VLOG-Newsletter 06/20 .:. September

Liebe Leserinnen und Leser,

eine bewegte Woche liegt hinter uns. Am Montag hat der VLOG gemeinsam mit Greenpeace und weiteren Organisationen, Gentechnikfrei-Verbänden sowie der Handelskette SPAR Österreich die weltweit erste Open-Source-Nachweismethode veröffentlicht für eine Pflanze, deren Erbgut mit einem sogenannten „Gene Editing“-Verfahren der „neuen“ Gentechnik verändert wurde – eine Rapslinie der US-Firma Cibus, die in den USA und Kanada bereits angebaut wird.

Diese neue Nachweismethode ist von großer Bedeutung, da sie Behauptungen von Gentechnik-Industrie und einigen europäischen Behörden widerlegt, dass mit „neuen“ Gentechnikverfahren hergestellte Nutzpflanzen meist nicht von natürlich gezüchteten unterscheidbar seien – und daher angeblich nicht nach geltendem EU-Gentechnikrecht reguliert werden könnten. Die neue Nachweismethode ermöglicht es nun, Importe darauf zu prüfen, ob sie diesen in der EU nicht zugelassenen Gentechnik-Raps enthalten.

Entsprechend groß war das Echo auf die Veröffentlichung am Montag. Diverse Medien in mehreren Ländern berichteten über das neue Verfahren. Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze sprach von einem wichtigen „Erfolg für den Umweltschutz und für alle, die auf gentechnikfreie Lebensmittel Wert legen“. Österreichs Gesundheitsminister Rudi Anschober kündigte an, das neue Testverfahren schnellstmöglich einzusetzen.

Wie kaum anders zu erwarten, gab es schnell auch Gegenwind und Versuche, die neue Nachweismethode als untauglich abzutun. Etwa von der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, die sich bei der Gelegenheit gleich geschlossen für eine Gentechnik-Deregulierung aussprach – und sich damit deutlich gegen breite Bevölkerungsmehrheiten stellt, die ausdrücklich auch neue Gentechnikverfahren ablehnen und mindestens klar reguliert haben wollen.

Auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlichte schon nach wenigen Tagen eine Stellungnahme zum neuen Testverfahren. Darin erkennt die Behörde die Funktion des Verfahrens an, vertritt nun aber den überraschenden Standpunkt, der Gentechnik-Raps von Cibus sei doch nicht mit Gentechnik hergestellt worden – nachdem sowohl das Amt als auch Hersteller Cibus jahrelang die Position vertreten haben, er sei durch „Gene Editing“ kreiert worden. Das ist wenig plausibel.

Erfreulich ist in jedem Fall, dass unsere Veröffentlichung eine Diskussion um die dringend benötigten Nachweisverfahren für „neue“ Gentechnik angestoßen hat. Sie wird voraussichtlich noch einige Wellen schlagen.

Selbstverständlich haben wir noch weitere wichtige Informationen in diesem Newsletter für Sie parat. Wir wünschen eine interessante Lektüre!

Ihr VLOG-Team

       
   

Nachrichten

 
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Erstes Open-Source-Nachweisverfahren für Pflanze aus neuer Gentechnik

Der VLOG hat zusammen mit anderen Oragnisationen die weltweit erste Open-Source-Nachweismethode veröffentlicht für eine Pflanze, deren Erbgut mit einem Verfahren der „neuen“ Gentechnik verändert wurde.

Pressemitteilung | Hintergrund | Originalveröffentlichung des Verfahrens
Website Detect-GMO.org (engl.) | VideoVideo auf Twitter | Video auf Facebook

 
       
 

BVL: Test funktioniert, aber Gentechnik-Raps soll jetzt doch keine Gentechnik sein

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat eine Fachmeldung zum Nachweistest für Cibus-Gentechnik-Raps veröffentlicht. Die Funktionsweise des Tests wird vom BVL grundsätzlich bestätigt und er soll dort praktisch geprüft werden. Das BVL vertritt allerdings den überraschenden Standpunkt, der Gentechnik-Raps von Cibus sei doch nicht mit Gentechnik hergestellt worden – nachdem sowohl das Amt als auch Hersteller Cibus jahrelang die Position vertreten haben, er sei durch „Gene Editing“ kreiert worden. Außerdem bemängelt die Behörde, der Test sage nichts über die eingesetzte Methode aus, die die beabsichtigte Mutation erzielt hat. Das war allerdings auch nicht das Ziel dieses Nachweisverfahrens.

