Gentechnik im Saatgut: Bauern müssen Rapsfelder unterpflügen

11.02.2019 - Landwirte in Frankreich und Deutschland müssen 11.000 Hektar Winterraps unterpflügen, weil das Saatgut gentechnisch verunreinigt war. Das teilte die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Bayer France mit, die französische Niederlassung des Konzerns.

Diese hatte Rapssaatgut der Monsanto-Marke Dekalb importiert, das in Argentinien produziert worden war. Französische Behörden wiesen im September 2018 in drei Chargen des Saatguts eine Verunreinigung mit gentechnisch verändertem Raps nach. Laut Bayer habe diese weniger als 0,005 Prozent betragen. Dennoch gilt auch für solche Spuren die Nulltoleranzregel der EU: Ein derart verunreinigtes Saatgut darf nicht ausgesät werden.

Allerdings verging vom ersten Nachweis an wertvolle Zeit. Frankreich machte nach Angaben des Portals InfOGM den Nachweis am 25. Oktober 2018 öffentlich und informierte die EU-Kommission, da einige Chargen des Saatguts in andere EU-Länder verkauft worden waren. Diese reichte die Mitteilung dann am 12. November an die Mitgliedsstaaten weiter. In Deutschland informierte das zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) kurz vor Weihnachten die Öffentlichkeit: „Alle nach Deutschland gelieferten Partien wurden mittlerweile identifiziert und einer amtlichen Kontrolle unterzogen“, schrieb das BVL. In einer der gelieferten Saatgutpartien seien Anteile von etwa 0,1 Prozent der GVO-Rapslinie GT73 festgestellt worden. Man ermittele zusammen mit dem Saatguthersteller und den Länderbehörden „alle Empfänger des bereits ausgelieferten und betroffenen Saatguts“ sowie die Flächen, auf denen es bereits ausgesät worden sei. „Nach derzeitiger Erkenntnis wurde das Saatgut auf Flächen in zehn Bundesländern ausgesät“, schrieb damals das nordrhein-westfälische Umweltministerium.

Bayer France teilte nun mit, dass in Deutschland 2.500 bis 3.000 Hektar und in Frankreich 8.000 Hektar betroffen seien. Der Konzern biete den Landwirten eine Entschädigung von 2.000 Euro je Hektar an. Die Raps-Saatgutproduktion in Argentinien werde man einstellen. Der französische TV-Sender LCI berichtete, dass laut Bayer die Landwirte auf den betroffenene Parzellen zwei Jahre lang keinen Raps anbauen dürften. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) warnte, dass Rapssaatgut 20 Jahre lang keimfähig im Boden überdauern könne. Solange bestünde auch ein Risiko, dass vereinzelt gentechnisch veränderter Raps keimen könne.

 Solche Unterpflüg-Aktionen hat es in Deutschland seit Jahren nicht mehr gegeben. Aus früheren Vorkommnissen haben die Behörden dazugelernt und führen ihre Tests inzwischen durch, bevor das Saatgut in den Verkauf kommt. Das vermeide viel Ärger und Kosten für alle Beteiligten, sagt VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting: „Messungen im September wie in Frankreich sind zu spät für Saatgut, das bereits im August in die Erde soll.“ Der anschließende Ablauf werfe die Frage auf, wie schnell und effektiv die europäische Alarmkette in solchen Fällen funktioniere.

 

Reuters: French, German farmers destroy crops after GMOs found in Bayer seeds (06.02.2019)

LCI: Des OGM Bayer vendus par erreur à des paysans français : ce qu’il s’est passé (08.02.2019)

InfOGM: OGM en France: 8 000 hectares de colza détruits (06.02.2019)

BVL: Saatgut aus Frankreich mit Spurenanteilen des gentechnisch veränderten GT73 Rapses gelangte nach Deutschland (21.12.2018)