Neue Gentechnik: Jedes Risiko muss auch bewertet werden

08.05.2019 - Pflanzen, die mit Hilfe der Neuen Gentechnik hergestellt werden, müssen nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes nach Gentechnikrecht zugelassen werden. Dabei muss auch das vom jeweiligen Produkt ausgehende Risiko bewertet werden. Mitarbeiter des deutschen Bundesamtes für Naturschutz (BfN) und des österreichischen Umweltbundesamtes haben dafür einen Rahmen vorgeschlagen, innerhalb dessen jedes Produkt fall-spezifisch bewertet werden sollte. Deutlich sprechen sie sich gegen Überlegungen aus, Produkte der Neuen Gentechnik vom Gentechnikrecht auszunehmen. Andere EU-Vorschriften wie die Novel Food Verordnung würden keinen hinreichenden Rahmen für eine angemessene Risikobewertung bieten.

In ihrer Arbeit beschreiben die Wissenschaftler die Vielzahl an Verfahren, die unter den Begriff „Neue Gentechnik“ fallen sowie deren schnelle Entwicklung. Betrachtet werden auch die unterschiedlichen Anwendungsgebiete: Herbizidresistenzen, Resistenzen gegen Krankheiten, Toleranz gegen äußere Bedingungen wie Dürre sowie eine geänderte Zusammensetzung von Inhaltsstoffen. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass jede Änderung des Erbgutes mit unbeabsichtigen Nebeneffekten verbunden ist. Dies gelte auch für Verfahren des Genome Editing, die gezielter in das Erbgut eingreifen als andere Methoden.

Die Wissenschaftler schlagen vor, einen generellen Rahmen für die Risikobewertung von Produkten der Neuen Gentechnik zu entwickeln und einzuführen. Bei der fall-spezifischen Bewertung sollten Art und Tiefe des Eingriffs berücksichtigt werden, aber auch vorhandene Erfahrungen mit vergleichbaren Produkten. Bei jeder Risikobewertung ist nach Ansicht der Autoren eine gezielte Suche nach unbeabsichtigten Änderungen notwendig. Sie müsse auch ausschließen, dass das Produkt transgene, also artfremde, Erbgutbruchstücke enthalte. Dazu müsse der bestehende Leitfaden der EFSA für die Risikobewertung gentechnisch veränderter Organismen entsprechend überarbeitet werden.

 

Eckerstorfer M. et al.: An EU Perspective on Biosafety Considerations for Plants Developed by Genome Editing and Other New Genetic Modification Techniques (nGMs)