VLOG-Stellungnahme zur BVL-Fachmeldung

 
       
 

Naturbewusstseinsstudie zeigt: Nachweisverfahren dringend erforderlich

Die neue Naturbewusstseinsstudie der Bunderegierung zeigt: Große Mehrheiten wollen Anbauverbot, Kennzeichnung und Risikoprüfung – auch für „neue“ Gentechnik. Um diese gewünschte Gentechnikfreiheit weiterhin zuverlässig sicherzustellen, müssen EU-Kommission und Bundesregierung sich dringend um Nachweisverfahren für Produkte neuer Gentechnik kümmern, damit die nicht unerkannt in der Lebensmittelkette landen.  mehr ...

 
       
 

Copy & fail: Crispr-Gentechnik macht Stier zum Bullen

US-Forscher haben per Crispr-Gentechnik gezielt ein männliches Kalb erzeugt – das allerdings ohnehin männlichen Geschlechts gewesen wäre. Und es gab unerwartete Nebenwirkungen. Die Wissenschafter der Universität von Kalifornien in Davies, hatten im Erbgut des Kalbs die Kopie eines Gens eingebaut. Es sollte dazu führen, dass das Kalb künftig vor allem männliche Nachkommen zeugt. Denn Bullen setzen mehr Fleisch an als Kühe, verwerten das Futter besser und bringen deshalb Rindermästern mehr Geld.  mehr ...

 
       
 

Brexit: Deregulierte Gentechnik in UK?

Die britische Regierung will den Brexit nutzen, um Gentechnik unabhängig von der EU zu deregulieren. Ein erster Vorstoß dazu ist zwar zunächst am Widerstand von Gesellschaft und gentechnikkritischen Organisationen gescheitert, doch Regierung und Oberhaus halten an ihren Plänen fest.  mehr ...

 
       
 

Neue Gentechnik nachweisen: Bundesregierung stark verspätet

Das deutsche Agrarministerium hat eine Studie zur Machbarkeit von Nachweisverfahren für „neue“ Gentechnik (NGT) ausgeschrieben – zwei Jahre, nachdem der Europäische Gerichtshof klargestellt hat, dass dafür dieselben Regeln gelten wie für „alte“ Gentechnik. Ergebnisse sollen erst 2022 vorliegen. Selbst dann wird es aber noch längst kein Nachweisverfahren für die bisher einzig relevante NGT-Pflanze geben.  mehr ...

 
       
       
   

Verband

 
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Neue Version 20.02 des „Ohne Gentechnik“ Produktions- und Prüfstandards

Die neue Version 20.02 des VLOG-Standards steht ab sofort in deutscher und englischer Sprache auf unserer Standard-Downloadseite zur Verfügung. Diese Version erlangt zum 01.01.2021 bindende Gültigkeit. Im neuen Standard wurden u.a. Erleichterungen für Aufzuchtbetriebe, deren „Ohne Gentechnik“-konforme Fütterung für die Einhaltung der Mindestfütterungsfrist angerechnet werden soll, aufgenommen.  mehr …

 
       
 

Sind Ihre Kontaktdaten noch aktuell?

Wir bitten alle Standardnutzer, Mitglieder und (Unter-)Lizenznehmer zu prüfen, ob ihre Kontaktdaten bei uns aktuell sind. Teilen sie uns Änderungen bitte stets umgehend mit, am besten über info@ohnegentechnik.org, damit wir einen reibungslosen Informationsfluss gewährleisten können. Zu den Kontaktdaten gehören neben den Firmendaten auch die aktuellen E-Mail-Adressen der Ansprechpersonen, damit wir Sie schriftlich erreichen können.

 
       
 

Neue "Ohne GenTechnik" Siegelnutzer

 

Landkäserei Reißler GmbH

H. Gugel GmbH

Privatmolkerei Naarmann GmbH

Zur Mühlen Gruppe Marktvertriebs GmbH

Milchwerk Bad Wörishofen GmbH

 

Neue "VLOG geprüft" Siegelnutzer

 

BNA Nutrition Animale Sp. z.o.o.

 

Termine

 

Mit-CRISPRn oder nicht?
Informationsveranstaltung zu den neuen Gentechniken
21.-22.11.2020
Schloss Kirchberg
Kirchberg/Jagst

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