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10.11.2011

Verzicht auf Gentechnik und Wertschätzung von Biodiversitätsleistungen - Chancen und Wettbewerbsvorteile für die Lebensmittelwirtschaft

Als Veranstalter haben der VLOG, der Teigwarenhersteller ALB-GOLD sowie der Global Nature Fund (GNF) Experten zusammengebracht, um gezielt mit Unternehmen, Politik sowie Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden die zentrale Frage „Wie integriert man gentechnikfreie und natur- bzw. biodiversitätsschonenende Prozesse und Produkte ins tägliche Geschäft" zu diskutieren.

Christoph Zimmer, Vorstand des VLOG, begrüßte die Teilnehmenden in den Tagungsräumen des ALB-GOLD Kundenzentrums in Trochtelfingen auf der Schwäbischen Alb. Am Beispiel des Anbaus der Urgetreidearten Emmer und Einkorn, aus denen ALB-GOLD Teigwaren herstellt und am Beispiel des Schwäbisch-Hällischen Schweins machte Zimmer die Verbindungen und die Bedeutung der beiden Themen Agro-Gentechnik und Artenvielfalt deutlich. Die Aufgabe der Zukunft sei es, den Schutzgedanken der Natur und die Produktion von Lebensmitteln in Verbindung zu bringen. Die Beiträge zur Konferenz spiegelten dabei die Einflussmöglichkeiten der unterschiedlichen Institutionen und Gruppen wider.

Oliver Freidler, Mitglied der Geschäftsführung von ALB-GOLD und Gastgeber der Konferenz, stellte den Teilnehmenden das Konzept des Kundenzentrums vor, dessen Ziel vor allem die Verbraucherinformation und Bildung für eine bewusste Ernährung sei, die weit über das Kernthema Nudeln hinausgeht. Die Grundhaltung, höchste Qualität bei den Rohstoffen, Naturverträglichkeit und Transparenz bei der Herstellung, werde im Hause ALB-GOLD gelebt, so Oliver Freidler. Er freute sich, die am Tag zuvor erhaltene Auszeichnung "Biomarke des Jahres" präsentieren zu können und führte diese Auszeichnung auf das Engagement der Landwirte und der ALB-GOLD-Mitarbeiter zurück.

Für Ministerialdirektor Wolfgang Reimer vom Ministerium für Ländlichen Raum Baden-Württemberg gehört die natürliche Artenvielfalt zu den "drei zentralen Weltfragen". Die Biodiversitätsleistung werde vollkommen unterschätzt, so der grüne Amtschef im Stuttgarter Landwirtschaftsministerium in seinem Grußwort an die Konferenzteilnehmer. Reimer sieht in der Kennzeichnung "Ohne Gentechnik" Chancen für die heimischen Lebensmittelhersteller.

Thomas Graner, stellvertretender Leiter des Bundesamtes für Naturschutz, hielt die Keynote der Konferenz. Als Beispiel für eindrucksvolle Kennziffern nannte Graner den Marktwert, den Bienen durch ihre Bestäuberleistungen für landwirtschaftliche Produkte liefern. Alleine in Deutschland wird dieser Wert auf ca. 2,5 Mrd. Euro beziffert. Andererseits belegen durch das Bundesamt beauftragte Studien, dass die industrialisierte Landwirtschaft zu den Hauptverursachern des Verlustes von Biodiversität in Europa gehört. Während auf einem biologisch bewirtschafteten Feld rund 1.000 verschiedene Arten vorkommen, finden sich auf konventionellen, mit Pestiziden behandelten Flächen durchschnittlich nur noch etwa 500 Arten.

Thomas Graner "Unsere Lebensversicherung, unser Naturkapital"

Podiumsgespräch: Anschließend lud Moderator Harald Seitz Wolfgang Reimer, Thomas Graner und die Unternehmensvertreter Dr. Ulrich Mautner, Leiter Wissenschaftliches Marketing SALUS Haus, sowie Dr. Gernot Peppler, Geschäftsführer von Rack & Rüther Wurstwaren, zu einem Podiumsgespräch ein. Die Kernfrage lautete "Welche Lebensmittel wollen wir in Zukunft erzeugen?".

Dr. Mautner, dessen Unternehmen SALUS Tees, Tonika und andere Naturarzneimittel herstellt, appellierte an die "lebenspraktische Intelligenz" der Konsumenten, sich positiv für naturverträgliche Produkte zu entscheiden, anstatt sich permanent mit Richtlinien, Vorschriften und wissenschaftlichen Fragen zu beschäftigen. Mautner sieht die Marktchancen für sein Unternehmen, das sich auf vielen Ebenen für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzt, sehr positiv. Er stellt aber an verschiedenen Stellen bei Entscheidern ein "gestörtes Wertigkeitsprinzip" zu Lasten der Natur fest.

Dr. Gernot Peppler kennt als Geschäftsführer des hessischen Wurstherstellers Rack & Rüther sowohl die Bio-Branche als auch die konventionelle Fleischbranche: So sei es im konventionellen Bereich schwierig und aufwendig, Fleisch und Wurstwaren konsequent "Ohne Gentechnik" in der Produktionskette zu erzeugen. Im Biobereich seien die Prozesse und Kontrollverfahren dagegen klar geregelt. Für den hessischen Unternehmer ist die Freiheit ein hohes Gut. Peppler sieht die Machkonzentration bei Agro-Business-Konzernen wie Monsanto, die sowohl für gentechnisch verändertes Saatgut der Futtermittel als auch für Prozesse der Fleischherstellung Patente anmelden, als große Bedrohung für die Branche. Er appelliert an die staatlichen Stellen und an die Verbraucher, sich gegen solche Abhängigkeiten zu wehren.

MD Wolfgang Reimer will sich auf politischer Ebene zusammen mit seinen bayrischen Kollegen dafür einsetzen, dass die Nachfrage von gentechnikfreien Futtermitteln erhöht wird, auch um die Mehrkosten für deren Beschaffung in Grenzen zu halten. Reimer setzt darauf, dass andere Unternehmen dem guten Beispiel von ALB-GOLD oder der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall folgen und auf die Stärkung der regionalen Wertschöpfung setzen.

Für Thomas Graner vom BfN reicht es nicht aus, den Schutz der Artenvielfalt alleine auf die Schutzgebiete zu begrenzen. Auch mit Blick auf den zunehmenden Anbau von Energiepflanzen sieht Graner die Kulturlandschaft völlig übernutzt. "Wir wünschen uns, dass die Lebensmittelindustrie bei der nachhaltigen Nutzung der Natur noch stärker mitzieht und mit zum Erhalt der biologischen Vielfalt beiträgt", so der Bonner Naturschützer.

Blick in die Arbeitsforen

Forum 1: Lebensmittel "Ohne Gentechnik"

Forum 2/3: Biodiversitätsabdruck und Biodiversitäts-Check für Unternehmen

Forum 4: Nachhaltigkeitsthemen in der Unternehmenskommunikation