VLOG-Newsletter .:. Ausgabe 02/20 März

Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt ein Märchen, dessen Kurzfassung liest sich so: Die neue Gentechnik ist präzise und sicher, das ist wissenschaftlich belegt, und wer dennoch auf einer strengen Regulierung beharrt, der lässt sich von Ängsten leiten, reagiert unwissenschaftlich und behindert den Fortschritt. So wie beispielsweise die US-Lebensmittelbehörde FDA.

Sie will Tiere, deren Erbgut mit neuer Gentechnik verändert wurde, sowie deren Produkte einer strengen Risikoabschätzung unterziehen, bevor sie auf den Markt kommen. Ihre Forderung begründet sie mit dem Vorsorgeprinzip. „Wir wollen sicherstellen, dass die bei Tieren vorgenommenen gentechnischen Veränderungen für das Tier sicher sind, für Menschen sicher sind, die tierische Lebensmittel essen, und dass die Veränderung das bewirkt, was sie bewirken soll“, schrieb die FDA.

Nun ist diese US-Behörde nicht gerade als gentechnikritisch bekannt. Doch sie konnte eine Studie ihrer eigenen Experten nicht einfach vom Tisch wischen. Diese hatten im Erbgut von Bullen, die mit Hilfe der Gen-Schere TALEN künftig Hornlosigkeit vererben sollten, Genmaterial von gentechnisch veränderten Bakterien gefunden. Die Bakterien wurden im Prozess der Genveränderung bei den Rindern als Hilfsmittel eingesetzt und sollten eigentlich keine Spuren hinterlassen. Die FDA-Experten gehen davon aus, dass derartige unerwünschte Veränderungen im Erbgut häufiger passieren und bisher übersehen wurden.

Übersehen wurde auch, dass manche Eingriffe in die DNA nicht wie geplant funktionieren. Heidelberger Wissenschaftler stellten fest, dass Gene, die durch Gen-Scheren stillgelegt worden waren, fleißig weiter Proteine produzierten. Zudem zeigten sich unbeabsichtigte Veränderungen bei vielen dieser Eiweiße. Veränderungen, die womöglich zur Produktion neuartiger Toxine oder Allergene führen könnten.

Was ist wohl im Erbgut einer Rapssorte passiert, die mit Hilfe der neuen Gentechnik herbizidresistent gemacht wurde? Diesen Raps wollte die Firma Cibus ohne jede Risikoabschätzung auf den europäischen Markt bringen. Ein Politologe hat nachgezeichnet, wie sie das mit Hilfe gentechnikfreundlicher nationaler Zulassungsbehörden beinahe geschafft hätte. Zum Glück hat der europäische Gerichtshof mit seiner Entscheidung im Sommer 2018 solchen Versuchen erst einmal einen Riegel vorgeschoben.

Diesen Riegel wollen Wissenschaftsorganisationen wie die Nationale Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft gerne wieder entfernen. Der VLOG hat deren Vorschläge in einer Stellungnahme zurückgewiesen und dabei auch die vermeintliche Sicherheit der neuen Gentechnik thematisiert. Sorge bereitet auch, dass viele Politiker die interessengeleiteten Positionen der Gentechnikforscher kaum hinterfragen.

Die neue EU-Gesundheitskommissarin hatte am 10. Februar Verbände nach Brüssel eingeladen, um mit ihr über eine Untersuchung zu neuen gentechnischen Verfahren und deren Regulierung zu reden, die sie bis April 2021 vorlegen soll. Eingeladen waren vor allem Vertreter der industriellen Land- und Lebensmittelwirtschaft, während Umwelt- und Verbraucherinteressen kaum vertreten waren. Die gentechnikfreie Land- und Lebensmittelwirtschaft, die auch auf EU-Ebene sehr aktiv ist, hatte die Kommissarin überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt.

