VLOG-Newsletter 05/20 .:. Ausgabe Juli

Liebe Leserinnen und Leser,

vor zwei Jahren hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) seine wegweisende Entscheidung zu neuen gentechnischen Verfahren getroffen. Seither ist klar: Die neue Gentechnik unterliegt dem EU-Gentechnik­recht, ihre Erzeugnisse müssen zugelassen und gekennzeichnet werden sowie rückverfolgbar sein. Denn die mit der Anwendung neuer gentechnischer Verfahren verbundenen Risiken seien mit denen der alten Gen­technik vergleichbar, argumentierten die Richter.

Diese Entscheidung ist für die gesamte gentechnikfreie Land- und Lebensmittelwirtschaft in der EU von herausragender Bedeutung. Denn für Verbraucher gibt es keine zwei Arten von Gentechnik. Wird Gentechnik in Lebensmitteln durch fehlende Zulassung und Kennzeichnung verschleiert, zerstört dies das Vertrauen in Handel, Lebensmittelwirtschaft und Politik. Der ganze ‚Ohne Gentechnik‘- und Bio-Sektor wäre durch eine Deregulierung bedroht. Dabei wird dieser Sektor seit Jahren immer größer. Nachdem die Schweiz und Italien neu hinzugekommen sind, gibt es inzwischen in zehn europäischen Ländern Regelungen zur „Ohne Gen­technik“-Kennzeichnung.

Seit der Veröffentlichung des EuGH-Urteils am 25. Juli 2018 zeigten zahlreiche Studien, dass neue Gen­technik-Verfahren wie die Gen-Schere Crispr/Cas keineswegs so präzise und nebenwirkungsarm sind, wie ihre Befürworter immer wieder behaupten. Die aktuellste Arbeit belegt am Beispiel der Reiszüchtung, wie ein Eingriff an einem spezifischen Gen zu vielen großen und kleinen unerwünschten Änderungen im Erbgut führt, die sich über mehrere Generationen weitervererben. Die Wissenschaftler folgern daraus, dass eine derart geänderte Pflanze über mehrere Generationen und Jahre hinweg im Labor beobachtet werden müsse, bevor an Feldversuche gedacht werden könne. Das lässt an dem Argument zweifeln, die neue Gentechnik beschleunige die Pflanzenzüchtung.

Diese Erkenntnisse werden von einigen Politikern ignoriert, die ansonsten gerne der Wissenschaftlichkeit das Wort reden. Das gilt für die Bundeslandwirtschaftsministerin, die „mehr Gentechnik wagen“ will, und auch für einzelne Vertreter der Grünen. Sie argumentierten, dass sich die Landwirtschaft ohne die neue Gentechnik nicht schnell genug an die Klimakrise anpassen könne, und fordern deshalb eine Deregulierung. Die grünen Fraktionen im Bundestag und im Europaparlament haben diesen Vorstoß zurückgewiesen und klargemacht, dass sie sich weiterhin für eine verlässliche Gentechnik-Regulierung einsetzen werden.

Doch auch diese Regulierung ist alles andere als perfekt. Unter den Mitgliedsstaaten findet sich regelmäßig keine qualifizierte Mehrheit, wenn es darum geht, GVOs für den Import als Lebens- und Futtermittel in die EU zuzulassen. Damit fällt die Entscheidungskompetenz an die EU-Kommission, die inzwischen in 42 Fällen die Zulassung erteilte: ohne Mehrheit der Mitgliedsstaaten und jeweils gegen einen – rechtlich unverbindlichen – Beschluss des Europaparlaments. Dessen Abgeordnete haben das Verfahren deshalb jetzt als undemo­kratisch bezeichnet und die neue Kommission aufgefordert, diese Praxis zu beenden und die Zulassungen künftig zu verweigern.

Jeder neue GVO erhöht auch das Risiko, dass es zu Verunreinigungen in der gentechnikfreien Lebens­mittel­kette kommt. Im aktuellsten Fall hat es eine Partie Zuckermais-Saatgut mit 13 Millionen Körnern getroffen, die mit Gentech-Mais von Monsanto verunreinigt war. Die Saat wurde in sechs Bundesländer und in sieben weitere Staaten verkauft. Es bleibt zu hoffen, dass es den Behörden gelang, alle Felder zu identi­fizieren, auf denen das verunreinigte Saatgut ausgebracht wurde – und dass der dort wachsende Mais rechtzeitig vor der Blüte untergepflügt wurde. Der VLOG nahm den Vorfall zum Anlass, intensivere Kontrollen des Saatguts in Deutschland zu fordern. Schließlich hatten ungarische Behörden die Verunreinigung entdeckt und nicht die deutschen bei ihren Stichproben. Außerdem braucht es auch dringend Nachweis­verfahren für Produkte neuer Gentechnik. Bundesregierung und EU-Kommission müssen sicherstellen, dass solche Verfahren zügig verfügbar sind und angewendet werden. Denn das Urteil des EuGH zur neuen Gentechnik muss auch vollzogen und die EU vor illegalen Importen und Verunreinigungen mit neuen GVO geschützt werden.

Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre.
Ihr VLOG-Team

       
   

Nachrichten

 
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Zwei Jahre EuGH-Urteil: Mehr Verbraucherschutz statt mehr Gentechnik!

Am 25. Juli jährt sich das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zu neuen gentechnischen Verfahren zum zweiten Mal. 2018 stellten Europas oberste Richter klar: Auch neue Gentechnik ist Gentechnik und unterliegt denselben Regeln zu Risikoprüfung, Zulassungsverfahren und Kennzeichnungspflicht. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner sollte jetzt die deutsche EU-Ratspräsidentschaft für die konsequente Umsetzung des Urteils nutzen: für mehr Verbraucherschutz statt mehr Gentechnik.  mehr...

 
       
 

Klöckner will „mehr Gentechnik wagen“

In einem Gastbeitrag im Tagesspiegel fordert Agrarministerin Julia Klöckner eine teilweise Deregulierung für Gentechnik-Pflanzen. „Für Verbraucher gibt es keine zwei Arten von Gentechnik“, kommentiert VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting, „die Menschen wollen wissen, was in ihrem Essen drin ist. Wird Gentechnik in Lebensmitteln durch fehlende Kennzeichnung verschleiert, zerstört das Vertrauen in Handel, Lebensmittelwirtschaft und Politik.“ Im Koalitionsvertrag hatten CDU und SPD vor zwei Jahren noch „bundesweite Gentechnik-Anbauverbote“ angekündigt.  mehr...

 
       
 

Grüne klar für Gentechnik-Regulierung

Die Grünen-Fraktionen in Bundestag und Europaparlament haben Positionspapiere verabschiedet, in denen sie sich klar gegen eine Deregulierung neuer Gentechnik-Verfahren aussprechen. „Die deutliche Klarstellung, dass die Grünen sich weiterhin für eine verlässliche Gentechnik-Regulierung einsetzten, ist eine sehr gute Nachricht für Verbraucher, Lebensmittelwirtschaft und den boomenden deutschen und europäischen "Ohne Gentechnik"-Wirtschaftssektor“, kommentiert VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting.  mehr...

 
       
 

Gentechnisch verunreinigte Maissamen verkauft und angebaut

In mehreren Bundesländern wurde gentechnisch verunreinigtes Mais-Saatgut eines Händlers aus Niedersachsen ausgesät. Deutsche Behörden wurden erst durch ungarische Kontrolleure auf den Fall aufmerksam. „Es besteht offenbar Nachholbedarf im Kontrollsystem“, kommentiert VLOG-geschäftsführer Alexander Hissting. „Die ‚Ohne Gentechnik“-Lebensmittelwirtschaft ist darauf angewiesen, dass die Gentechnikfreiheit zuverlässig gesichert ist“.  mehr...

 
       
 

EU-Abgeordnete kritisieren undemokratische Gentechnik-Zulassungen

Fünfzig EU-Abgeordnete haben in einem Offenen Brief an die EU-Kommission gegen undemokratische Gentechnik-Zulassungen protestiert, die diese immer wieder ohne Mehrheit der EU-Staaten und gegen das Europaparlament erteilt. Schon 42-mal hat die Kommission ablehnende Stellungnahmen des Europäischen Parlaments dazu ignoriert. Deshalb fordern die 50 Europa-Abgeordneten, den Entscheidungsmodus zu ändern und den sogenannten „Green Deal“ der EU nicht durch ein ‚Weiter so’ bei der Agro-Gentechnik zu gefährden.  mehr...

 
       
 

Crispr-Reis mit unerwarteten Effekten

Eingriffe mit der Gen-Schere Crispr/Cas führen auch zu unerwarteten Nebenwirkungen. Das haben Wissenschaftler aus China und Australien erneut bei Experimenten mit mehreren Reis-Hochleistungssorten festgestellt. Die unbeabsichtigten Änderungen wurden weitervererbt und könnten zu einer veränderten Biochemie in genveränderten Nahrungspflanzen und dadurch zu Gesundheitsrisiken wie Toxizität und Allergenität führen, warnt ein Forscher. VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting: „Crispr/Cas ist eben keine Low-Risk-Technologie, die man einfach deregulieren kann“.  mehr...

