Allgemein

Welche Zertifizierungen werden als gleichwertig zur Zertifizierung gemäß des "Ohne Gentechnik" Produktions- und Prüfstandards bewertet?

Ein Dokument mit allen als gleichwertig anerkannten Standards finden Sie hier.

Welche Zertifizierungsstelle kann für die VLOG-Zertifizierung beauftragt werden?

Mit der Zeritfizierung nach VLOG-Standard dürfen nur vom VLOG zugelassene Zertifizierungsstelle beauftragt werden. Hier finden Sie eine Übersicht aller vom VLOG zugelassenen Zertifizierungsstellen.

Wie verhält es sich, wenn ein Werk bereits erfolgreich zertifiziert ist, das Zertifikat aber noch nicht vorliegt? Gilt das Zertifikat bereits als vorläufig erteilt, bis das offizielle Dokument ausgestellt wurde und dem Werk übermittelt wurde?

Die Produktion von "Ohne Gentechnik"-Produkten bzw. "VLOG-geprüften"-Produkten kann bereits freigegeben werden, wenn dem VLOG vom Zertifizierer eine schriftliche Bestätigung vorliegt, aus der hervorgeht, dass aufgrund des Auditergebnisses eine Zertifizierung erfolgen kann, aber aus anderen Gründen noch nicht durchgeführt wurde.

Kann ein Unternehmen mit tierischen Rohstoffen (z.B. Molkerei) zertifiziert werden, wenn noch nicht alle Lieferanten umgestellt sind und eine Trennung der Lieferanten nicht möglich ist?

Nein, unter diesen Umständen ist keine Zertifizierung des Unternehmens (z.B. der Molkerei) möglich. Für alle in „Ohne Gentechnik“-Produkte eingesetzten Rohstoffe müssen die Anforderungen des EGGenTDurchfG eingehalten werden. Im Fall des Rohstoff Milch muss demnach gewährleistet sein, dass die im Gesetz geforderte Mindestfütterungsfrist von den landwirtschaftlichen Betrieben eingehalten wird.

Welche Unternehmen sind gemäß des "Ohne Gentechnik" Produktions- und Prüfstandard zertifizierungspflichtig?

Der "Ohne Gentechnik" Produktions- und Prüfstandard wird neben den allgemeinen Anforderungen in die Anforderungen der Stufen Logistik, Futtermittel, Matrixorganisation, Landwirtschaft, Gruppenorganisation Landwirtschaft, Lebensmittelherstellung und Einzelhandel lose Ware unterteilt. Im ersten Kapitel einer jeden Stufe (z.B. B1, C1, E1) wird definiert, welche Tätigkeiten zertifizierungspflichtig sind und welche nicht.

Wie soll verfahren werden, wenn im zu zertifizierenden Unternehmen kein Standardnutzungsvertrag vorliegt?

Generell muss im Audit überprüft werden, ob der Standardnutzungsvertrag mit dem VLOG vorliegt. Sollte dies nicht der Fall sein, muss der Vertrag nachträglich abgeschlossen werden und der Zertifizierungsstelle nachgereicht werden. Erst dann darf das VLOG-Zertifikat ausgestellt werden.

Kann eine Zertifizierung nur produktspezifisch erfolgen oder können auch Produktgruppen zertifiziert werden? (aktualisiert am 01.11.2019)

Es können sowohl Produktgruppen als auch einzelne Produkte (z.B. Herstellung auf ausgewählten Produktionslinien) zertifiziert werden. Die im VLOG-Standard definierten Geltungsbereich sind dabei zu beachten und auf dem Zertifikat aufzuführen. Diese Geltungsbereiche können auf dem Zertifikat oder dessen Anhang aber noch genauer durch einzelne Produkte oder Produktgruppen definiert werden.

Muss ein Unternehmen zur Ausstellung eines VLOG-Zertifikats Mitglied oder Siegelnutzer sein?

Nein. Eine Mitgliedschaft ist nötig um ein Stimmrecht im Verband zu haben, eine Lizenz ist Voraussetzung für die Siegelnutzung. Um sich nach dem "Ohne Gentechnik" Produktions- und Prüfstandard zertifizieren zu lassen ist derzeit jedoch beides keine Pflicht.

Wie oft darf ein Auditor den gleichen Betrieb auditieren?

Ein Auditor darf maximal dreimal hintereinander ein Regeldaudit auf demselben Betrieb durchführen.

Einstufung Risikoklasse

Ein Landwirt betreibt einen Milchviehstall, in dem keine Gefahr besteht, dass die Kühe mit GVO Futter in Berührung kommen. Während der Trockenstehphase lagert der Betrieb seine Kühe jedoch gelegentlich in einem anderen, nicht VLOG--zertifizierten Betrieb aus.
Welche Risikoeinstufung muss in diesem Fall vorgenommen werden?

