Newsletter Februar 2013

Liebe Leserinnen und Leser,

der Januar brachte einen Paukenschlag bei der Gentechnik. Nach Jahren des Hin und Her bei seinen gentechnisch veränderten Kartoffeln hat das deutsche Agrochemie-Unternehmen BASF angekündigt, die Knollen in Europa nicht mehr freisetzen oder kommerziell anbauen zu wollen. Drei Kartoffeln mit wohlklingenden Namen – Fortuna, Modena, Amadea – werden eingestampft. Nur im Gentechnik-Mutterland USA werde noch weiter geforscht.

Die Entscheidung, die von Landwirtschafts- und Umweltverbänden gefeiert wurde, begründete der global agierende Konzern mit der unsteten Haltung der europäischen Politik gegenüber der Agro-Gentechnik – und mit drohenden Feldzerstörungen durch einige Aktivisten. Tatsächlich könnten die Beweggründe wesentlich profaner sein: BASF fand schon für die Vorgänger-Knolle Amflora keine Abnehmer. Die Stärke-Industrie hielt sich zurück, denn getrennte Produktionsströme sind teuer – und die Verbraucherinnen und Verbraucher lehnen die Gentechnik ohnehin ab. In drei EU-Staaten ist der Anbau der gentechnisch veränderten Kartoffel seit 2010 verboten – Anfang dieses Jahres kam Polen hinzu. Weitere Millionen-Investitionen in die gentechnischen Ladenhüter wollte BASF deshalb wohl nicht mehr aufbringen.

Auf die unverändert ablehnende Haltung der Bevölkerungsmehrheit hat auch die Landesregierung in Baden-Württemberg reagiert. Sie beschloss, den Anbau von Gentechnik-Pflanzen auf verpachteten Landesflächen auszuschließen. In künftigen Verträgen wird es eine entsprechende Klausel geben, verkündeten Wirtschaftsminister Schmid (SPD) und Verbraucherminister Bonde (Bündnis90/Die Grünen). Im Nachbarland Bayern freut sich unterdessen Agrarminister Helmut Brunner (CSU) darüber, dass das Projekt „Donausoja“ immer mehr Fahrt aufnimmt. Auf der Grünen Woche in Berlin unterzeichneten sieben Anrainerstaaten eine Erklärung. Rumänien als achtes Land folgte zwei Wochen später. Sie wollen zusammen die Erzeugung von gentechnikfreien Sojabohnen in Europa vorantreiben.

Apropos Grüne Woche: Der Verband Lebensmittel Ohne Gentechnik (VLOG) war dieses Jahr mit dabei und informierte an seinem Stand über das „Ohne Gentechnik“-Siegel – was es Verbrauchern sagt und wie Lebensmittelproduzenten es bekommen können.

Kommende Woche wird der VLOG auf der diesjährigen BioFach in Nürnberg präsent sein – allerdings nicht mit einem Stand. Auf der weltweit wichtigsten Messe der Bio-Branche wird genügend Raum sein mit "Ohne Gentechnik" Produzenten Erfahrungen auszutauschen und neue Unternehmen für den Verband zu gewinnen. Sollten Sie Interesse an einem Gespräch in Nürnberg haben freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen

Ihr VLOG-Team

Verband

VLOG auf der Internationalen Grünen Woche

Die Internationale Grüne Woche (IGW) ist vorbei und es ist Zeit, ein kleines Resümee zu ziehen. Mit einer Präsenz in der Halle des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) waren wir am richtigen Ort vertreten. Die BMELV Halle hat einen überwiegend informativen Charakter und der durchschnittliche Hallenbesucher ist für unsere Themen empfänglicher als der durchschnittliche IGW-Besucher. Das BMELV hat uns einen günstig gelegenen Stand mit hoher Besucherfrequenz zur Verfügung gestellt. Der "Renner" waren eindeutig die hochwertigen Einkaufstaschen, die wir an die Messebesucher verschenkt haben.

Die Lebensmittelexponate waren ein guter Blickfang, der es uns ermöglicht hat, mit den Messebesuchern ins Gespräch zu kommen. Fast alle hatten eine grundsätzlich positive Einstellung zu "Ohne Gentechnik" Lebensmitteln. Dennoch gab es einiges an Aufklärungsbedarf rund um die gentechnikfreie Lebensmittelproduktion. Für Verwirrung sorgt immer wieder der Umstand, dass es für ein und denselben gesetzlichen Standard viele verschiedene Logos gibt. Bisweilen herrscht Misstrauen, ob unternehmenseigene Logos den gleichen Standard erfüllen wie das einheitliche Logo des BMELV. Der Wunsch nach einer einheitlichen "Ohne Gentechnik" Kennzeichnung ist sehr deutlich geworden.

Sehr positiv wurde auch die Verkostung von "Ohne Gentechnik" Lebensmitteln angenommen. Für die verkostenden Unternehmen war es eine willkommene Möglichkeit, nicht nur generisch die "Ohne Gentechnik" Kennzeichnung, sondern auch speziell die eigenen Produkte anzupreisen. Nach Auskunft der beteiligten Unternehmen war die Verkostung am VLOG Stand sehr erfolgreich und vorteilhafter als in anderen Hallen der IGW, die oft zu überlaufen sind.

Insgesamt lässt sich ein sehr positives Fazit ziehen. Das BMELV hat uns in Aussicht gestellt, auch 2014 in der Ministeriumshalle vertreten zu sein. Dieses Angebot werden wir aller Voraussicht nach annehmen. Auf unserer Facebook-Seite können Sie ein paar Eindrücke von unserem Messestand bekommen.

