Newsletter August 2013

Liebe Leserinnen und Leser,

mit Rewe geht ein Schwergewicht des deutschen Lebensmittelhandels – und Mitglied des VLOG – große Schritte in Richtung Gentechnikfreiheit. Eier, Milchprodukte, Fleisch und Käse, die der Konzern unter eigenem Namen verkauft, sollen nach und nach ohne gentechnisch veränderte Futtermittel erzeugt werden. Dafür hat Rewe kürzlich neue Leitlinien für seine Lieferanten gesetzt. Soja aus Übersee, das aus Sicht des Unternehmens auf absehbare Zeit unverzichtbar bleibt, soll nur von gentechnikfreien Feldern stammen dürfen. Gleichzeitig fördere man die Stärkung der europäischen Futtermittelproduktion, z.B. den Sojaanbau in der Donauregion, so Rewe. Die genauen Fristen für die Umstellung sind noch nicht bekannt – doch die Signalwirkung an andere Handelshäuser ist beträchtlich.

Etwas weiter ist man bereits in der Schweiz. Dort wird schon heute kein Gentechnik-Futter eingesetzt. Um mit dieser Qualität auch bei deutschen Verbrauchern zu punkten, plant mit Emmi einer der größten Milchproduzenten des Landes, einige seiner Exportprodukte mit der Aufschrift „ohne Gentechnik“ zu versehen. Aus eidgenössischer Sicht ist das eine Neuheit: es gibt dort bislang kein offizielles Siegel für zertifiziert gentechnikfreie Produkte. Milcherzeuger hoffen darauf, dass sich das ändert. Eine Reform hat es unterdessen im italienischen Südtirol gegeben. Dort traten im August neue Vorschriften für „Ohne Gentechnik“ in Kraft. Damit wurden die Anforderungen der EU erfüllt – in welchen Punkten die Tiroler Kennzeichnung von der Situation in Deutschland abweicht, können Sie in unserer Meldung nachlesen.

Es tut sich also Einiges bei Herstellern und Handel. Und das ist auch nötig, wie Verbraucher immer wieder deutlich machen. So forderten britische Konsumenten von vier großen Supermarkt-Ketten, den Wiedereinstieg in die Gentechnik-Fütterung rückgängig zu machen. Angeführt von Branchenprimus Tesco hatten diese eine über Jahre bewährte Einkaufspolitik, die auf Eier und Hühnerfleisch aus gentechnikfreier Produktion setzte, verworfen. Als Argument diente das angeblich knappe Angebot an nicht-modifiziertem Soja. Das stieß nicht nur bei brasilianischen Sojabauern auf Unverständnis. Zahlreiche Verbraucher schrieben Emails an die Konzerne – und drohten mit Boykott. Auch jenseits des Atlantiks, im Gentechnik-Mutterland USA, fordern Verbraucher vehement Transparenz beim Einkauf. In einer Umfrage der New York Times sagten 9 von 10 Amerikanern, sie wünschten sich eine verbindliche Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Zutaten in Lebensmitteln. Und in Deutschland bleibt die Ablehnung der Gentech-Landwirtschaft konstant hoch: 71 Prozent sind laut dimap-Umfrage für ein Verbot. Und das trotz klar gentechnik-freundlich formulierten Fragen.

Angesichts solcher Werte hat natürlich auch die Politik das Thema Gentechnik im Blick – gerade in Wahlzeiten. Doch im Detail unterscheiden sich die Positionen teils deutlich. Der VLOG wollte es genau wissen und befragte die Parteien im Bundestag, wie sie zum „Ohne Gentechnik“-Siegel stehen. Die Antworten zeigen: die Kennzeichnung finden alle richtig, nur die FDP ist erwartungsgemäß dagegen. Konkrete finanzielle Unterstützung, um das Logo bei den Verbrauchern bekannter zu machen, stellen allerdings nur die Oppositionsparteien in Aussicht. CDU und CSU verweisen hingegen auf ihre bisherige Arbeit – und auf die Verantwortung des VLOG. Dabei könnte eine groß angelegte Werbekampagne, wie sie bei der Einführung des Bio-Siegels stattfand, sehr hilfreich sein. Denn nur gut informierte Verbraucher werden beim Einkauf auch tatsächlich zu gentechnikfreien Produkten greifen.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen

Ihr VLOG-Team

Nachrichten

Rewe legt Leitlinie für gentechnikfreie Futtermittel vor

04.09.13 – Der Einzelhandelskonzern Rewe Group hat Leitlinien für Futtermittel vorgelegt. Diese gilt für tierische Produkte, die in den Märkten der Rewe Group (Rewe, Penny und toom) als frische Eigenmarken verkauft werden. Das Tierfutter soll zunehmend aus Europa kommen – man sei aber auf „absehbare Zeit“ noch auf Soja aus Südamerika angewiesen. Dieses dürfe jedoch nicht gentechnisch verändert sein. 