Die Fütterung der Trockensteher ist für die „Ohne Gentechnik“-Produktion relevant, daher ist der „Auslagerungsstall“ in den Auditprozess mit einzubeziehen.
Der VLOG sieht eine Auditierung im Rahmen des Erstaudits und eine Meldepflicht der Umstallung von Tieren als Minimum an. Der „Auslagerungsstall“ bzw. dessen Fütterung ist dann im Audit zu prüfen, falls im Prüfzeitraum die Nutzung erfolgte. Die Meldungen des Landwirts sind über die Meldung in den HIT-Listen nachzuvollziehen, einen stichprobenartiger Abgleich von „zeitlich“ passenden Kühen im Bestandsregister und deren Aufenthaltsort sieht der VLOG als zweckmäßig an.
Die Risikoeinstufung ist dann entsprechend den vorgefundenen Kriterien in beiden Betrieben zu wählen.

Auf einem landwirtschaftlichen Betrieb existiert im GVO-freien Teil des Betriebes ein separates Silo mit einer eindeutigen Kennzeichnung (Nummer, Buchstabe etc.). Das Futter wird über ein Rohrsystem direkt aus dem Silo in den Stall transportiert. Kann in diesem Fall die Einstufung in die Risikoklasse 0 erfolgen?

Die Einstufung in Risikoklasse 0 kann nur erfolgen, wenn es bei dem Futter um nicht austauschbare kennzeichnungspflichtige Futtermittel handelt.

Welche Risikoeinstufung muss vorgenommen werden, wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb Futtermittel aus eigenem Anbau einsetzt, deren Spezies als potenziell risikobehaftet gelten (z.B. Raps oder Mais)?

Wenn der Anbau gentechnisch veränderter Sorten der entsprechenden Spezies im Land verboten ist und im Audit die Saatgutdeklaration nachgewiesen wird, können diese Futtermittel als nicht risikobehaftet eingestuft werden. Sind auch keine anderen risikobehafteten Futtermittel im Betrieb vorhanden, ist die Einstufung in Risikoklasse 0 möglich.

Korrekturmaßnahmen, Sanktionen

Gibt es Fristen, hinsichtlich der Umsetzung von Korrekturmaßnahmen? (aktualisiert am 01.11.2019)

Korrekturmaßnahmen und Umsetzungsfristen müssen innerhalb von 4 Wochen nach dem Audit vom auditierten Unternehmen vorgelegt und von der zuständigen Zertifizierungsstelle genehmigt werden. Die Fristen für die Umsetzung der Korrekturmaßnahmen werden zwischen Zertifizierungsstelle und Unternehmen abgestimmt und gehen maximal bis zum nächsten Audit.
Bei sicherheitsrelevanten Korrekturen, erfolgt die Zertifikatsausstellung erst nach Umsetzung der Korrekturmaßnahmen.

Was geschieht mit tierischen Lebensmitteln mit "Ohne Gentechnik" Kennzeichnung, wenn nachträglich festgestellt wird, dass das Futtermittel als gentechnisch verändert hätte gekennzeichnet sein müssen? (aktualisiert am 01.11.2019)

Hersteller und Händler müssen keine Sorge vor rechtlich bedingten Rückrufaktionen haben. Der Gesetzgeber hat Vorkehrungen getroffen, damit das Haftungsrisiko deutlich reduziert wird. Auch wenn sich bei Futtermittelanalysen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb herausstellt, dass entgegen der Deklaration auf dem Lieferschein oder Begleitpapier ein Tierfutter als gentechnisch verändert hätte gekennzeichnet sein müssen, ist es rechtlich nicht notwendig die bereits produzierten Waren zurückzurufen. Das EG-Gentechnik-Durchführungsgesetz (EGGenTDurchfG) bildet die rechtliche Grundlage für die "Ohne Gentechnik" Kennzeichnung. Im §3a, Absatz 4 heißt es dort:

"Im Falle eines Lebensmittels oder einer Lebensmittelzutat tierischer Herkunft darf dem Tier, von dem das Lebensmittel gewonnen worden ist, kein Futtermittel verabreicht worden sein, das nach Artikel 24 und 25 der Verordnung (EG) Nr. 1829/2003 oder Artikel 4 oder 5 der Verordnung (EG) Nr. 1830/2003 gekennzeichnet ist..."

Ganz bewusst bezieht sich die Formulierung auf den Ist-Zustand der Futtermitteldeklaration zum Zeitpunkt der Tierfütterung und nicht darauf, wie das Futtermittel hätte gekennzeichnet sein müssen. Selbst wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass ein Futtermittel hätte deklariert werden müssen, wurden die Milch, Eier und Fleisch EGGenTDurchfG konform produziert und dürfen mit einer "Ohne Gentechnik" Kennzeichnung vermarktet werden.
Selbstverständlich darf das noch vorhandene und falsch deklarierte Futtermittel nicht weiter für die "Ohne Gentechnik" Produktion eingesetzt werden. Je nach Menge des verfütterten kennzeichnungspflichtigen Futtermittels und dessen GVO-Gehalts, ist ggfs. ein Neubeginn der Mindestfütterungsfrist notwendig. Beachten Sie hierzu den VLOG-Leitfaden zum Umgang mit falsch-gekennzeichneten GVO-Futtermitteln.

