteien einen Vergleich. Alnatura und andere Hersteller dürfen nun offiziell mit dem Hinweis „Bio-Recht schließt den Einsatz von Gentechnik bei Bio-Lebensmitteln aus“ auf den Verpackungen ihrer Produkte werben – nicht jedoch wie bisher mit „Ohne Gentechnik, weil Bio.“ Bis Januar 2013 sollen die Verpackungen der Alnatura-Waren entsprechend angepasst sein.

   

Studie zu Gesundheitsrisiken der Gentechnik

Berlin, 24.09.12 – In der EU wird derzeit über eine aufsehenerregende Studie zu den Gesundheitsrisiken des Verzehrs von gentechnisch verändertem Mais diskutiert. Die EU-Kommission und einige Mitgliedsländer haben ihre jeweils zuständigen Behörden angewiesen, die Ergebnisse der Studie zu überprüfen. Davon hängen weitere Konsequenzen ab. Frankreichs Premierminister Ayrault hat angekündigt, sich gegebenenfalls für ein EU-weites Verbot von gentechnisch veränderten Inhaltsstoffen für Lebensmittel einzusetzen. Der Agrarminister von Baden-Württemberg, Alexander Bonde, forderte einen Stopp der Importe von Gentechnik-Mais nach Deutschland.

   

Schweizer Produzenten wollen „Ohne Gentechnik“

Berlin, 20.09.2012 – In der Schweiz wird derzeit über die Verlängerung eines Moratoriums für den Gentechnik-Anbau diskutiert. Dabei rückt auch die Frage nach der Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Organismen in den Fokus der Öffentlichkeit. Mit einer Aktion in Supermärkten wollten Mitglieder der Bäuerlichen Interessen-Gruppe für Marktkampf (BIG-M) ihrer Forderung eines „Ohne Gentechnik“-Siegels für die Schweiz Nachdruck verleihen. Sie klebten die grüne Raute des VLOG auf Molkereiprodukte im Kühlregal Züricher Einzelhändler.

   

Serbien: Neue Fabrik für gentechnikfreies Sojakonzentrat

Berlin, 17.09.2012 – Das serbische Unternehmen SojaProtein hat kürzlich ein neues Werk in Becej eröffnet. Dort sollen jährlich 70.000 Tonnen gentechnikfreie Soja zu Konzentrat für den europäischen Markt verarbeitet werden. Laut eigenen Angaben wird der größte Teil davon für Futtermittel zur Verfügung stehen.

   

Lebensmitteleinzelhandel: Gentechnikfreiheit der vielen Geschwindigkeiten

Berlin, 13.09.12 – Viele große Lebensmittelhändler in Deutschland beschäftigen sich mit dem Thema Gentechnikfreiheit ihrer Eigenmarkenprodukte – allerdings mit sehr unterschiedlicher Intensität. Dies zeigt auch der neue Einkaufsratgeber von Greenpeace. Demnach stellen immer mehr Supermärkte und Discounter bei tierischen Erzeugnissen auf Futtermittel ohne Gentechnik um. Greenpeace forderte von allen Unternehmen zudem, die „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung zu nutzen.

   

Einheimische Eiweißpflanzen könnten Gentech-Importe verringern

Berlin, 03.09.12 – Die Bundesländer Bayern und Mecklenburg-Vorpommern arbeiten an einer Diversifizierung ihrer Eiweißversorgung. Futtermittel sollen künftig vermehrt aus einheimischen Pflanzen hergestellt werden, um die Abhängigkeit von gentechnisch verändertem Soja aus Übersee zu verringern.

   

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Termine

LACON Seminar: "Ohne Gentechnik" - Die Umsetzung in der Praxis; 13.11.2012 in Offenburg

6. Bauern- und Imkertag  - "Unsere Landwirtschaft ohne Gentechnik"; 21.11.2012 in Börtewitz

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