News

„New GMOs Market Report“: Ankündigungen und Marktrealität liegen weit auseinander bei Neuer Gentechnik

- Neue Gentechnik (NGT) spielt in der Praxis weltweit bisher kaum eine Rolle, und Nachhaltigkeitsversprechungen sind nach wie vor unbewiesen. Trotzdem werden die gesetzlichen Regeln dafür vielerorts im Eiltempo abgeschwächt.

Der europäische „Ohne Gentechnik“-Verband European Non-GMO Industry Association (ENGA) hat in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Non-GMO Project und dem Wissenschaftsdienst semnar beim Non-GMO Summit 2026 in Frankfurt seinen neuen „New GMOs Market Report“ vorgestellt, in dem internationale Marktentwicklungen und regulatorische Trends bei Neuer Gentechnik (NGT) analysiert werden. Der Bericht stellt eine wachsende Diskrepanz zwischen Erwartungen, Nachhaltigkeitsversprechen und der Realität fest. 

Weltweit erst 4 NGT-Pflanzen im Anbau, 108 in Entwicklung

Versprechungen angeblicher klimatischer und ökologischer Vorteile sorgen nach wie vor für ein hohes Interesse von Industrie und Politik an NGT. Allerdings werden aktuell weltweit erst vier NGT-Pflanzen angebaut – nur eine mehr als im Jahr 2025. 108 weitere NGT-Pflanzen befinden sich in der Entwicklung. Oft werden sie zugelassen, dann aber gar nicht angebaut.

Nachhaltigkeitsvorteile in der Praxis nicht bestätigt

Die angekündigten Nachhaltigkeitsvorteile haben sich in der Praxis bisher nicht bestätigt. Keine der derzeit auf dem Markt befindlichen NGT-Pflanzen trägt zu Nachhaltigkeitszielen bei. Und auch von den in der Entwicklung befindlichen Pflanzen zielt nur ein kleiner Teil auf klimabezogene Eigenschaften wie Trockenheits- oder Hitzetoleranz ab. Es besteht also eine deutliche Diskrepanz zwischen Versprechungen und Realität. Dennoch werden NGT in vielen Teilen der Welt zügig dereguliert.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass NGT auch in diesem Jahr praktisch keinen wirtschaftlichen Erfolg verzeichnen werden und dass die Behauptungen, diese Technologien würden zu einem nachhaltigeren Ernährungssystem führen, nicht belegt werden können“, so ENGA-Generalsekretärin und Report-Mitautorin Heike Moldenhauer: „Stattdessen konzentrieren sich zahlreiche Entwicklungen auf potenziell verbrauchertäuschende Eigenschaften wie ,Nicht-Bräunung‘ oder verlängerte Haltbarkeit und haben mit Nachhaltigkeit nichts zu tun“.

NGT sind kein wirtschaftlicher Erfolg

Das Ungleichgewicht zwischen Zulassungen und tatsächlichem Anbau, insbesondere in den USA, zeigt, dass eine gesetzliche Freigabe allein nicht zu Anbau oder kommerziellem Erfolg führt. Einige NGT-Pflanzen wurden sogar schon wieder vom Markt genommen, was die bislang schlechte wirtschaftliche Performance unterstreicht.

Fragwürdige Merkmale Herbizidtoleranz und „Haltbarkeit“

Die meisten tatsächlich in der Entwicklung befindlichen NGT-Pflanzenmerkmale lassen die politische Argumentation für die Deregulierung sehr fragwürdig erscheinen. Trotz der weitreichenden Nachhaltigkeitsversprechen befassen sich nur wenige NGT-Entwicklungen mit Klimaresilienz: Nur sechs der „in der Entwicklung“ befindlichen NGT-Pflanzen könnten theoretisch zur Bekämpfung der Klimakrise beitragen – allerdings ist unklar, ob sie jemals angebaut werden. 

Andere NGT-Pflanzen haben Herbizidtoleranz oder Produkteigenschaften wie Haltbarkeit zum Ziel. Sieben Pflanzen sollen „nicht bräunen“ oder „länger haltbar“ sein, wodurch sie einen trügerischen Eindruck von Frische vermitteln. Weitere sieben NGT in der Entwicklung sind herbizidresistent – genau wie die meisten „alten“ Gentechnik-Pflanzen.

Weltweit voranschreitende Deregulierung

Weltweit gibt es einen starken Trend in Richtung NGT-Deregulierung, obwohl es keine  Belege für einen nennenswerten Nutzen für die Öffentlichkeit gibt und auch die Marktakzeptanz gering ist.

Immer mehr Länder, darunter die USA, Großbritannien, Brasilien, Argentinien und Australien, führen gesetzliche Rahmenbedingungen ein, nach denen NGT ohne fremdes Erbgut nicht mehr als gentechnisch verändere Organismen (GVO) gelten oder dereguliert wurden. In der Praxis bedeutet das: Aufhebung der Anforderungen an Risikobewertung, Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung, wodurch die behördliche Kontrolle gegenüber bisherigem Recht erheblich reduziert wird. 

In China dagegen nimmt derzeit zwar einerseits der den Anbau „alter“ Gentechnik-Pflanzen zu und es gibt es dort das weltweit größte öffentlich finanzierte Agrarbiotechnologieprogramm, andererseits sind aber Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung bei allen chinesischen Gentechnik-Lebensmitteln Pflicht, ob „alt“ oder „neu“.

NGT-Deregulierungen werden schon wieder in Frage gestellt

Jüngste Entwicklungen beispielsweise in Mexiko oder Kenia zeigen, dass Deregulierungsansätze rechtlich und politisch wieder in Frage gestellt werden. Gründe sind etwa Bedenken zu Rechten von Landwirten und indigenen Gemeinschaften sowie zur langfristigen Steuerung der Ernährungssysteme.

In vielen Regionen kritisieren Landwirt:innen, Verbraucherorganisationen und zivilgesellschaftliche Gruppen die Abschaffung von Transparenz und Wahlfreiheit, Auswirkungen auf die Saatgut-Souveränität und die Gefahr einer zunehmenden Konzentration im Saatgutsektor.

ENGA: New GMOs Market Report, Edition 02, May 2026

Vorstellung des New GMOs Market Report beim Non-GMO Summit 2026 (Präsentation von Dr. Eva Gelinsky)