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Greenpeace-Check: Wie halten es deutsche Supermärkte mit der Gentechnik?

- Greenpeace hat Aldi (Nord und Süd), Rewe, Lidl, Kaufland, Penny, Edeka und Netto gründlich nach ihrem Umgang mit alter und Neuer Gentechnik befragt – und dabei deutliche Unterschiede festgestellt.

Vorab die gute Nachricht: Die Themen Gentechnikfreiheit und Neue Gentechnik stehen bei allen acht befragten Ketten auf der Agenda – wenn auch mit unterschiedlicher Dringlichkeit und Ausprägung. Aldi Nord und Aldi Süd sind laut Greenpeace-Supermarktcheck dabei die einzigen, die sich ganz klar dazu bekennen, keine Produkte aus Neuer Gentechnik anbieten zu wollen.

Neben Aldi sagen auch Rewe und Penny, dass Produkte aus neuer Gentechnik streng reguliert und gekennzeichnet werden sollen. Lidl, Kaufland, Edeka und Netto sind dagegen noch unentschieden und begründen das mit der „Komplexität“ des Themas oder verweisen auf das in sich widersprüchliche Positionspapier des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) zu Neuer Gentechnik von 2023.

Greenpeace macht darin eine „Spaltung“ beim Lebensmitteleinzelhandel aus, die ein „gefährliches Signal“ sei. Während sich Aldi, Rewe und Penny eindeutig für die Kennzeichnungspflicht und Wahlfreiheit sowie das Vorsorgeprinzip aussprächen, entzögen sich die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie Edeka und Netto „der Verantwortung gegenüber Verbraucher:innen und Umwelt“.

Wenn sie aber „keine klare Kante gegen ungekennzeichnete neue Gentechnik zeigen und gleichzeitig schon jetzt ihre gentechnikfreien Sortimente aufweichen, droht die Wahlfreiheit der Verbraucher schleichend zu erlöschen“, so Greenpeace. Damit die Gentechnikfreiheit in Landwirtschaft und Lebensmittelvermarktung weiterhin bestehen bleibe, müsse der Handel jetzt Geschlossenheit zeigen.

Außerdem gründlich unter die Lupe genommen hat Greenpeace die aktuelle Praxis der Märkte bei gentechnikfreier Herstellung und „Ohne Gentechnik“-Auslobung. Bei Eiern, Geflügelfleisch und Trinkmilch kommen dabei fast alle auf stolze 100 Prozent bei ihren Eigenmarken, auch bei verarbeiteten Molkereiprodukten ist der Anteil meist sehr hoch. Diese erfreulichen Zahlen werden von den LEH auch für 2026 angekündigt.

Nur bei Edeka lag der Geflügelfleisch-Anteil mit gentechnikfreier Fütterung bei lediglich 25 Prozent, mit „Ohne GenTechnik“-Siegel sind dort sogar nur 6 Prozent ausgezeichnet. Ein Branchen-Insider erläutert die abweichenden Zahlen von Edeka gegenüber dem VLOG mit dem hohen Anteil an Geflügelfleisch aus der Bedientheke, wo eine „Ohne Gentechnik“-Auslobung schwieriger sei und eine gentechnikfreie Produktion offenbar nicht eingefordert wird. Er geht davon aus, dass ca. 80 Prozent der Edeka-Eigenmarken im SB-Frischgeflügel-Bereich „Ohne Gentechnik“ ausgelobt werden. 

Insgesamt sieht Greenpeace „Ohne Gentechnik“ bei Eiern, Geflügelfleisch und Milchprodukten als weitgehend etabliert an – ganz anders als bei Schweinefleisch, wo die Organisation „Handlungsbedarf“ ausmacht. Hier liegen die „Ohne Gentechnik“-Anteile meist nur bei zwei bis drei Prozent. 

Im Segment Rindfleisch besteht aktuell die größte Dynamik. Hier wurden in den vergangenen Jahren die „Ohne Gentechnik“-Anteile deutlich ausgeweitet. Dies steht in direktem Zusammenhang mit der Ausweitung von Fleisch aus höheren Haltungsformen. Lidl, Rewe und Penny fordern mit der Umstellung auf die Haltungsform 3 auch die „Ohne Gentechnik“-Fütterung ein.  Schon heute werden bei Lidl 88 Prozent des Rindfleischs mit „Ohne Gentechnik“ gekennzeichnet. Bei Rewe soll sich der Anteil von 2025 zu 2026 von 31 Prozent auf ebenfalls 88 Prozent erhöhen. Bei Penny soll der Anteil in diesem Jahr von aktuell 20 auf 100 Prozent isteigen. Bei Rewe und Penny wird für diese Auslobung auch auf das einheitliche „Ohne GenTechnik“-Siegel des VLOG zurückgegriffen. Damit sind strenge Kontrollen und eine hohe Sicherheit gewährleistet. 

Auch zum Thema „Haltungsform 3 und gentechnikfreie Fütterung“, zu dem der VLOG bereits letzten Sommer eine eigene Untersuchung durchgeführt hatte, wurden Aldi, Rewe, Lidl, Kaufland, Penny, Edeka und Netto befragt – die Antworten stehen allerdings bisher von allen noch aus. Greenpeace pocht darauf, dass gentechnikfreie Fütterung ab Haltungsform 3 Pflicht bleiben müsse – wie ursprünglich vorgesehen. Inzwischen wurde diese Anforderung allerdings aufgeweicht. Greenpeace zufolge sei dieses Thema aktuell „Gegenstand fachlicher Bewertung“ beim BVLH.

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