 
       
 

Gene Drives: Petition gegen gezieltes Artensterben durch Gentechnik

In einem offenen Brief haben 78 Umwelt-, Agrar-, Tierschutz- und Entwicklungsorganisationen aus ganz Europa die EU-Kommission dazu aufgerufen, die Freisetzung sogenannter Gene-Drive-Organismen in der EU und international zu ächten. Mit dieser neuen Gentechnikanwendung können ganze Tierpopulationen und -arten in der Natur ausgerottet und umprogrammiert werden. Mit einer laufenden Online-Petition können Einzelpersonen dieser Forderung Nachdruck verleihen.  mehr...

 
       
       
   

Verband

 
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ENGA: Neue europäische Interessenvertretung für „Ohne Gentechnik“

Viele wichtige Entscheidungen für den „Ohne Gentechnik“-Sektor fallen auf EU-Ebene. Um bei solchen europäischen Prozessen künftig die Positionen der gentechnikfreien Land- und Lebensmittelwirtschaft noch besser zu vertreten, haben der VLOG und die österreichische ARGE Gentechnik-frei die Gründung des neuen EU-Wirtschaftsverbandes European Non-GMO Industry Association (ENGA) auf den Weg gebracht, der jetzt offiziell in Brüssel registriert wurde. Die bisherige EU-Repräsentantin des VLOG, Heike Moldenhauer, wird die ENGA-Geschäfte übernehmen.

 
       
 

Leerdammer jetzt mit „Ohne GenTechnik“-Siegel

Das Leerdammer-Käse-Scheibensortiment und das Leerdammer-300-Gramm Stück der Bel Deutschland GmbH tragen seit Juli 2020 das „Ohne GenTechnik“-Siegel des VLOG. Die Bauern erhalten dafür eine Prämie von einem Cent pro Liter Milch. Bel Deutschland kommt damit laut eigener Aussage Verbraucherwünschen nach, da 71 Prozent der befragten Käsekonsumenten laut einer Studie beim Kauf von Käse auf die Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ achteten.

 
       
 

Reformierung der Gruppenzertizierung: Auftaktworkshop in Fulda

Im Rahmen der geplanten Reformierung der VLOG-Gruppenzertifizierung für den Bereich Landwirtschaft kamen am 24. Juni 2020 Vertreter der verschiedenen Branchen zu einem Auftaktworkshop in Fulda zusammen. Ziel war es, erste Ideen für eine Neugestaltung dieser Zertifizierungsmöglichkeit zu erarbeiten. mehr...

 
       
 

Neue und aktualisierte VLOG-Dokumente

Neu

Merkblatt zur Nutzung des „VLOG geprüft“-Siegels
Information sheet on the use of the seal “VLOG geprüft / VLOG verified”

Aktualisiert

Anhang V des VLOG-Standards und Gesampaket „VLOG-Standard inkl. Anhänge“ (Umgang mit GVO-Werten zwischen 0,1 und 0,9 Prozent geändert)
FAQ zur VLOG-Zertifizierung und Siegelnutzung (Frage 17 im Logistik-Teil geändert)

 
       
 

VLOG sucht Verstärkung

Ab Oktober 2020 suchen wir eine Mitarbeiterin / einen Mitarbeiter (m/w/d) für die Unterstützung des Buchhaltungsteams in unserer Geschäftsstelle in Berlin.

 
       
 

Neue Mitglieder

 

RW Agrar GmbH Haßberge

Mahl- und Mischdienst G. Vaupel

Erzeugerschlachthof Kurhessen AG

 

Neue "Ohne GenTechnik" Siegelnutzer

 

Franz Tress GmbH & Co. KG

Schenk és Társa Kft.

Geflügel Spezialitäten Steinfeld GmbH & Co. KG

Bel Deutschland GmbH (Leerdammer)

 

Neue "VLOG geprüft" Siegelnutzer

 

Landhandel Landwehr GmbH

Alltech Deutschland GmbH

Garant-Tiernahrung GmbH

 

Termin

 

Mit-CRISPRn oder nicht?
Informationsveranstaltung zu den neuen Gentechniken

21.-22.11.2020
Schloss Kirchberg
Kirchberg/Jagst

Info & Anmeldung

 

Impressum

 

Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V.
Friedrichstraße 153a
10117 Berlin
Tel: +49 30 2359 945 00
Fax: +49 30 2359 945 01
www.ohnegentechnik.org
info@ohnegentechnik.org

Der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V. ist im Vereinsregister des Amtsgerichtes Berlin Charlottenburg unter der VR-Nummer 29801 B eingetragen.


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