   

Emmi wirbt mit „ohne Gentechnik“

27.08.13 - Der Schweizer Milchkonzern Emmi wird künftig einige seiner Produkte auf dem deutschen Markt als gentechnikfrei kennzeichnen. Wie die Lebensmittelzeitung berichtet, wird das Unternehmen drei Pudding- und Müsligerichte ab September mit der Aufschrift „ohne Gentechnik“ bedrucken.

   

Parteienbefragung zur "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung

Berlin, 21.08.2013 – Anlässlich der Bundestagswahl am 22. September befragt der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) alle im Bundestag vertretenen Parteien zur Gentechnik-Kennzeichnung von Lebensmitteln. Nur die FDP lehnt die "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung von Lebensmitteln strikt ab. SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und DIE LINKE wollen die Bekanntheit des bundeseigenen "Ohne Gentechnik"-Siegels mit einer großen Informations- und Werbekampagne steigern.

   

EU-konformes „Ohne Gentechnik“ in Südtirol

12.08.2013 – Südtirol hat seine Vorschriften zur „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung an EU-Gesetze angepasst. Damit will die autonome Provinz in Norditalien eine rechtliche Auseinandersetzung mit der Europäischen Kommission vermeiden. Es gibt allerdings einige Abweichungen zur deutschen "Ohne Gentechnik"-Regelung.

   

Weniger Soja für bayerische Rinder

12.08.2013 - In Bayern ist der Anteil von Soja am Viehfutter in den vergangenen zwei Jahren um circa 15 Prozent gesunken. Dies sei ein Erfolg seiner Strategie „Heimische Eiweißfuttermittel“, erklärte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner in München. Vor allem Rapsschrot werde verstärkt eingesetzt. Dieser Trend komme auch dem „Verbraucherwunsch nach gentechnikfreier Milch“ entgegen, heißt es in einer Pressemitteilung.

   

Britische Verbraucher fordern gentech-freie Eier

Britische Verbraucher fordern vier wichtige Einzelhändler auf, bei Milch, Eiern und Fleisch auf gentechnikfreie Futtermittel zu setzen. Fast 2.000 Konsumenten unterzeichneten bisher eine Petition der Organisation „GMO Action“. Adressaten sind Tesco, Co-op, Sainsbury’s und Marks&Spencer – die zusammen sehr große Marktanteile haben. Sie hatten im April angekündigt, wieder Geflügelprodukte ins Sortiment zu nehmen, die mit Gentechnikfutter erzeugt werden.

   

Meinungsumfrage zu Gentechnik

05.08.2013 – Vergangene Woche veröffentlichte das „Forum Grüne Vernunft“ (FGV) - eine Lobbyorganisation für Gentechnik – eine von ihr in Auftrag gegebene Umfrage. Diese hatte das Institut dimap unter 1.000 Bürgern durchgeführt und Einstellungen zur Agro-Gentechnik abgefragt. Obwohl die Fragen teils sehr suggestiv formuliert waren, zeigte sich erneut die breite Ablehnung gentechnisch veränderter Pflanzen in der Gesellschaft. Das FGV schoss sich aber vor allem auf die leicht abweichenden Resultate bei jungen Menschen ein – und beschwor einen Meinungswandel herauf.

   

Amerikaner wollen Gentech-Kennzeichnung

31.07.2013 – Dieses Ergebnis spricht eine klare Sprache: fast alle US-Amerikaner wollen eine verpflichtende Kennzeichnung von Gentechnik-Lebensmitteln. 93 Prozent sprachen sich ein einer repräsentativen Umfrage der New York Times dafür aus. Anders als in der EU gibt es eine solche Inhaltsangabe bislang nicht.


   

Sonstiges

Mitglied im VLOG werden

Sie erhalten den VLOG Newsletter für Nicht-Mitglieder. Der ausführlichere Newsletter mit mehr Verbands- und Hintergrundinformationen ist unseren Mitgliedern vorbehalten. Eine VLOG-Mitgliedschaft steht sowohl juristischen, als auch natürlichen Personen offen. Mehr Informationen zur VLOG Mitgliedschaft finden Sie auf unserer Homepage.

   

Newsletter weiterempfehlen oder abbestellen

Falls weitere Kollegen in Ihrem Unternehmen diesen Newsletter beziehen möchten oder Sie den Newsletter abbestellen möchten, gibt es dafür hier die Möglichkeit.

   

Sollte der Newsletter bei Ihnen nicht richtig angezeigt werden, klicken Sie bitte hier.

Neue Siegelnutzer

Geflügelhof Riedl

Imkerei Doll UG

Neue Mitglieder

Imkerei Doll UG

 

Termine

Achtung, Terminänderung!

Das Donau Soja Symposium (Augsburg) verschiebt sich um eine Woche auf den 25.-26.11.2013.

5. Fachtagung Gentechnik (Oberschleißheim), 26.11.2013.

Weitere Informationen