Was geschieht bei Verstößen gegen die Voraussetzungen zur „Ohne-Gentechnik“-Siegelnutzung?

Das ist eine Ermessensentscheidung des VLOG. In schweren Fällen kann der Verband jedoch die Nutzungserlaubnis für das Siegel widerrufen. Dies ist in der Nutzungsvereinbarung geregelt, die zwischen dem VLOG und den Siegelnutzern getroffen wird.

Was geschieht bei Verstößen gegen die rechtlichen Voraussetzungen?

Hier greifen die Vorschriften des EGGenTDurchfG, die ausschließlich von den zuständigen Landesbehörden angewandt werden. Erfährt der VLOG von solchen Verstößen, hat er das Recht entsprechend der individuell getroffenen Nutzungsvereinbarung Konsequenzen ziehen, die bis zum Entzug der Nutzungserlaubnis gehen.

Zertifizierung im Ausland

innerhalb der EU

Können Unternehmen innerhalb der Europäischen Union (außerhalb Deutschlands) grundsätzlich gemäß VLOG-Standard zertifiziert werden? Welche Besonderheiten sind zu berücksichtigen?

Grundsätzlich können Unternehmen in der EU ganz standardmäßig nach VLOG-Standard auditiert und zertifiziert werden, da die Kennzeichnungsverlässlichkeit der Futtermittelkennzeichnung über die EU-Verordnungen (EG) Nr. 1829/2003 und 1830/2003 gegeben ist. Allerdings ist bei Tätigkeiten im Ausland zu beachten, dass dem VLOG dennoch die Auditunterlagen in Deutsch bzw. Englisch übermittelt werden.
Mit den Zertifizierungsstellen wurde vereinbart, dass die Unterlagen für landwirtschaftliche Betriebe in der Landessprache vorliegen können, aber bei Anfrage des VLOG die Unterlagen innerhalb von 5 Werktagen durch die Zertifizierungsstelle übersetzt und dem VLOG zur Verfügung gestellt werden.

Werden die gesetzlichen Vorgaben von in Österreich (Codex-Richtlinie) und in Deutschland (EGGenTDurchfG) geltenden Vorgaben als gleichwertig anerkannt?

Der VLOG erkennt die Zertifizierungsarbeit in Österreich zum Thema Gentechnikfreiheit als gleichwertig zum VLOG-Standard an. Hierzu haben wir eine Vereinbarung mit der ARGE gentechnik-frei getroffen. Allerdings sind uns die Hände gebunden, wenn der deutsche Gesetzgeber in den Anforderungen für eine "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung über die Anforderungen des Codex hinausgeht. Dies ist z.B. im Bereich der tolerierten Verschleppung von gentechnisch veränderten Organismen in Lebensmittelzutaten der Fall. Dieser Aspekt dürfte für die aktuellen Anfragen bei Ihnen von besonderer Bedeutung sein. Der Codex orientiert sich an der VO (EG) Nr. 1829/2003 und 1830/2003. Zufällige oder technisch unvermeidbare Verschleppungen bis 0,9% je Zutat werden toleriert. In Deutschland werden nach dem EG-Gentechnik-Durchführungsgesetz (EGGenTDurchfG) nur Verschleppungen bis zur Bestimmungsgrenze von 0,1% je Zutat toleriert.
Im Bereich Futtermittel besteht zwischen Österreich und Deutschland eine gegenseitige Anerkennung der Zertifizierungsverfahren.

außerhalb der EU

Können Unternehmen außerhalb der Europäischen Union bzw. in Drittländern gemäß VLOG-Standard zertifiziert werden?

Zertifizierungen von Unternehmen in Ländern außerhalb der Europäischen Union sind nur nach Rücksprache mit dem VLOG erlaubt. Grund ist u.a. die unterschiedliche Gesetzeslage. Innerhalb der EU gelten die Verordnungen (EG) Nr. 1829/2003 und 1830/2003 zur Kennzeichnung von GVO-Futtermitteln und Lebensmitteln. Gibt es z.B. außerhalb der EU keine solche gesetzliche Regelung, müssten die Anforderungen an den Prozess der Futtermittelbeschaffung überarbeitet werden, da ein Landwirt anhand eines Lieferscheins nicht erkennen kann, ob es sich um GVO-haltiges oder GVO-freies Futtermittel handelt.

Zertifizierungsprozess

Ist die Durchführung eines Rückverfolgbarkeitstests während eines Zertifizierungsaudits gefordert?

Nein, ein solcher Test ist nicht vorgeschrieben, bietet aber eine gute Möglichkeit, die Anforderung zur Warenrückverfolgung im Betrieb zu prüfen. Wenn ein Rückverfolgbarkeitstest oder eine komplette Mengenbilanzierung zu aufwendig sind, kann nach Entscheidung des Auditors auch eine stichprobenartige Prüfung erfolgen.