Der VLOG und die östereichische ARGE Gentechnik-frei haben sich daraufhin selbst eingeladen und bei der Anhörung die Interessen ihrer Mitglieder deutlich gemacht. Wir haben der Kommissarin auch die wirtschaftlichen Chancen verdeutlicht, die in einer gentechnikfreien Land- und Lebensmittelwirtschaft liegen. Und wir haben dafür geworben, die Wahlfreiheit für Verbraucher und Wirtschaft aufrecht zu halten. Nicht umsonst stellt Arla, das größte europäische Molkereiunternehmen, nun auch in seiner dänischen Heimat komplett auf Milch ohne Gentechnik um. Die Menschen in der EU wollen Lebensmittel ohne alte und neue Gentechnik und die EU-Kommission hat die Aufgabe, das zu berücksichtigen. Die Wissenschaft hätte sie dabei auf ihrer Seite.

Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre

Ihr VLOG-Team

       
   

Verband

 
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VLOG Stellungnahme zur Position von Wissenschaftsverbänden zur neuen Gentechnik

Der Stellungnahme der Leopoldina, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften zur neuen Gentechnik entgegnet der VLOG mit einer eigenen Stellungnahme. mehr...

 
       
 

Übersichtliche Darstellung der Prüfkriterien

Eine hohe Glaubwürdigkeit des "Ohne GenTechnik"-Siegels ist die Basis für dessen Erfolg. Strenge Kontrollen und Transparenz über die genauen Prüfkriterien sind dabei von entscheidender Bedeutung. Um die Nutzer des "Ohne GenTechnik"-Siegels in Ihrer Verbraucherkommunikation zu unterstützen, hat der VLOG bereits 2017 die Prüfkriterien zur Vergabe des "Ohne GenTechnik"-Siegels pro Produktgruppe lizenzierter Artikel auf der Unterseite der VLOG-Homepage www.og-info.org übersichtlich dargestellt. Zusätzlich zu dem Link stellt der VLOG seit August 2019 auch einen QR-Code zur Verfügung, der auf die beschriebene Seite führt. Wir wollen allen, die über die Kriterien der "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung kommunizieren, den Anstoß geben, verstärkt den Link oder den QR-Code in der Kundenkommunikation zu nutzen.

 
       
 

Annahme veralteter Stammdatenblatt-Versionen nur noch bis 31.03.2020.

Am 01.09.2019 wurde die aktuellste Version des Standardnutzervertrages inklusive Stammdatenblatt veröffentlicht. Bitte beachten Sie, dass ältere Versionen des Vertrages und Stammdatenblattes nur noch bis zum 31. März angenommen werden. Nach diesem Datum werden die Betriebe bei Einsendung einer veralteten Stammdatenblatt-Version um Nachreichung der aktuellen Dokumente gebeten. Dies kann die Bearbeitung des Standardnutzervertrages dementsprechend verzögern.

 
       
 

Zertifizierungspflicht für Marinadenhersteller und Hersteller marinierter Produkte

Ab dem 01.01.2021 müssen Hersteller von Marinaden, Gewürzmischungen, Füllungen, Saucen etc. die tierische Zutaten und Bestandteile enthalten, nach VLOG-Standard oder einem als gleichwertig anerkanntem Standard zertifiziert sein, um weiterhin an VLOG-zertifizierte Verarbeiter vermarkten zu können.

 
       
 

Mitarbeiter Office Management (m/w/d)

Die VLOG Geschäftsstelle in Berlin sucht ab Mai einen Mitarbeiter für das Office Management (m/w/d). mehr...

 
       
 

Mitarbeiter Qualitätssicherung (m/w/d)

Die VLOG Geschäftsstelle in Berlin sucht ab Juni einen Mitarbeiter für die Qualitätssicherung (m/w/d). mehr ...

 
       
 

Assistenz Geschäftsführung (m/w/d)

Die VLOG Geschäftsstelle in Berlin sucht ab Juni einen Mitarbeiter (m/w/d) als Assistenz für die Geschäftsführung. mehr...

