VLOG-Newsletter .:. Ausgabe 03/20 April

Liebe Leserinnen und Leser,

der "Ohne GenTechnik"-Umsatz wächst weiter. Rund 11,3 Milliarden Euro wurden 2019 für Lebensmittel mit dem Siegel ausgegeben, fünfzehn Prozent mehr als im Vorjahr. "Ohne GenTechnik"-Produkte machen bereits über fünf Prozent des gesamten Lebensmittelumsatzes in Deutschland aus.

Gentechnikbefürworter betonen immer wieder, dass die Debatte über Gentechnik wissenschaftsbasiert und nicht nach Stimmungen geführt werden müsse. Dazu muss man wissenschaftliche Ergebnisse aber auch zur Kenntnis nehmen. Etwa die beiden folgenden aktuellen Untersuchungen:

Gentechniker der Universität Münster hatten genauer analysiert, was passiert, wenn die Genschere Crispr/Cas9 in das Erbgut schneidet, damit dort ein neuer Erbgutschnipsel eingebaut wird. Sie entdeckten, dass der Erbgutschnipsel dort nicht nur einmal, sondern auch doppelt oder mehrfach hintereinander eingebaut wird. Solche Duplikationen könnten zu gefährlichen Mutationen führen oder missgebildete Proteine zur Folge haben, warnten die Münsteraner Forscher. Sie wiesen auch darauf hin, dass die üblicherweise angewandte PCR-Analyse in den meisten Fällen nicht in der Lage war, diese Duplikate zu identifizieren.

Ungenau arbeiten auch neuere Gen-Scheren, die andere Cas-Enzyme enthalten – und die als noch präziser gepriesen wurden. Wissenschaftler der Universität von Iowa haben nachgewiesen, dass die Gen-Schere Crispr/Cas12a zu zahlreichen Nebeneffekten führt. Sie zeigten, dass die Schere auch an Stellen andockte und den DNA-Doppelstrang durchschnitt, die sich in bis zu vier DNA-Basenpaaren von der eigentlichen Ziel-Sequenz unterschieden. Zudem schnitt die Schere an vielen Stellen nur einen der beiden Stränge durch, schlug also eine Art Kerbe in die DNA. An diesen „Kerben“ kann es zu nicht geplanten Mutationen kommen. Diese Änderungen lassen sich nach Ansicht der Wissenschaftler aus Iowa nur durch spezielle Nachweismethoden oder die Sequenzierung des gesamten Genoms des veränderten Organismus feststellen.

Solche unerwünschten Änderungen im Erbgut genmanipulierter Pflanzen lassen sich auch als Marker nutzen, um diese Sorte von behaupteten natürlichen Mutationen sicher unterscheiden zu können. An Methoden, Pflanzensorten mit Hilfe molekularen Marker sicher zu identifizieren, arbeiten die großen Saatgutunternehmen intensiv, denn diese Technik hilft ihnen, Patent- und Lizenzansprüche durchzusetzen. Auf einer Tagung des internationalen Verbandes zum Schutz von Pflanzenzüchtungen (UPOV) wurde der aktuelle Stand der Entwicklungen vorgestellt. Ein wissenschaftlicher Beleg mehr, dass sich die Anwendung neuer gentechnischer Verfahren nachweisen lässt – wenn der politische Wille vorhanden ist und die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden. Wir werden das von EU-Kommission und Bundesregierung auch weiterhin einfordern – als Beweis dafür, dass die Unterstützung der gentechnikfreien Land- und Lebensmittelwirtschaft tatsächlich ernst gemeint ist.

Diese politische Arbeit leisten wir auch in Coronazeiten. Wir haben unser Büro bereits seit dem 18. März fast vollständig auf Home Office umgestellt, was sehr gut und weitestgehend reibungslos funktioniert. Für die anstehenden Zertifizierungen hat der VLOG einen ‚Leitfaden für die Durchführung von Distanzaudits’ in Gebieten mit Kontakt- bzw. Ausgangsbeschränkungen vorgelegt. Auf dessen Basis können Unternehmen regulär nach VLOG-Standard zertifiziert werden. Die Anforderungen, Einschränkungen und Rahmenbedingungen werden in diesem Dokument erläutert. Lassen es die Gegebenheiten vor Ort und die Vorgaben der Unternehmen und Zertifizierungsstellen zu, können weiterhin Vor-Ort-VLOG-Audits stattfinden. Für Nachfragen steht Ihnen unsere Geschäftsstelle wie immer gerne zur Verfügung.

Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre.
Bleiben Sie gesund!

Ihr VLOG-Team

       
   

Verband

 
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VLOG-Audits in Zeiten der Coronakrise

Der VLOG ermöglicht aufgrund der Coronakrise in Gebieten mit Kontakt- bzw. Ausgangsbeschränkungen für bestimmte Unternehmen und Audittypen Distanzaudits. Auf Basis dieser Distanzaudits können Unternehmen regulär nach VLOG-Standard zertifiziert werden. mehr...

