Frankreich: Gentechnikfreie Milch steckt noch in den Kinderschuhen

17.01.2019 - Frankreich ist nach Deutschland der zweitgrößte Milcherzeuger in der EU. Auch dort erlauben die Rechtsvorschriften eine freiwillige Kennzeichnung der Produkte von Tieren, die ohne gentechnisch veränderte Organismen gefüttert wurden. Noch ist dieser Markt wenig entwickelt, wie eine Analyse des Portals infOGM.org zeigt. Doch die steigende Nachfrage nach gentechnikfreien Molkereiprodukten in Deutschland und anderen EU-Staaten treibt auch dort die Entwicklung voran.

InfOGM berichtet, dass sich im Herbst 2018 die wichtigsten Akteure des französischen Milchsektors zu einem Runden Tisch getroffen haben, um Konzepte für gentechnikfreie Molkereiprodukte zu entwickeln. Als größtes Hindernis wurde dabei die geringe globale Verfügbarkeit von gentechnikfreiem pflanzlichem Eiweiß aus Soja und Raps bezeichnet. Auch die für eine Gentechnikfrei-Zertifizierung erforderlichen anspruchsvollen Rückverfolgbarkeits- und Futtermittelanalyseverfahren seien eine Herausforderung für die wenigen lokalen Molkereien, die sich bisher in diesem Bereich engagieren. Im nationalen Milch-Markt spiele die Gentechnikfrei-Auslobung bisher nur eine geringe Rolle. Von den französischen Verbrauchern würden andere Qualitäten wie Weidehaltung, Tierschutz oder eine faire Vergütung für den Erzeuger bevorzugt. Zudem würden andere Qualitätszeichen wie das Bio-Label und einige geographische Herkunftszeichen eine gentechnikreie Erzeugung garantieren. InfOGM stellt die Entwicklung in Deutschland und Österreich als beispielhaft dar. Anders als in diesen beiden Ländern fehlt in Frankreich bislang eine koordinierende Stelle, die Unternehmen berät und sich um einen einheitlichen Kontrollstandard bemüht.

Die Analyse von infOGM erwähnt auch, dass im vergangenen Jahr zwei Gesetzesvorschläge scheiterten, die eine Gentechnik-Kennzeichnung tierischer Produkte verlangten, wenn die Tiere mit GVO gefüttert worden seien. Dies zeige, wie wenig die Politik an gentechnikfreien Futtermitteln interessiert sei. InfOGM geht davon aus, dass sich auf nationaler Ebene bei den Produktionsmengen und den Verbrauchergewohnheiten wenig ändern werde, solange nicht große Verarbeiter wie Danone oder Lactalis mit ehrlichem Engagement in den Markt einsteigen.

Eingestiegen ist laut Medienberichten die Bel-Gruppe, die mit ihren Käsespezialitäten auch auf dem deutschen Markt vertreten ist. Sie hatte bereits Ende 2017 mit 800 Milchbetrieben, die rund 400 Millionen Liter im Jahr liefern, eine Vereinbarung abgeschlossen. Die Lieferanten verpflichten sich zu Weidehaltung und zertifizierter gentechnikfreier Fütterung. Sie erhalten dafür einen Aufschlag von 2,1 Cent je Liter, zusätzlich zu einem für den französischen Markt guten konventionellen Milchpreis von 35 Cent. Bel hat den Vertrag nun für 2019 verlängert. Gleichzeitg stieg die Supermarktkette Intermarché in diese Vereinbarung ein. Sie will künftig höhere Preise für die Bel-Produkte zahlen.

 

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