   

Termine

Auf ein paar Termine in naher Zukunft möchten wir besonders hinweisen. Bereits am 6. März findet in Brüssel eine internationale Konferenz zur EU-weiten "Ohne Gentechnik" Kennzeichnung statt. Produzenten werden von Ihren Erfahrungen berichten, es wird ein Überblick über die bisherigen nationalen Regelungen gegeben und diskutiert wie eine EU-weite Harmonisierung erreicht werden kann.

In der zweiten Aprilwoche finden Workshops zu einer Non-GM Futtermitteldatenbank statt. Das Konzept, die Funktionsweise und die Voraussetzungen für eine Listung werden dargestellt und erörtert. In der KW 8 kann man sich auf der Baustellenseite (www.feedfinder-nongmo.de) mit Namen und E-Mail-Adresse registrieren. Der Organisator, das VLOG Mitgliedsunternehmen UBL Lehmann, wird dann in den Folgewochen weitere Einzelheiten und Hintergrundinformationen zu den Veranstaltungen an die Interessenten per E-Mail versenden.

Am 14. Mai lädt die Proterra Foundation zu ihrer zweiten Konferenz nach Rotterdam ein. Um die Herausforderungen in Bezug auf Nachhaltigkeit und GVO-Freiheit zu meistern, bedarf es über die gesamte, oft interkontinentale Lieferkette hinweg einer koordinierten Verflechtung der Anstrengungen. Diese Herausforderung und mögliche Lösungen sollen insbesondere am Beispiel der Soja vorgestellt und diskutiert werden.

   

Nachrichten

Baden-Württembergische Landesflächen ohne Gentechnik

Berlin, 04.02.2013 - Auf landeseigenen Flächen müssen sich Pächter zukünftig verpflichten, keine Gentechnik-Pflanzen anzubauen. Die grün-rote Landesregierung in Stuttgart setzt damit den Weg fort, den sie mit dem Beitritt zum "Europäischen Netzwerk gentechnikfreier Regionen" im vergangenen Herbst beschritt. Für laufende Pachtverträge gilt die Neuregelung aber nicht.

   

BASF stoppt Zulassungsanträge für Gentechnik-Kartoffeln

Berlin, 29.01.13 – Das Unternehmen BASF Plant Science nimmt seine Zulassungsanträge für den Anbau und für wissenschaftliche Feldversuche mit gentechnisch veränderten Kartoffeln zurück. In einer Pressemitteilung heißt es, die Investitionen in die Sorten „Fortuna“, „Modena“ und „Amadea“ könnten „aufgrund der Unwägbarkeiten im regulatorischen Umfeld und drohender Feldzerstörungen nicht gerechtfertigt werden.“

   

Gentechnikfreies Soja von der Donau

Berlin, 23.01.2013 – Importiertes Soja aus Südamerika könnte künftig teilweise durch gentechnikfreie Eiweißbohnen von der Donau ersetzt werden. Während der Grünen Woche in Berlin unterzeichneten die Schweiz, Österreich, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Serbien, Slowenien und Ungarn als Anrainer des Flusses eine gemeinsame Erklärung. Damit bekräftigten sie das Vorhaben, beim Anbau von Sojapflanzen bestimmte Rahmenbedingungen einzuhalten. Dazu gehören neben der Gentechnikfreiheit auch die Rückverfolgbarkeit der Erzeugnisse, regionaler Anbau und Nachhaltigkeit.

   

Mehr Gentechnikfreiheit in den USA

Berlin, 15.01.13 – In den USA gibt es immer mehr Bewegung in Richtung Gentechnikfreiheit. Nach dem knapp gescheiterten Volksentscheid zur Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Zutaten in Lebensmitteln in Kalifornien wagt der Bundesstaat Washington einen neuen Anlauf. Gleichzeitig erfreut sich ein „Non-GMO“-Label zunehmender Beliebtheit im Vorreiterland der Agro-Gentechnik.

   

Sonstiges

Derzeit erscheint dieser Newsletter nur etwa alle 6 Wochen. Wenn Sie auch in der Zeit dazwischen auf dem Laufenden bleiben wollen empfehlen wir Ihnen unser Online-Informationsangebot. Auf der Homepage finden Sie einen ständig aktualisierten Kalender mit Terminen rund um die Gentechnikfreie Lebensmittelproduktion. Auf Twitter und Facebook veröffentlichen wir nicht nur unsere eigenen Nachrichten, sondern verweisen auch auf spannende Neuigkeiten Anderer. Auf Twitter bieten wir die größte Nachrichtendichte, auf Facebook finden Sie auch viele Fotos rund um den VLOG und "Ohne Gentechnik" Produkte.

   

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Termine

"Erlaubt, aber nicht gewollt? - Gentechnik in Deutschland" am 14.2. auf der BioFach in St. Petersburg

Saatgut-Festival mit alten und robusten Obst- und Gemüsesamen am 23.2. in Iphofen

Konferenz: Wie "Ohne Gentechnik" das GVO-freie Futtermittelangebot steigert am 6.3. in Brüssel

Informationsveranstaltung zum "FeedFinder Non GMO", einem neu entstehenden Online Portal für GVO-freie Futtermittel voraussichtlich am 9-10.4. im Großraum München

ProTerra Foundation Conference am 14.5. in Rotterdam

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