 
       
 

Informationen zu vom VLOG als gleichwertig anerkannte Standards

Diverse Zertifizierungsstandards werden vom VLOG als gleichwertig zu einer VLOG-Zertifizierung anerkannt. Unternehmen die nach einem anerkannten Standard zertifiziert sind, benötigen demnach keinen zusätzliche VLOG-Zertifizierung. Darüber hinaus ist es für jene Unternehmen möglich, die Nutzung des „Ohne GenTechnik“ bzw. „VLOG geprüft“-Siegels beim VLOG zu beantragen. Mit der Siegelnutzung wird das Unternehmen in die Produktdatenbank (Lebensmittel) bzw. die Liste der gleichwertig zertifizierten Futtermittelunternehmen mit „VLOG geprüft“-Lizenz (Futtermittel) aufgenommen. Die Siegelnutzung und somit die Aufnahme in eine der beiden Listen sind jedoch nicht für die als gleichwertig zur VLOG Ware anerkannten Ware verpflichtend

 
       
       
   

Nachrichten

 
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"Ohne GenTechnik"-Umsatz wächst weiter
Lebensmittel für über 11 Milliarden Euro verkauft, gut 5 Prozent Marktanteil

21.04.2020 - Rund 8,8 Milliarden Umsatz erzielten Hersteller und Verarbeiter 2019 mit Waren mit dem "Ohne GenTechnik"-Siegel. In den Läden haben die Endkunden etwa 11,3 Milliarden Euro dafür ausgegeben. Gegenüber 2018 bedeutet das eine Steigerung von 15 Prozent. 2020 werden die Verbraucherausgaben voraussichtlich auf mindestens 11,8 Milliarden Euro steigen. Inzwischen machen "Ohne GenTechnik"-Produkte bereits über fünf Prozent des gesamten Lebensmittelumsatzes in Deutschland aus. „Nach dem enormen Zuwachs bei Milch und Milchprodukten sehen wir jetzt eine Konsolidierung unseres Wachstums“, kommentierte VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting die Zahlen. „Im Vergleich zur Milch muss sich bei Schweinefleisch noch sehr viel bewegen, um auch hier endlich den Verbrauchererwartungen nach "Ohne GenTechnik"-Ware gerecht zu werden.“  mehr...

 
       
 

Neuentwickelte Gen-Scheren sind auch nicht besser als die alten

17.04.2020 - Die Gen-Schere Crispr/Cas9 arbeitet bei weitem nicht so genau wie oft behauptet. Inzwischen haben Wissenschaftler das Verfahren weiterentwickelt. Eine dieser neuen Scheren namens Crispr/Cas12a oder Cpf1 soll präziser arbeiten als das übliche Crispr/Cas9-System. Doch Wissenschaftler haben jetzt nachgewiesen, dass auch die neue Schere zu zahlreichen Nebeneffekten führt. mehr...

 
       
 

Nachweis neuer Gentechnik: Pflanzensorten haben einen biochemischen Fingerabdruck

30.03.2020 - Der französische Biochemiker Eric Meunier berichtet auf der Webseite Inf’OGM über die Arbeit des internationalen Verbandes zum Schutz von Pflanzenzüchtungen (UPOV). Diese Organisation kümmert sich weltweit darum, dass die Rechte der Züchter gewahrt werden. Die UPOV hat im November 2019 eine Anleitung vorgestellt, wie sich mit Hilfe biochemischer und molekularer Marker eine Pflanzensorte sicher identifizieren lässt. mehr...

 
       
 

Crispr/Cas: Schon wieder unerwünschte Nebeneffekte festgestellt

11.03.2020 - Wenn die Genschere Crispr/Cas9 in das Erbgut schneidet, damit dort ein neuer Erbgutschnipsel eingebaut wird, kann folgendes passieren: Der Erbgutschnipsel wird nicht nur einmal, sondern doppelt oder mehrfach hintereinander eingebaut. Diesen unerwarteten Effekt haben Gentechniker der Universität Münster entdeckt und darüber im Fachjournal Sciences Advances berichtet. Darin schreiben sie auch, dass dieser Effekt mit der üblichen Analysemethode übersehen wird. mehr...

 
       
 

Neue "Ohne GenTechnik" Siegelnutzer

 

Simmental Switzerland AG

MILEI GmbH

Plukon Vertriebs GmbH

 

Neue "VLOG geprüft" Siegelnutzer

 

August Töpfer & Co. KG

Moulin Hick SPRL

Nutrition Internacional S.L.U. Madrid

 

Termine

 

Konferenz verschoben:
ProTerra 5th International Non-GMO Soy Conference
Amsterdam (neues Datum wird noch bekanntgegeben)

 

Impressum

 

Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V.
Friedrichstraße 153a
10117 Berlin
Tel: +49 30 2359 945 00
Fax: +49 30 2359 945 01
www.ohnegentechnik.org
info@ohnegentechnik.org

Der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V. ist im Vereinsregister des Amtsgerichtes Berlin Charlottenburg unter der VR-Nummer 29801 B eingetragen.


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