 
       
       
   

Nachrichten

 
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Neue Gentechnik bei Tieren: US-Behörde fordert ausführliche Risikobewertung

03.03.2020 - Tiere, deren Erbgut mit neuer Gentechnik verändert wurde, sowie deren Produkte sollen einer strengen Risikoabschätzung unterzogen werden, bevor sie auf den Markt kommen. Das forderte mit Verweis auf das Vorsorgeprinzip die US-Lebensmittelbehörde FDA. Sie begründete ihre Forderung mit einer eigenen Studie über unerwünschte Effekte der neuen Gentechnik bei Rindern. Gleichzeitig versuchte die Behörde, die Diskussion auf Tiere zu begrenzen und gentechnisch veränderte Pflanzen außen vor zu lassen. mehr...

 
       
 

Arla will auch in Dänemark ohne Gentechnik produzieren

02.03.2020 - Europas größtes Molkerei-Unternehmen, Arla Foods, wird in seinem Heimatland Dänemark ab dem 1. April 2021 nur noch Milch von Tieren verarbeiten, die vollständig gentechnikfrei gefüttert werden. Sollte ein Mitglied damit nicht einverstanden sein, müsse es spätestens bis 31. August 2020 seinen Ausstieg aus der Genossenschaft erklären, teilte das Unternehmen mit, das 9.900 Landwirten aus Schweden, Dänemark, Deutschland, Grossbritannien, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden gehört. mehr...

 
       
 

Genehmigungsverfahren: Auf der Suche nach der Schwachstelle

12.02.2020 - Gentechnik-Unternehmen nutzen bei Zulassungsverfahren die wichtige Rolle aus, die nationale Zulassungsbehörden im Rahmen des EU-Gentechnikrechts spielen. Dabei suchen sie sich gezielt die Behörden heraus, bei denen sie Verständnis und Entgegenkommen erwarten. Das zeigt eine politische Studie, die das Vorgehen des US-Unternehmens Cibus in den Jahren vor dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur neuen Gentechnik im Sommer 2018 beschreibt. mehr...

 
       
 

Neue Gentechnik: Anhörung mit Schlagseite

10.02.2020 - Dass die EU-Kommission vor einer Entscheidung die Vertreter unterschiedlicher Interessen anhört, ist gut. Weniger gut ist es, dass die Kommission diese Vertreter immer wieder einseitig auswählt und wichtige Interessen wie Umwelt- oder Verbraucherschutz dabei gerne unter den Tisch fallen. Ein aktuelles Beispiel hat gerade EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides abgeliefert. mehr...

 
       
 

Studie zeigt: Gene ausschalten führt zu unerwarteten Effekten

30.01.2020 - Mit Gen-Scheren wie Crispr/Cas lassen sich einzelne Gene so bearbeiten, dass sie ihre Funktion verlieren. Ein Beispiel dafür sind Zuchtpilze, die beim Anschneiden nicht braun anlaufen. Diese Crispr-Pilze wurden in den USA ohne weitere Überprüfung als Lebensmittel zugelassen. Dass dies gefährlich für die Verbraucher sein könnte, legt eine Studie von Heidelberger Forschern nahe. mehr...

 

 

 
       
 

Neue "Ohne GenTechnik" Siegelnutzer

 

MOWI Lebork Sp. z.o.o.

Alpenhain Käsespezialitäten GmbH

Bergmann-Geflügelfleisch-Vertriebs GmbH

 

Neue "VLOG geprüft" Siegelnutzer

 

Hansa Melasse Handelsgesellschaft mbH

 

Termine

 

SAVE THE DATE: 12.05.2020
ProTerra 5th International Non-GMO Soy Conference
Rotterdam

 

Impressum

 

Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V.
Friedrichstraße 153a
10117 Berlin
Tel: +49 30 2359 945 00
Fax: +49 30 2359 945 01
www.ohnegentechnik.org
info@ohnegentechnik.org

Der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V. ist im Vereinsregister des Amtsgerichtes Berlin Charlottenburg unter der VR-Nummer 29801 B eingetragen.


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