Ist für Bio-zertifiziertes Futtermittel eine Zertifizierung nach VLOG-Standard erforderlich, damit das Futtermittel in der Produktion von "Ohne Gentechnik"-Lebensmitteln eingesetzt werden kann? (aktualisiert am 02.11.2018)

Bio-zertifizierte Futtermittel gelten im Sinne des VLOG-Standard als gleichwertig zu "VLOG geprüft"-Futtermitteln und sind damit für die Herstellung von "VLOG"/"Ohne GenTechnik" Lebensmitteln geeignet. Soll das Futtermittel mit dem "VLOG geprüft"-Siegel versehen werden, ist neben der Bio-Zertifizierung keine zusätzliche VLOG-Zertifizierung nötig. Der Betrieb muss jedoch beim VLOG einen Lizenzantrag zur Nutzung des "VLOG geprüft"-Siegels stellen.

Ist für verarbeitete tierische Lebensmittel (z.B. gewürzter Schinken) eine Bio-Zertifizierung als gleichwertig zur VLOG-Zertifizierung anzuerkennen?

Ob eine Bio-Zertifizierung als gleichwertig zur VLOG-Zertifizierung anerkannt werden kann, hängt von den weiteren Zutaten ab, die verwendet werden. Bei der Herstellung von gewürzten Schinken werden z.B. Zutaten eingesetzt, bei denen die Anforderungen aus dem EGGenTDurchfG über die Anforderungen der Öko-Verordnung 834/2007 hinausgehen (z.B. Dextrose, Gewürze). Eine Bio-Zertifizierung ist in diesem Fall nicht ausreichend. Im folgenden Dokument wird erläutert, in welchen Fällen eine VLOG-Zertifizierung erforderlich ist.

Können Bio-Lebensmittel pauschal mit dem "Ohne GenTechnik" Siegel gekennzeichnet werden?

In der Bio-Landwirtschaft sind gentechnisch veränderte Pflanzen tabu. Dennoch können Bio-Produkte nicht pauschal "Ohne Gentechnik" gekennzeichnet werden. Zwei Themen gilt es zu berücksichtigen. Das Werben mit Selbstverständlichkeiten und die Schwellenwerte bei Lebensmittelzutaten.

Schwellenwerte bei Lebensmittelzutaten: Laut Gesetz gilt für Zutaten im Bio-Bereich der gleiche Schwellenwert für Verunreinigungen mit gentechnisch veränderten Komponenten wie bei konventionellen Lebensmitteln: 0,9% je Zutat wenn die Verunreinigung zufällig zustande gekommen ist oder technisch nicht zu vermeiden war. Bei "Ohne Gentechnik" Produkten hingegen erwartet der Gesetzgeber eine Reinheit bis zur Nachweisgrenze von meist 0,1%. Das heißt Bio-Produzenten müssen für Ihre Lebensmittelzutaten zusätzliche Bescheinigungen vorlegen.

Werben mit Selbstverständlichkeiten: Nachdem die Bio- und "Ohne Gentechnik" Anforderungen für Lebensmittelzutaten unterschiedlich sind, kann eine korrekt eingesetzte "Ohne Gentechnik" Kennzeichnung bei Bio-Lebensmittel pflanzlicher Herkunft oder pflanzlichen Zutaten auch keine Selbstverständlichkeit sein.

Anders könnte es bei tierischen Produkten wie Milch, Eier und Fleisch sein, die nicht mit Zutaten pflanzlicher Herkunft versehen wurden. Die Anforderungen an Futtermittel zur Produktion von "Ohne Gentechnik" Lebensmitteln gehen nämlich nicht über die Anforderungen im Bio-Bereich hinaus. Aber auch hier kann es nach Einschätzung des VLOG sinnvoll und rechtens sein Bio-Lebensmittel mit dem "Ohne GenTechnik" Siegel zu kennzeichnen. Hierzu sollten jedoch Sicherungskonzepte zur Wahrung der Gentechnikfreiheit implementiert werden, die über die Anforderungen in der Bio-Lebensmittelproduktion hinaus gehen. Zudem kann auch damit argumentiert werden, dass vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht bewusst ist, dass Bio-Lebensmittel ohne Gentechnik hergestellt werden. Insofern hat die "Ohne Gentechnik" Kennzeichnung durchaus einen Informationsgehalt und vermittelt aus Sicht der Verbraucherinnen und Verbraucher keine Selbstverständlichkeit.

Für eine tiefergehende Rechtsberatung empfehlen wir Ihnen sich mit einer Rechtsanwaltskanzlei kurz zu schließen. In der Rubrik "Links" finden sie Kontaktdaten von Kanzleien, die sich intensiv mit der "Ohne Gentechnik" Kennzeichnung auseinander gesetzt haben.